Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

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Optimiertes Laufen

Der Unter­ti­tel sagt alles: „Medi­zi­ni­sche Tips zur bio­lo­gi­schen Leis­tungs­ver­bes­se­rung“. Im Kern geht es hier also um alles, was beim Lau­fen betei­ligt ist: Kno­chen, Bän­der, Mus­keln, von den Zehen bis zur Wir­bel­säu­le. Das alles wird – medi­zi­nisch – vorg­stellt und erläu­tert in Teil II: „Ana­to­mie und Bio­me­cha­nik des Lau­fens“. Teil III behan­delt dann „Feh­ler“ in die­sem Sys­tem unter der Über­schrift „Leis­tungs­li­mi­tie­ren­de bio­lo­gi­sche Gege­ben­hei­ten“ – sol­che Din­ge wie Fuß­fehl­stel­lun­gen, ver­küzr­te Mus­keln etc. wer­den hier abge­han­delt. Teil IV ist dann noch inter­es­san­ter für den akti­ven Läu­fer: „Häu­figs­te Über­las­tungs­pro­ble­me mit Check­lis­te zur Selbst­er­kennt­nis“. Teil V schließ­lich behan­delt im letz­ten Drit­tel die eigent­li­che Leis­tungs­op­ti­mie­rung – das reicht von den Lauf­schu­hen über die Ther­mo­re­gu­la­ti­on (sehr aus­führ­lich) bis hin zur „Trai­nings­steue­rung nach bio­lo­gischm Para­me­ter“, die dann erstaun­lich knapp aus­fällt. Über­haupt ist die­ses Buch nicht nur stark auf so etwas wie „Selbst­be­hand­lung“ oder „Selbst­er­fah­rung“ des Kör­pers aus­ge­legt, son­dern vor allem sehr knapp und über­sicht­lich – eher zum Nach­schla­gen als zum Lesen. Und eher für den medi­zi­nisch-tech­ni­schen Teil des Lau­fens zu gebrau­chen als für eine wirk­li­che Trai­nings­steue­rung – das bleibt sehr obe­fläch­lich und all­ge­mein. Für Besit­zer der „Lore of Run­ning“ kein unbe­dingt not­wen­di­ges Buch …

Božo Petra­cić, Franz Joa­chim Rött­ger­mann, Kurt-Chris­ti­an Traenck­ner: Opti­mier­tes Lau­fen. Medi­zi­ni­sche Tips zur bio­lo­gi­schen Leis­tungs­ver­bes­se­rung. 3. Auf­la­ge. Aachen: Mey­er und Mey­er 2000. 139 Sei­ten. ISBN 3–89124-390–1.

Schlammschlacht im Herbstwald

Ich war am Sams­tag mal wie­der lau­fen (natür­lich): 2:34:52 war ich unter­wegs – gereg­net hat es davon ziem­lich genau die ers­ten 2,5 Stun­den. Nicht immer sehr stark, mit sehr wech­seln­den Inten­si­tä­ten. Aber auf­ge­hört hat es erst, als ich kurz vor Schluss wie­der (zum let­zen Mal für die­sen Lauf) aus dem Wald auf­tau­che. Des­we­gen war der Dau­er­re­gen aber auch gar nicht so schlimm: Im Wald ver­teilt sich das irgend­wie viel mehr, es pras­selt nicht so sehr direkt auf mei­nen geschun­de­nen Kör­per. Dafür hnter­lässt er einen ent­spre­chen­den Lauf­un­ter­grund. Und der hin­ter­lässt Spu­ren – schon schnell merk­te ich, dass es die­ses Mal rich­tig dre­ckig wer­den wür­de. Und in der Tat, so ver­schlammt war ich sel­ten. Die Fotos ver­mit­teln das nur unge­nü­gend: Die Strümp­fe waren nicht mehr weiß, son­dern auf der Vor­der­sei­te mit röt­lich-brau­nem Matsch­was­ser mehr­fach durch­tränkt. Auf man­chen Abschnit­te spritz­te mir das Was­ser (bevor­zugt aus den Löchern der Pfer­de­hu­fe) bis an die Brust. Das kann aber auch damit zusam­men­hän­gen, dass ich ers­tens sowie­so ziem­lich flott (zumin­dest für mei­nen momen­ta­nen Trai­nings­stand) unter­wegs war und zwei­tens, nach­dem die Lage klar war, ohne Rück­sicht durch alle Schlamm­lö­cher, Pfüt­zen und Matsch­fel­der durch­ge­bret­tert bin. So schnell, dass der Forerun­ner auf den teil­wei­se auch mir neu­en Wegen nicht immer mit­kam – bei dich­tem Regen und dich­tem Wald an den Hän­gen des Oden­walds häu­fen sich die Aus­set­zer. Des­we­gen hat­te der Gar­min nur 30 Kilo­me­ter, Sport­tracks nach erneu­ter Berech­nung aber immer­hin 30,76 Kilo­me­ter auf­ge­zeich­net. Natür­lich traue ich Sport­tracks mehr 😉 – das so ermit­tel­te Tem­po stimmt aber auch eher mit mei­nem Gefühl über­ein.

