Wissen, wo es langgeht: Der Ultralauf-Kompass von Norbert Madry

madry, ultralauf-kompass (cover)

150 Fragen beantwortet Norbert Madry, der selbst Ultraläufer mit langer Erfahrung und auch Trainer ist, auf den gut 170 Seiten seines gerade erschienen Ultralauf-Kompass. Eigentlich sind es sogar 300 Antworten: Es gibt nämlich immer eine kurze, sehr pointierte Antwort, die meist nur aus einem knappen Satz besteht, und eine ausführliche, erklärende, die sich auch mal – aber nur selten – über mehrere Seiten ziehen kann. Manchmal ist der Ton etwas arg schnoddrig für meinen Geschmack, aber das ist natürlich eine subjektive Einschätzung.

Macht Ultralaufen doof?
Ja, aber glücklicherweise nur vorübergehend. (24)

Eine Menge Stoff also. Und Madry packt in den Fragenkatalog auch so ziemlich alles, was wichtig ist – und wenn er etwas nicht behandelt, wie zum Beispiel die Ausrüstung und Ernährung, dann weist er zumindest darauf hin und begründet das mit dem fehlenden „Ultraspezifikum“: Wenn das, was fürs Marathonlaufen gilt, auch beim Ultralauf Anwendung findet, mag er es nicht auch noch mal behandeln. Ein sehr sympathischer Ansatz. Denn ein Buch, dass sich an Ultraläuferinnen (oder zumindest Ultra-Interessierte) wendet, wird in der Regel nicht auf Laufnovizen treffen – ein gewisses Grundwissen dürfte also vorhanden sein und das setzt Madry auch voraus.

Das Frage-Antwort-Format passt ganz gut, weil er recht bodenständig vor allem auf (seine) Erfahrungswerte setzt, ohne große Theorien: Nach dem Motto „Aus der Praxis, für die Praxis“ ist der Ultralauf-Kompass tatsächlich so etwas wie „ein kleiner, sehr subjektiv gefärbter Laufkumpel in Buchform“ (8). Gut gefallen hat mir auch, dass er immer wieder einräumt: Hier präsentiere ich meinen eigenen Blick auf die Materie, manche Antworten könnte man auch anders geben und nicht alle sind unbedingt für alle gültig. Er verfährt also nicht diktierend (so muss man es machen), sondern weist darauf hin: So kann man es machen, so hat es sich zumindest bewährt …

Auch wenn er im Vorwort das Buch ausdrücklich nicht nur für Ultras, sondern auch für interessierte Läufer oder Neugierige ob der Verrücktheiten, die verstehen wollen, was andere zu Ultras treibt, vorsieht, so ist das doch schon ein Laufbuch für Aktive. Madry konzentriert sich dabei vor allem auf die beiden „klassischen“ Ultradisziplinen 100 km und 24 Stunden, bleibt also vorwiegend beim Straßenlauf. Zugleich sind die Ratschlägen, Hinweise und Antworten aber doch in der Regel so allgemein gehalten, dass sie sich für die meisten Ultrastrecken anwenden lassen.

Was ich auch noch festgestellt habe: Nachts kann man entweder schlafen oder laufen. (91)

Er fängt dabei mit allgemeinen Überlegungen zum Ultra an, bevor sich der Hauptteil – nämlich fast 100 Seiten – mit dem Training, untergliedert nach Grundlagen (als „Bausteine“ sind die recht treffend bezeichnet), Plänen, Besonderheiten und Jahresplanung, befasst. Abschließend gibt es noch zwei Kapitel zum Wettkampfgeschehen sowie der Psychologie und Soziologie des Ultras.