beine von hinten füße schuhe

Leidenschaft Laufen

„Nichts ist so edel, tief und irra­tio­nal wie unser Lau­fen – und nichts so wild und urtüm­lich.“ (24)

So schreibt es Bernd Hein­rich, (Ultra-)Marathoni und Bio­lo­ge. Er hat eines der bes­ten Bücher über sei­ne bei­den Lei­den­schaf­ten geschrie­ben: Die Natur­welt und das Lau­fen. So heißt es auch: „Lau­fen. Geschich­te einer Lei­den­schaft“. Und der Unter­ti­tel trifft es sehr genau: Denn um Lei­den­schaf­ten geht es hier. Nicht nur um das Lau­fen als Sport, als Fort­be­we­gungs­form oder als Wett­kampf, son­dern auch um Bio­lo­gie und ihre Läu­fer, die Käfer zum Bei­spiel, oder auch ande­re Aus­dau­er-Tie­re wie die Zug­vö­gel. Denn Hein­rich ist nicht nur Mara­thon- und Ultra­l­äu­fer ers­ter Klas­se (Anfang der 80er lief er US-Rekor­de über 100 Kilo­me­ter (in 6:38:21) und im 24-Stun­den-Lauf z.B., hat auch eini­ge gute Mara­thon-Zei­ten deut­lich unter 2:30 erlau­fen), son­dern auch Bio­lo­ge – offen­bar genau­so mit Leib und See­le, wie er das Lau­fen ver­folgt …

Der bio­lo­gisch gebil­de­te und geschul­te Hin­ter­grund die­se Läu­fers macht sich also bemerk­bar. Und zwar auf sehr ange­neh­me Wei­se. Schon die ers­te Schil­de­rung eines Mor­gen­lau­fes ist phan­tas­tisch (wahr­haf­tig!) – nicht nur, was er alles sieht – das ist offen­bar Mon­ta­ge vie­ler, jah­re­lan­ger Läu­fe – son­dern auch die Genau­ig­keit nicht nur des Erken­nes & Beob­ach­tens, son­dern auch des Ken­nens und Benen­nens – da merkt man den Natur­wis­sen­schaft­ler sehr deut­lich … Aber das ist trotz­dem (oder gera­de des­we­gen) so anschau­lich beschrie­ben, dass man den Läu­fer und sei­ne Umge­bung wirk­lich vor sich sieht. Und am liebs­ten sofort auf­bre­chen möch­te, genau so zu lau­fen – aber drau­ßen reg­net es gera­de, also lie­ber noch etwas wei­ter lesen.

Ich füh­le mich gut und spü­re, wie mir fri­sche Kräf­te erwach­sen durch die Erwar­tung der Din­ge, die hin­ter der nächs­ten Bie­gung mei­ner har­ren, durch die Erin­ne­rung an frü­he­re Läu­fe und gele­gent­lich auch durch die Vor­freu­de auf ein Wett­ren­nen in der Zukunft. (18)

Hein­rich ver­quickt hier sehr schön sei­ne per­sön­li­che Lauf­bio­gra­phie bis zu ihrem Höhe­punkt, den US-Meis­ter­schaf­ten im 100-Kilo­me­ter-Lauf in Chi­ca­go 1981 mit biologischen/physiologischen Beob­ach­tun­gen und Erkennt­nis­sen zum Aus­dau­er­sport. Davon, von dem Wett­kampf und sei­nen Vor­be­rei­tun­gen, aus­ge­hend blickt er zurück bis in sei­ne frü­he Kind­heit in Deutsch­land und Ame­ri­ka, sei­ne frü­he Begeis­te­rung für das Lau­fen drau­ßen in der Natur und sogleich auch die Beob­ach­tung die­ser Natur, sei­ne ver­schie­de­nen Ansät­ze, Lau­fen als Sport zu betrei­ben. Und dazwi­schen und mit­ten­drin ganz viel (für mich) Span­nen­des und Inter­es­san­tes aus der Tier­welt – über Zug­vö­gel, Insek­ten, Homi­ni­den, Gabel­bö­cke und Zie­gen oder Gepar­den glei­cher­ma­ßen. Immer unter dem Aspekt: Wie schaf­fen es die­se Arten, ihre beson­de­ren Fähig­kei­ten hin­sicht­lich der Fort­be­we­gung so zu erbrin­gen, wel­che Vor­aus­set­zun­gen bil­de­ten sie im Lau­fe der Evo­lu­ti­on für gro­ße Aus­dau­er- oder kur­ze Hoch­ge­schwin­dig­keits­leis­tun­gen aus. Und Hein­rich, der bei Insek­ten auch auf die­sem Gebiet als Bio­lo­ge geforscht hat, ver­sucht dann, die­ses Wis­sen auf den mensch­li­chen Läu­fer zu über­tra­gen, zum Bei­spiel sei­ne Ener­gie­ver­sor­gung vor und wäh­rend des Ultra­l­au­fes nach die­sen Erkennt­nis­sen zu gestal­ten (er benutz­te dann bei sei­nem 100er aus­schließ­lich Prei­sel­beer­saft …). Und als Neben­pro­dukt fällt ein schö­ner Ver­gleich der bei­den Mus­kel­fa­ser­ty­pen ab:

Ein anae­ro­ber FT-Mus­kel [Fast Twicht­ing] braucht kei­ne Vor­ker­hun­gen für eine rasche Ver­sor­gung mit Sau­er­stoff oder Brenn­stoff, für den Abtrans­port von Abfall­stof­fen und für Tem­pe­ra­tur­re­gu­lie­rung. Er ist wie ein Renn­au­to, das dafür gebaut ist, sehr schnell über die Stre­cke zu jagen, und daher ganz anders aus­sieht als ein Wohn­mo­bil, das man für eine Wüs­ten­durch­que­rung her­ge­rich­tet hat. (89)

Hein­rich selbst hat das Lau­fen wohl, so schil­dert er es, sein gan­zes Leben mit Lust betrie­ben – als Kind in Deutsch­land genau­so wie im Inter­nat in Ame­ri­ka, wo er dann auch zum Cross-Läu­fer wird. Auch am Col­lege lan­det er bei den Läu­fern, trotz ver­schie­de­ner Ver­let­zun­gen. Und spä­ter wird er dann fast neben­bei zum Mara­tho­ni mit einer Zeit von 2:25.

Ab dem 15. Kapi­tel geht es dann auf die Ziel­ge­ra­de: Der 100er von Chi­ca­go rückt jetzt end­gül­tig in den Fokus: Das Trai­ning, die Vor­be­rei­tung, die Ernäh­rung und der eigent­li­che Lauf als Schluss­sprint wer­den ver­gleichs­wei­se knapp dar­ge­stellt. Sehr sym­pa­thisch aber auch die dezi­dier­te Anti-Hel­den-Hal­tung Hein­richs, der sei­ne Leis­tung nicht groß­ar­tig her­aus­stellt, son­dern auch die Zie­le ande­rer Läu­fer immer wie­der betont. Ganz wesent­lich ist aber auch: Lau­fen ist immer ein Freu­de, eine Lei­den­schaft, ein Genuss – auch wenn es mal weh­tut, die Beloh­nung durch und im Erle­ben der Erfah­run­gen des Lau­fens und des Läu­fers wie­gen den Schmerz mit Leich­tig­keit wie­der auf.