So weit ich das erkennen und beurteilen kann, sind das vorwiegen vernünftige Ratschläge, mit denen mal nicht viel falsch machen dürfte. Das Training zum Beispiel wird klassisch periodisiert in Grundlagen, spezielle Vorbereitung (mit Peak und eher zurückhaltendem Tapering), Wettkampfphase und Regeneration. Natürlich liegt der Schwerpunkt dann auf langen Läufen, die eigentliche Tempoarbeit erledigt Madry in der Nebensaison und lässt sie im Haupttraining nur noch erhaltend reaktivieren. Dabei gilt sowieso: Im Ultralauf-Kompass wird sich nicht für jedes Fitzelchen Trainingsgestaltung eine absolut gültige Antwort finden lassen. Denn Madry geht von einem mündigen, nach- & mitdenkenden Athleten aus, der auch schon über Lauferfahrung verfügt – das ist ja wohl auch der Normalfall, dass man meist schon ein paar Marathons und Kürzeres in den Beinen hat, bevor man an Ultras, zudem auch noch leistungsinteressiert, herangeht. Madry spricht dabei immer wieder gerne vom „läuferischen Gesamtkunstwerk“ – und das ist auch typisch: Nicht ein einzelner/wenige Ansatzpunkt ist erfolgsverheißend, sondern es sind sehr viele, sehr verschiedene Stellschrauben, an denen zur Leistungsverbesserung, zur Ausreizung der persönlichen läuferischen Potenzials, gedreht werden kann.

Ich habe es nicht ausprobiert (und auch nicht alles durchgerechnet). Beim Lesen des Ultra-Kompass sind mir aber aus meiner (bescheidenen) Ultraerfahrung jedoch keine groben Unstimmigkeiten aufgefallen oder Sachen, die mir suspekt erschienen. Allerdings gibt es eben auch keine „neuen“ Weisheiten – ganz wie es Madry eben verspricht. Sehr zurückhaltend (um es so zu formulieren) fand ich seine Einstellung zur Psyche beim laufen – ihm liegen die körperlichen Dinge offenbar mehr (und sie sind ja auch absolute Voraussetzung). Aber ich würde der mentalen Vorbereitung und Verfassung während Wettkampf/Lauf etwas mehr Bedeutung beimessen.

Aber der Ultralauf-Kompass ist auf jeden Fall lesenswert. Und er ist vor allem als Nachschlagewerk sehr hilfreich, wenn man sein eigenes, schlummerndes Halbwissen noch mal überprüfen oder korrigieren möchte …

Aber eine schöne Antwort auf die oft gestellte nervige Frage »Wovor läufst Du eigentlich denn weg??« ist: »Ich laufe vor nichts weg, sonder zu allem hin. Auch zu mir selbst, und ich bin noch lange nicht da.« (171)

Norbert Madry: Der Ultralauf-Kompass. Für alle, die es wirklich wissen wollen. Grünwald: Copress 2016. 176 Seiten. ISBN 9783767911116.

Waldlauf

… ich versuche mich an den Waldlauf zu erinnern, den ich in der Früh gemacht habe. Die Ruhe, das monotone Aufsetzen der Füße. Ab und zu die Arme schlenkern, ganz locker. Tief durchatmen, das langsame Erhitzen des Körpers. Die vollkommene Leere im Kopf. Die Augen erfassen den Boden, die Baumstämme. Im Laufen tanzen die Bäume vor den Augen, ich laufe, bis die Landschaft vor meinen Augen auf- und abhüpft, wie ein verrücktes Fernsehbild … Urs Jaeggi, Brandeis, 10f.

Streaktage 28-41

Weiterhin ist wenig zu berichten: Ich trotte so in meinem Trott vor mich hin ;-). Es tut sich gerade erstaunlich wenig. Aber ich habe in diesen Tagen auch wenige (d.h. eigentlich gar keine) Impulse gesetzt. Von daher ist das natürlich kaum verwunderlich. Mal sehen, wie es nach dem 50-Tage-Jubiläum (dann fängt das Streaken ja eigentlich erst richtig an …) weitergeht …

Immerhin waren an diesem Wochenende zwei schöne (nur nicht sehr lange) Läufe auf den Höhen des Odenwalds möglich – den Orgelvertretungen seis gedankt … Am Samstag war ich nach eine Trauung zwischen Rehbach, Spreng und Brombachtal unterwegs: Eine sehr schöne Ecke ist das, die ich bisher nur von den Straßen vom Durchfahren kannte. Und heute habe ich in Böllstein am Panoramweg eine kleine Runde in der mittäglichen Sonne gedreht. Der Weg hat seinen Namen übrigens wirklich zu Recht, man sieht von dort wunderbar über das Gersprenztal bis zur Bergstraße hin …