Ins­ge­samt also: Ganz klar eines der schöns­ten Bücher über das Lau­fen, das ich ken­ne. Wahr­schein­lich, weil das eigent­li­che Lau­fen an sich (des Men­schen) gar nicht so sehr im Vor­der­grund steht. Son­dern eher die Begeis­te­rung für die lau­fen­de Fort­be­we­gung. Oder, noch all­ge­mei­ner, die Begeis­te­rung über aus­dau­ern­de Ent­fer­nungs­über­brü­ckun­gen, egal wie oder durch wen – so lan­ge es mit eige­ner Kör­per­kraft und ohne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel geschieht. Noch dazu ein klu­ges, sym­pa­thi­sches, über­haupt nicht ange­be­ri­sches Buch. Abso­lu­te Lese­emp­feh­lung!

Bernd Hein­rich: Lau­fen. Geschich­te einer Lei­den­schaft. Mün­chen: List Taschen­buch 2005. 349 Sei­ten. ISBN 978–3‑548–60564‑7.

„10 erfolgreiche Schritte“: Das Handbuch für Bergläufer

Das ist schon fast eine Anti­qui­tät, die­ses schon 1989 erschie­ne „Hand­buch für Berg­läu­fer“ von Her­bert Jost und Lud­wig Gei­ger. Aber so weit ich sehe, ist – zumin­dest im deut­schen Sprach­raum – in den letz­ten Jah­ren nichts ver­gleichs­ba­res erschie­nen.

Die bei­den Autoren ver­such­ten vor über zwan­zig Jah­ren, als Berg­lauf noch als „jun­ge“ Sport­art galt, eine mehr oder weni­ger umfas­sen­de „Anlei­tung“ im Sin­ne einer Hin­füh­rung zum Berg­lauf zu geben. Das heißt, dass sie sich ganz stark und beson­ders der Tech­nik des Lau­fens in den Ber­gen wid­men. Also spielt das „rich­ti­ge“ Lau­fen, die rich­ti­ge (d.h. effi­zi­en­te und gesun­de) Bewe­gung unter den beson­de­ren Bedin­gun­gen des Gebir­ges die Haupt­rol­le in die­sem Büch­lein. Behan­delt wird das mehr oder weni­ger stei­le Berg­auf- und Berg­ab-Lau­fen, die rich­ti­ge, ange­pass­te Lauf­tech­nik auf wech­seln­den Unter­grün­den, auch auf ungüns­tig zu lau­fen­den Unter­la­gen (Schnee z.B. oder nas­ses Gras – dazu heißt es erst ein­mal: „Nas­se Wie­sen abwärts zu lau­fen, ist etwa so wie auf Eis zu tan­zen.“ (42)).

Jost und Gei­ger stel­len dabei knapp und prä­gnant das Wesent­li­che (soweit ich sehe zumin­dest) vor – der nicht sehr umfang­rei­che Text wird durch ein schma­les Lay­out gestreckt. Die illus­trie­ren­den Fotos wer­den den heu­ti­gen Ansprü­chen nicht mehr ganz gerecht (nicht nur, weil sie schwarz­weiß sind, son­dern vor allem aber, weil sie nicht sehr prä­zi­se gedruckt wur­den …). Publi­ka­tio­nen wie das Trail-Maga­zin oder Dani­els Blog set­zen die Lat­te für sol­che Fotos inzwi­schen ziem­lich hoch. Dafür ist das Hand­buch aber mit hilf­rei­chen Zeich­nun­gen zur Lauf­tech­nik sehr instruk­tiv abge­run­det.

Der Teil zur Aus­rüs­tung, ins­be­son­de­re zu den Lauf­schu­hen, ist natür­lich reich­lich ver­al­tet – da hat sich in den letz­ten zwan­zig Jah­ren (1989 erschien das Hand­buch) ja doch eini­ges getan, vor allem in der Ent­wick­lung des Mate­ri­als und spe­zia­li­sier­ter Schu­he. Hier gibt es noch Lauf­schu­he mit Schus­ter­nä­geln – so wel­che hat­te ich in mei­nem kur­zen Läu­fer­le­ben noch nie in den Hän­den, geschwei­ge denn an den Füßen. Ande­res gilt frei­lich noch immer: „Kau­fen Sie einen Schuh, der so leicht ist wie mög­lich und so sta­bil wie nötig“ (51) – eine wohl zeit­lo­se Lauf­schuh-Wahr­heit. Aber immer­hin habe ich dabei neben bei noch gelernt, was ein „Bidon“ ist – näm­lich eine Trink­fla­sche der Rad­fah­rer …