Streaktage 21-27

Wiederum wenig zu vermelden von dieser Woche. Die Umfänge bleiben bescheiden, die Beine haben sich noch nicht so recht an ihre neue Bestimmung gewöhnt. Und das Wetter schlägt weiter Kapriolen – am Montag abends bei knapp 20 °C eine halbe Stunde im strömenden Regen gelaufen, am Freitag mittags dann bei 35 °C kräftig geschwitzt. Und heute beim Lauf durch die Äcker im Odenwald auf einmal knöcheltief im Schlamm gestanden: Der dauernde Regen setzt auch den Ackerboden in Bewegung. Und er macht das so geschickt, dass man nicht erkennt, wie tief der aufgelöste Boden auf dem befestigten Weg inzwischen steht – heute war es etwas mehr als ich gebraucht hätte (zumal ich vorher gerade meine eh‘ eigentlich immer verdreckten Schuhe durchs beständige Laufen im nassen Gras schön sauber gemacht hatte, um den Preis nasser Füße …).

Streaktage 14-20

Es gibt wenig zu berichten: Es läuft, aber langsam und eher hart, mit zeitweise viel Überwindungsbedarf. Der Rhein hat Hochwasser, das etwas sinkt und steigt. Es regnet immer wieder, was das Laufen ja nicht unbedingt angenehmer macht. Das einzige interessante: Am Sonntag kam ich beim Laufen zwischen Zell und Brombachtal an der „Suppenschüssel“ vorbei: Da steht mitten im Wald bei einer Ruhebank tatsächlich einfach ein runder Sandstein, der wie eine flache Schüssel behauen ist – warum auch immer …

Regenlied

Des Regens starker Gesang wird zum Rauschen,
Das voller und voller erklingt.
Es schweigt selbst der Wald, um dem Liede zu lauschen,
Das der strömende Himmel ihm singt.

Es schäumen mit wuchtendem Anprall die Wasser
Vom Himmel zur Erde herab.
Es rasen die Ströme des Regens in nasser,
Wild stürzender Wut, die der Blitz ihnen gab.

Es duckt sich und beugt ihren Rücken die Erde
Unter dem peitschenden Sausen.
Wie vom Hufschlag einer hinrasenden Herde
Ist die Luft erfüllt von dem Brausen.

Dann wird das Rauschen zum raunenden Schallen,
Zum Murmeln von müder Süße.
Auf die Dächer vereinzelte Tropfen fallen
Wie ferne, glückstrunkene Küsse.
Selma Meerbaum-Eisinger (1.8.1941)

Streaktage 1-13

Der neue Streak begann am 31. Mai – eigentlich war der Start am 1. Juni geplant, ich habe aber gleich stilecht mit einem Mitternachtsdouble begonnen ;-). Die ersten Tage bisher weitgehend ereignislos. Die Kilometer sind sehr bescheiden. Aber jetzt geht es erst einmal darum, täglich zu laufen. Und dann die Kilometer langsam zu erhöhen – sowohl die täglichen als auch die maximalen, das heißt, die „langen“ Läufe (die momentan das Attribut „lang“ höchsten im Vergleich tragen dürfen …). Am Mittwoch habe ich dann gleich noch einen Stolpersturz am Rheinufer vor Publikum hingelegt und mir mal wieder eine Schürfwunde am Knie zugezogen, aber die ist harmlos. Man sollte halt beim Laufen nicht zu sehr ins Träumen geraten. Diese Woche habe ich gestern und heute mit zwei Regenläufen im Odenwald abgeschlossen (und zwar so richtige Regenläufe, nicht so ein bisschen Geniesel: Beide Male hatte ich keinen trockenen Faden mehr am Leib). Die Woche heute konnte ich immerhin mit der schönen Summe von 33,3 Kilometern abschließen. Das ist natürlich nicht viel, aber mehr, als ich im Mai insgesamt gelaufen bin 😉

Wissenschaftliche Blasenvermeidung

Es ist ja eigentlich kein großes Geheimnis: Wenn man zu Blasenbildung neigt, klebt man die entsprechend gefährdeten Regionen ab. Ich benutze dafür Leukotape: Das hat mit knapp 4 Zentimetern eine ausreichend große Breite, lässt sich auch ohne Schere kürzen und vor allem hält es bombenfest – manchmal sogar zu fest …