Sehr aus­führ­lich behan­deln die bei­den neben der Lauf­tech­nik auch das Berg­lauf­trai­ning: umfas­send, aber natur­ge­mäß auf die­sem Raum und in die­sem Zusam­men­hang sehr knapp geschil­dert. Auch der Wett­kampf wird nicht ver­ges­sen, und, was ich sehr lobens­wert fin­de, auch die spe­zi­fi­schen Gefah­ren der Höhe, d.h. der inten­si­ven Leis­tung in Höhen­la­gen, und der alpi­nen Umge­bung wer­den aus­führ­lich beleuch­tet. Dazu haben sie sogar eine schön unüber­sicht­li­che Gra­fik ent­wi­ckelt: komplikationen bei intensiver leistung in großer höhe

Ergänzt wird das noch um Aus­füh­run­gen zum Berg­lauf in Bezie­hung zu ande­ren Sport­ar­ten und sehr knap­pen sport­me­di­zi­ni­sche Betrach­tun­gen sowie einem Kapi­tel zum „men­ta­len“ Trai­ning. Sehr schön sind aber auch die Sei­ten zum „Berg­lauf­wan­dern“ – das, was heu­te dann doch meist eher „Ultrat­rail“ genannt wird, im Prin­zip aber das glei­che ist: Lau­fen in den Ber­gen über lan­ge Stre­cken, auch mal meh­re­re Tage, wofür die Autoren ein schö­nes Bei­spiel geben, eine 60km-Stre­cke zwi­schen Vaduz und Räti­kon.

Also, sei­nen Titel trägt das „Hand­buch für Berg­läu­fer“ duch­aus zu recht. Noch ein­mal zur Über­sicht das Inhalts­ver­zeich­nis der 10+1 Kapi­tel:

  1. Was ist Berg­lauf?
  2. Aller Anfang ist schwer
  3. Die Tech­nik des Auf­wärts­lau­fens
  4. Die Tech­nik des Abwärts­lau­fens
  5. Die Aus­rüs­tung
  6. Das Berg­lauf­trai­ning
  7. Der Wett­kampf
  8. Die Beson­der­hei­ten der Höhe
  9. Berg­lauf und ande­re Sport­ar­ten
  10. Berg­lauf und men­ta­les Trai­ning
  11. Sport­me­di­zi­sche Aspek­te zum Berg­lauf

Her­bert Jost, Lud­wig Gei­ger: Das Hand­buch für Berg­läu­fer. Ober­ha­ching: sport­in­form 1989. 223 Sei­ten. ISBN 3–89284-036–9.