Ein Ärzteteam hat nun eine alternative Methode untersucht. Sie verwendeten Papierpflaster bei verschiedenen Austragungen des mehrtägigen Ultramarathons „RacingThePlanet“ 2014. Das nun auch statistisch – in diesem Versuch mit 128 Teilnehmern – abgesicherte Ergebnis: Pflaster beugen Blasen vor. (In bester naturwissenschaftlicher Tradition waren auch ganze zehn Ärzte als Autoren für die Studie, die sieben Seiten inklusive Fotos, Diagramme und Tabellen umfasst, notwendig …)

Das ist ja logisch: Blasen entstehen durch Reibung (auf) der Haut, die sich auf die Haut überträgt und die Kohäsion der Hautschichten auflöst. Wenn das Pflaster die Haut ausreichend fixiert und die beanspruchte Stelle dadurch ruhig stellt, reibt nichts mehr. Also entstehen keine Blasen. Das ist eigentlich schon das ganze Geheimnis. Welches Pflaster man benutzt, ist dann wohl eher Geschmackssache. Im Gegensatz zu Leukotape ist Papierpflaster (z.B. 3M Micropore) deutlich billiger, aber in der gängigen Größe auch wesentlich schmaler. Bei dem Versuch fielen immerhin 18 von 128 Teilnehmerinnen aus, meistens, weil sich das Pflaster vorzeitig löste.

Immerhin, die Schlussfolgerung fällt klar aus:

We found that paper tape had a robust protective effect on blister formation on runners’ feet in multistage ultramarathons. Paper tape is an inexpensive, readily available, and easy-to-apply intervention that prevented blisters in approximately 3-quarters of the people who applied it. This study was the first to show that a simple adhesive tape can prevent foot blisters.

Der Vergleich mit anderen (in vorigen Experimenten getesteten) Lösungen fällt auch deutlich aus – Vaseline und andere Mittel verringern zwar die Reibung, aber nicht so effektiv wie Tapes. Probleme mit dem Papierpflaster gab es eher bei nassen Läufen, weil es dann offenbar nicht ausreichend hält. Anekdotische Evidenz aus meiner Erfahrung zeigt, dass das für sachgemäß angebrachtes Leukotape nicht gilt. Dafür hat man dann dabei das Problem des Entfernens – gerade bei wiederholten Läufen und wiederholter Anwendung leidet die Haut. Da kann Papierpflaster, das betont auch die Studie, seine Stärken ausspielen:

Although the most common reason for protocol noncompliance was the lack of tape adhesion, there is a benefit of the weak adhesive qualities of paper tape in that it minimizes the possibility of unroofing a blister upon its removal.

Interessanterweise (und für mich etwas überraschend) wurde auch beobachtet, dass Blasen am häufigsten relativ zu Beginn der Laufzeit (in den ersten Stunden) auftreten – wer dann noch keine hat, bekommt offenbar auch selten noch welche.

Doch davon unabhängig gilt die frohe Botschaft:

This simple pretaping technique of blister-sensitive areas may substantially improve utilization and enjoyment of the outdoors by minimizing both the number and occurrence of friction foot blisters

Literatur: Grant S. Lipman, Louis J. Sharp, Mark Christensen, Caleb Phillips, Alexandra DiTullio, Andrew Dalton, Pearlly Ng, Jennifer Shangkuan, Katherine Shea and Brian J. Krabak: Paper Tape Prevents Foot Blisters: A Randomized Prevention Trial Assessing Paper Tape in Endurance Distances II (Pre-TAPED II). In: Clinical Journal of Sport Medicine (2016). URL: http://journals.lww.com/cjsportsmed/Abstract/publishahead/Paper_Tape_Prevents_Foot_Blisters___A_Randomized.99568.aspx (2016-04-14).

Cool in Kühtai

Vier Tage Skifahren im März mussten es – ergänzend zum ebenfalls viertägigen Besuch beim Mono-Ski.org-Treffen in Galtür im Januar – noch sein. Das ganze war dann, aufgrund verschiedener Terminverschiebungen und -überraschungen, doch etwas kurzfristig geplant: In der ersten Märzwoche donnerstags noch schnell eine Unterkunft organisiert, Mietwagen gebucht und das Material gecheckt. Das Ziel Kühtai stand schon eine Weile auf meiner Wunschliste. Nach einem Skitag dort im Schneesturm als Kind musste ich da noch einmal hin, schließlich hatte ich das als schwieriges Gelände in Erinnerung.