Das Hoch des Läufers. Oder Ein Hoch auf das Laufen

Die Lust zu lau­fen ist das gro­ße und ein­zi­ge The­ma die­ses Büch­leins. Andre­as Butz, der wie so vie­le als Frei­zeit­läu­fer zur Stei­ge­rung der all­ge­mei­nen Fit­ness ange­fan­gen hat, irgend­wann der ers­te Mara­thon (inklu­si­ve Schei­tern am eige­nen Ziel), und das dann auch wei­ter getrie­ben bis zum Iron­man (Ultras eher nicht), ist inzwi­schen einer der rüh­ri­gen Ver­mark­ter des Lau­fens und Betrei­ber des Lauf­cam­pus.
„Run­ners Hight“ ist eine Ode an das Lau­fen – ins­be­son­de­re die schö­nen Sei­ten (und das muss nicht immer der im Titel zitier­te „runner’s high“ sein), die Mor­gen­läu­fe, das Erle­ben der Natur etc. pp.
Nett, unter­halt­sam und tref­fend plau­dert Butz in knap­pen Kapi­tel bezie­hungs­wei­se einer Rei­he von klei­ne Erzäh­lun­gen mit spür­ba­rer Begeis­te­rung von sei­ner Lei­den­schaft. Es geht aber auch mal ein biss­chen ums Lau­fen selbst – die Bekeh­rung Butz zum Strunz-Anhän­ger und Vor­fuß­läu­fer etwa, natür­lich auch der ers­te „rich­ti­ge“ Lauf­schuh­kauf sind eben­so The­men wie die Ver­ein­bar­keit des Lau­fens mit Beruf und vor allem Fami­lie – irgend­wo muss die Zeit, die der Läu­fer mit der Erfah­rung des Hoch­ge­fühls ver­bringt, ja her­kom­men … Ins­ge­samt deckt Butz so ziem­lich alle übli­chen The­men ab: Lauf­schu­he, Lauf­klei­dung, Lauf­stre­cken, Tem­po im Trai­ning, Ernäh­rung, Lauf­tech­nik, Lauf­treffs, der inne­re Schwei­ne­hund, die klei­nen und grö­ße­ren Wett­kämp­fe auch, aber nicht so wich­tig.
Ein Büch­lein, das sehr schön die Fas­zi­na­ti­on des „nor­ma­len“ Lau­fens ver­mit­telt – also nicht so sehr „beson­de­re“ Momen­te wie irgend einen Berg­lauf, Ultra, Etap­pen­lauf oder ähn­li­ches (wie es in Bonings „Bekennt­nis­sen eines Nachtsport­lers“ zum Bei­spiel ganz stark ist), son­dern das Glück des all­täg­li­chen Lau­fens vor der Haus­tür, die Befrie­di­gung, die der Läu­fer dar­aus zieht, den Luxus genie­ßen zu kön­nen, ein­fach mal eine oder zwei Stun­den lau­fen gehen zu dür­fen und zu kön­nen.

Andre­as Butz: run­ners high. Die Lust zu lau­fen. Mün­chen: Copress 2002. 191 Sei­ten. ISBN 3–7679-0820–4

Wigald Boning läuf nachts – und bekennt sich dazu

Und er tut das, das Beken­nen natür­lich, in einem net­ten Buch: „Bekennt­nis­se eines Nachtsport­lers“.
Das ist rund­um unter­halt­sam und amü­sant, aber eher schmun­zelnd als – wie der Klap­pen­text ver­heißt – im Sin­ne eines „Lach­mus­kel­trai­ning“. Sooooo lus­tig fin­de ich sei­ne auto­bio­gra­phi­sche Schil­de­rung sei­nes sport­li­chen Lebens, der Ver­su­che, das mit Beruf und Fami­lie in Ein­klang zu brin­gen, auch wie­der nicht. Aber es ist ein sehr locke­rer Text. Und auch das Lau­fen geschieht eher neben­bei , der Mara­thon geschieht in ein paar Zei­len, der ers­te Ultra hat immer­hin eini­ge Sei­ten, in denen es aber nicht so sehr ums Lau­fen als um das Drum­her­um geht. Und um ganz viel Leicht­sinn. Zumin­dest so wie Boning es erzählt, ist er extrem unvor­sich­tig und drauf­gän­ge­risch, ris­kiert Leib und Leben (übri­gens nicht nur sei­nes) – es sei mal dahin­ge­stellt, ob das der Rea­li­tät ent­spricht oder ob er nur ger­ne dra­ma­ti­siert. Aber ver­füh­re­rerisch und eben leicht­sin­nig ist es doch – „Und zurück kammt man immer, irgend­wie.“ ist offen­bar sien Haupt­mot­to gewor­den – und das ist schon grenz­wer­tig, fin­de ich …

Mein Fazit daher: Das ist eher ein Lauf­buch für Nicht­läu­fer – oder ein Sport­buch für Boning-Fans. Und eine ganz ange­nehm-net­te Bett­lek­tü­re – ohne gro­ßen Anspruch und beson­de­ren Erkennt­nis­wert.

Wigald Boning: Bekennt­nis­se eines Nachtsport­lers. Rein­bek: Rowohlt 2007. 299 Sei­ten. ISBN 9783–499-62192–5

Langer Sommerwaldlauf

Herr­lichs­tes Lauf­wet­ter war ges­tern im Oden­wald: Viel Son­ne (mit ein paar weni­gen Wol­ken), ca. 20 °C am Vor­mit­tag, die Luft noch sehr frisch und leicht bewegt (im Wald auch ger­ne noch etwas fri­scher) – ein­fach herr­lich und wun­der­bar.