Vorlauf

Eigentlich wollte ich ja noch einmal das superbillige Angebot von Flixbus nutzen. Das gab es dann aber im März praktisch nicht mehr: Die Auswahl der Skigebiete war schon stark eingeschränkt und die Fahrten noch mehr, in der Regel fuhren die Busse nur noch Freitags bis Sonntags – und das half mir gar nichts, da ich spätestens am Freitag abend wieder in Mainz sein musste (Samstag stand ein Auftritt an …).

Die Unterkunftssuche allerdings schwierig: Kühtai ist ja ein besonderer Ort – nämlich eigentlich gar keiner. Auf der Höhe – immer um die 2000 Meter hoch – gruppieren sich ein knappes Dutzend Hotels um die Straße und die Liftstationen. Und das war es dann auch schon so ziemlich. Wirklich günstig kommt man da nirgends unter … Ich habe mich dann für die Zirmbachalm entschieden. Die liegt etwas außerhalb (an der Straße ins Sellraintal), hat dafür aber eine Bushaltestelle direkt vor der Tür.

Der „Urlaub“ begann in Mainz ganz prosaisch: Zunächst musste ich mal das Auto abholen und dann erst einmal im Mainzer Berufsverkehrsstau am Europa-Kreisel herumstehen ;-). Mein bisschen Gepäck war schnell im Auto – die große Skitasche passte gerade so in den kleinen (und etwas unpraktischen) Panda. Und dann ging es auf die Autobahn, noch eine Autobahn und zur Abwechslung etwas mehr Autobahn. Wegen einer Vollsperrung der A8 bin ich dann doch über Heilbronn gefahren. Und kurz vor Stuttgart hat mich ein längerer Stauwegen eines Lastwagenunfalls noch einmal gehörig aufgehalten. Aber irgendwann war ich dann im ganz frühlingshaft-grünen Oetz und konnte auf die Straße hoch nach Kuhtäi abbiegen. Das zieht sich dann doch noch mal gewaltig, bis man wirklich oben ist. So kam es, dass ich erst nach 16 Uhr an der Zirmbachalm – einem einfachen, aber sehr gemütlichen Gasthof – ankam. Aber ich hatte ja Zeit, an dem Tag war ja nichts mehr zu erledigen …

Der erste Skitag

Um kurz vor neun brachte mich der Skibus – so eine Haltestelle direkt vor dem Haus ist nicht zu verachten – nach einem ordentlichen Frühstück wieder die zwei Kilometer hoch nach Kühtai. Da hab‘ ich dann schnell einen Skipass gekauft und mich ins Vergnügen gestürzt. Das Wetter war etwas durchwachsen: Leichter Schneefall, dichte Bewölkung, stellen- und zeitweise problematische Sicht. Aber im großen und ganzen war es durchaus ok. Und die Pisten waren gut präpariert, der Schnee war schön – es machte einfach Spaß, wieder auf dem Ski (meinem vertrauten Snowshark TT Hammer) zu stehen. So zog ich also meine Runden, gewöhnte mich schnell wieder an alles und war glücklich …
Gegen 14 Uhr war die Sicht kurz so katastrophal, dass ich tatsächlich eine Hüttenpause in Erwägung zog. Auf dem Weg in der Gondelbahn riss dann der Himmel aber auf, die Sonne schien und es war einfach wieder genial. Da war natürlich an Pause überhaupt nicht zu denken. Und so ging es ohne Pause dann durch bis zwanzig nach drei. Da dachte ich: muss doch mal schauen, wann der Skibus fährt – und hatte das große Glück, dass er wenige Minuten später abfuhr. Der nächste ging nämlich erst eine Stunde später. Und meine Beine waren schon ganz schön müde. Aber so hat das alles perfekt gepasst.