Also los in die Schu­he – Den Wecker hat­te ich über­hört, des­we­gen wur­de es spät und spä­ter – erst nach 11 Uhr war ich wirk­lich so weit, auf eine gro­ße bzw. grö­ße­re Run­de zu gehen.

Macht nix, heu­te geht’s mir gut, heu­te las­se ich mri den schö­nen Lauf von nix ver­drie­ßen. Gestar­tet bin ich mit Mini­mal­aus­rüs­tung: Lauf­kla­mot­ten, Schu­he, Forerun­ner, Son­nen­bril­le und genau einen Schlüs­sel – viel leich­ter geht kaum 😉

Und dann ging es los, durch den Anfang des Drei­see­tals auf den Buch­wald­s­kopf. Und da, nach gut 3 Kilo­me­tern und dem ers­ten Anstieg, hat­te ich schon eine 5:24 als Durch­schnitt auf der Uhr – ok Mat­thi­as, auf den nächs­ten Kilo­me­tern geht es nach oben, die wer­den schon noch brem­sen. Pus­te­ku­chen, die kilo­me­ter­ar­me Woche macht sich wenigs­tens sams­tags posi­tiv bemerk­bar, ich lau­fe ein­fach locker wei­ter wie es so kommt. Und es kommt, was kom­men muss: Bei Kilo­me­ter 12, also kurz vor Bull­au und damit ziem­lich auf der Höhe, war der Durch­schnitt schon auf 5:20. Hof­fent­lich gibt das kein böses Erwa­chen … Und er fiel wei­ter – nach der kur­zen Run­de durch den Ort schon auf 5:19. Dann ging es ja erst ein­mal ziem­lich ordent­lich hin­un­ter: in den Bullau­er Euter­grund. Da unten, am unters­ten Ende mei­nes Weges, stan­den 17,2 Kilo­me­ter auf der Uhr – und ein ver­rück­ter Schnitt von 5:11. Ok, jetzt wird er aber sin­ken, denn nun geht es auf einem schma­len Pfad (Sin­gle-Trail), von den Regen­fäl­len der letz­ten Wochen beson­ders aus­ge­wa­schen, steil hoch. Das bin ich schon öfters gegan­gen. Heu­te aber nicht, heu­te kommt das gar nicht in die Tüte, das wird hoch­ge­lau­fen – zwar fast nur noch auf den Zehen­spit­zen, aber ich habe bis zum Zaun durch­ge­hal­ten. Dafür konn­te ich bei jedem Schritt füh­len, wie die Lak­tat­men­ge in den Ober­schen­keln anstieg und sie immer mehr über­säu­ertn und dazu auch der Puls hin­auf­schoss. Gut, dass es da ein Ende am Zaun mit der Klet­ter­hil­fe gibt – das ist eine halb­wegs natür­li­che Brem­se und gute Gele­gen­heit zum Ver­schnau­fen. Denn das nächs­te Stück bis zum geteer­ten Weg durch die ehe­ma­li­ge Wild­schwein­füt­te­rung ist zwar fla­cher, geht aber immer noch deul­tich berg­auf. Der Schnitt stand jetzt immer­hin wie­der bei 5:14, auf dem nächs­ten Kilo­me­ter bis zum unge­fähr höchs­ten Punkt wurd­ne dar­aus noch 5:16. Dann, auf dem Asphalt­weg, konn­te ich aber wie­der zule­gen. Gut, die Bei­ne waren jetzt, nach knapp 19 Kilo­me­ter schnel­lem Hügel­lauf, doch schon merk­lich ermü­det, der Lauf­stil nicht mehr ganz so locker wie auf den ers­ten Kilo­me­tern. Aber noch ging was … Und die Anzei­ge des Durch­schnitts sank wie­der – zwar lang­sam, aber halb­wegs kon­ti­nu­ier­lich. Beim Halb­ma­ra­thon hat­te ich eine 5:13, beim Würz­ber­ger Fried­hof eine 5:12. Dort nutz­te ich das herr­lich kal­te Was­ser zu einer klei­nen Erfri­schung – ich war jetzt schon etwas über zwei Stun­den unter­wegs, da tut ein biss­chen Was­ser mal ganz gut. Mein Magen war aber nicht so ganz ein­ver­stan­den. Zunächst aber der stei­le Abstieg nach Erns­bach durch den Hohl­weg: Erst ein­mal durchs Dickicht kämp­fen, durch die Bren­nes­seln und Brom­bee­ren, die in den letz­ten zwei, drei Wochen ganz schön gewu­chert sind hier im Wald. Und dann eben hin­un­ter, den stei­len Hohl­weg, der seit zwei Jah­ren (der letz­ten Durch­fors­tung mit gro­ßen Maschi­nen) in einem erbärm­li­chen Zustand ist. Und jetzt auch noch dazu sehr aus­ge­wa­schen von den Regen­fäl­len der letz­ten Zeit – alles in allem eine har­te Prü­fung, denn inzwi­schen waren gera­de die Ober­schen­kel, die ich fürs Berg­ab­lau­fen doch beson­ders brau­che, schon sehr müde. Aber es ging alles gut. Zumin­dest mit den Bei­nen. Und die Uhr zeig­te jetzt auch wie­der, wie schon im Euter­grund, 5:11 als Durch­schnitt an.