Die Skiline für den Dienstag:
skiline 8-3-2016

Zurück in der Zirmbachalm schlüpfte ich erst einmal noch in die Laufklamotten und absolvierte einen minimalen Streakerhaltungslauf – zwei Kilometer genügen nach einem Tag auf dem Ski auch durchaus, zumal es da weit und breit nichts ebenes gibt …

Sonne pur am zweiten Tag

Der Mittwoch begrüßte mich schon im Bett morgens mit strahlendem Sonnenschein. Und so blieb es auch den ganzen Tag. Das war auch morgens, als es noch ordentlich kalt war, sofort zu merken: Deutlich mehr Leute im Bus, deutlich mehr PKWs auf den Parkplätzen und deutlich mehr Menschen auf den Pisten. Bis auf ein Mal, als ich kurz nach 10 Uhr am Hochalter-Lift gerade in den Anfang der Skikurse geriet, war das aber nie so viel Betrieb, das man irgendwo anstehen musste – schade fast, so reduzierte sich die Erholungszeit auf das Liftfahren.

Bei diesen scheinbar perfekten Konditionen zog es mich mit dem Snowgunz-Mono natürlich auch neben die Piste. Das erwies sich aber als gefährlich. Gleich morgens in einem schönen Hangstück erwischte ich dabei einen bösen Stein: Der neue Schnee war sehr leicht und locker (und doch nicht sehr viel), bedeckte alle gefährlichen Stellen, ohne sie wirklich zu schützen. Im Laufe des Tages blies der Wind – der gehört unbedingt zu Kühtai … – da auch wieder weg. Und die Sonne leckte auch fleißig: An den Südhängen kam schnell abseits der Piste auf exponierteren Stellen schon heute, spätestens morgens der Untergrund wieder raus. Angesichts der also eher knappen Schneelage beschränkte ich meine Off-Piste-Ausflüge dann in übersichtliche, pistennahe Abschnitte. Die waren dann mit wenigen Ausnahmen zwar schon etwas zerfahren und nicht mehr jungfräulich – aber trotzdem noch sehr wunderbar.

Mitten im Skigebiet stand übrigens noch der Rest eines Fernsehevents eines britischen Senders auf der Piste im Weg – das Personal war fleißig am Abbauen der absurd riesigen Aufbauten. Ich finde es ja nicht so prickelnd – schließlich bezahle ich ja den vollen Preis … – das für solche Sachen ein Teil des Gebietes gesperrt wird. Das ganze war sowieso total verrückt: Die haben tatsächlich mehrere 30-Tonner mit Fernseh-, Licht- und Tontechnik von England nach Kühtai gefahren, die dann im Laufe meiner Anwesenheit dort nach und nach wieder zurückgefahren sind …

Fürs Protokoll die Skiline vom Mittwoch:
skiline 9-3-2016

Auch der Mittwoch wurde mit einem kurzen Lauf abgeschlossen, bevor ich mich und meine Beine der Erholung anheimgab.

Sonne zum zweiten

ebenso am Donnerstag

Der Donnerstag war eine perfekte Kopie des Mittwochs: Wieder herrlichstes Sonnenwetter, morgens war ich auch noch einmal etwas Offpiste unterwegs. Aber mir unterliefen aus irgend einem Grund häufiger Fehler als in den letzten Tagen. Mit dem Snowgunz ist das ja nicht so drastisch, der verträgt so viel und ist dermaßen gutmütig, dass man noch unheimlich viel wieder ausbügeln kann, bevor man stürzt. Aber gewundert hat es mich schon ein bisschen.

Jetzt, am dritten Tag, merkte ich auch, dass ich eigentlich alles im Skigebiet schon sehr gut kannte: Bei jeder Piste war mir das Profil noch im Gedächtnis, ich wusste, wo es steiler wird, wo es bergauf geht (was in Kühtai vergleichsweise häufig passiert) und wo es Spaß macht, es richtig krachen zu lassen. Für längere Aufenthalte wäre so ein Skigebiet dieser Größe mir dann doch zu übersichtlich. Da ich ja relativ flott unterwegs bin und eher rastlos skifahre, bevorzuge ich dann doch Gebiete mit etwas mehr Auswahl …

Auch für den Donnerstag noch die Skiline:
skiline 10-3-2016

Freitag: Heimwärts der Blick

Am Freitag musste morgens erst einmal noch schnell das Auto gepackt werden – viel war es ja nicht. Dann bin ich schon mit allem Krempel nach Ochsengarten – also schon einmal das erste Stück in Richtung Heimat – gefahren und dort in das Hochoetz-Skigebiet eingstiegen – mit der wohl ältesten Gondelbahn, die ich je benutzt habe: 1977 in Sölden gebaut, dann 1999 nach Ochsengarten versetzt, soll sie wohl jetzt endgültig ausgemustert werden. Die alten Vierer-Kabinen muten wie Puppenspielzeug an, den Ski habe ich geradeso mit hineinbekommen (außen natürlich an so einem Oldtimer keine Halterungen für Snowboards, die ich sonst benutze, um meinen Mono abzustellen). Das Wetter war wieder sehr schön, nur mittags zog kurz Bewölkung – aber lange nicht so schlimm wie im Wetterbericht angekündigt, verzog sich nämlich sehr schnell wieder, so dass ich doch bis ungefähr halb vier auf dem Ski stand. Dabei ist Hochoetz eigentlich ziemlich langweilig: Die meisten Pisten eher kurz, eher breit und eher flach … Das war schön, um mal flott unterwegs zu sein. Eigentlich ist das aber doch eher ein Gebiet für Anfänger oder noch nicht so sehr geübte. Und das hat man auch gemerkt: An den wenigen Stellen, wo etwa rote Pisten etwas steiler und enger wurden, kam es fast zu Staus – und die Piste war dort sehr schnell sehr gut abgekratz. Mir macht das ja eher weniger – ich suche mir einfach den losen Schnee, meistens liegt davon in der Mitte ein schöner Streifen kleinerer Haufen, und setze da meine Kurzschwünge rein. Da brauche ich nur Platz – vorsichtige, langsame Querfahrer kommen mir da schnell in die Quere, weshalb ich da öfters länger wartete als zur Erholung meiner schwammigen Oberschenkel eigentlich notwendig war. Aber das waren ja nur wenige Stellen. Und einige Pisten – etwa die schwarz markierte (die kaum schwarz zu nennen war) blieben erstaunlich leer und bis nachmittags ordentlich präpariert. Morgens hat’s mich hingegen gleich mal geschmissen, weil die erste Abfahrt auf einer ausgesprochen schlecht präparierten Piste (was in Hochoetz, wie ich an diesem Tag feststellen konnte, keine Ausnahme ist) stattfand. Und der Schnee war ja noch steinhart, so dass ich nach der dritten hohen Kante und großen klumpigen Brocken, die noch herumlagen, nicht mehr reagieren konnte und mein Ski unter mir verschwand (für solche Pisten ist der Snowgunz auch nicht optimal, da wäre der TT Hammer besser, weil er schwerer und härter ist). Das Skigebiet liegt eigentlich ganz nett und schön verwinkelt, dadurch verteilt sich der Betrieb recht gut. Nur passt es nicht so recht zu mir und meinen Vorlieben: zu wenig Herausforderung (selbst schwarze Pisten sind eher gemütlich), zu wenig Spannung, um mich wirklich zu begeistern.

Zum Abschluss die Hochoetz-Skiline:
skiline 11-3-2016

Nachspiel

Das schön Wetter hatte dann auch nach dem Skifahren noch Vorteile. Zum einen war das Auto durch die Sonne schön vorgewärmt. Und das Umziehen und Einpacken ist natürlich in der Sonne wesentlich angenehmer als im Schneetreiben.

Gegen 15.45 saß ich dann im Auto und bin, inklusive eines kurzen Verpflegungsstops beim Hofer in Landeck, dann gut durchgekommen. Über den Fernpass hielt zwar ein sehr langsamer Lastwagen etwas auf, aber der ingesamt noch mäßige Verkehr blieb im Fluss. Und in Deutschland war ja wieder nur Autobahn angesagt – da war teilweise, etwa um Ulm herum, mehr Betrieb als ich erwartete, aber im großen und ganzen bin ich gut durchgekommen (auch wenn ich wieder mal feststellte: Autofahren macht mir keinen Spaß …).
Abends dann in Mainz schnell das Auto ausgeräumt, ausgepackt und aufgeräumt. Dann habe ich das gleich noch zum Vermieter zurückgebracht (denn am Samstag ging es vormittags ja schon wieder weiter, dieses Mal in die andere Richtung, nördlich von Bielefeld). Das hat ganz gut gepasst, denn den Rückweg habe ich laufend zurückgelegt – sehr zur Belustigung einiger Clubber. Damit war aber auch meinem Streak wieder genüge getan – und der Skitrip mit einem Mitternachtsdoppel würdig abgeschlossen.