Denn kaum aus dem Wald hin­aus, fing noch vor dem eigent­lich Ort bei Erns­bach mein Magen an, mehr als ner­vös zu wer­den. Das wur­den schnell ziem­lich unan­ge­neh­me Krämp­fe – das sehr kal­te Was­ser war wohl doch kei­ne so gute Idee gewe­sen, sonst war in den letz­ten Stun­den ja nichts mehr hin­ein­ge­kom­men. Bis zum obe­ren Ende des Drei­see­tals schaff­te ich es noch, dann ging es nicht mehr. Mit einer län­ge­ren Geh­pau­se konn­te ich den Magen immer­hin halb­wegs beru­hi­gen – dau­er­haft bes­ser wur­de es aber noch nicht. Immer­hin konn­te ich dann noch­mal lang­sam anjog­gen – für die letz­ten drei bis vier Kilo­me­ter noch. Scha­de, das hat dann kei­nen Spaß mehr gemacht – blöd, das ein so tol­ler Lauf ein so unan­ge­neh­mes Ende nahm. Immer­hin wur­de es nicht wirk­lich schlimm – der Magen beru­hig­te sich nach einer Dosis Ultra-Refres­her sehr schnell end­gül­tig. Nur merk­te ich noch eini­ge Stun­den, dass ich nicht bis zum Ende durch­ge­lau­fen war und erst „spät“ nach dem Ende des schnel­len Lau­fens gedehnt habe – so steif bin ich sonst nach 30 Kilo­me­tern nicht unbe­dingt. Aber trotz­dem: Es ist immer wie­der toll, die­se Erfah­rung der eige­nen Kraft – egal wie schnell oder lang­sam es tat­säch­lich war. Aber das Gefühl, gera­de knapp 30 Kilo­me­ter hin­ter mich gebracht zu haben, in weni­ger als drei Stun­den mehr Stre­cke gemacht zu haben als vie­le am gan­zen Tag – das ist irgend­wie erhe­bend.

Hier gibt’s die Stre­cke und das Höhen­pro­fil (bei­des bei runsaturday.com)

Gelaufen: Das erste Halbjahr 2010

Und zwar ziem­lich durch­wach­sen, so als gan­zes. Irgend­wie bin ich nicht so ganz zufrie­den damit, wie es gera­de – oder genau­er gesagt: seit letz­tem Herbst – läuft. Denn so rich­tig kon­stant ist mein Leis­tungs­ni­veau nicht gera­de – eher das Gegen­teil.

Aber immer­hin zwei „Ultras“ waren dabei trotz­dem drin, die 50 Kilo­me­ter in Escholl­brü­cken und die paar-und-sech­zig des Nibe­lun­gen­steigs. Und dazu noch ein paar Läu­fe über vier­zig Kilo­me­ter. Aber eben immer wie­der unter­bro­chen von Wochen mit 60, 70 oder sogar nur 50 Wochen­ki­lo­me­tern. Also eben ein­fach viel zu unre­gel­mä­ßig für ein ver­nünf­ti­ges Trai­ning

Aber der Streak hält (noch), die Zwei-Jah­res-Mar­ke habe ich glück­lich erreicht, kurz gefei­ert und wohl­ge­mut über­schrit­ten. Es geht also wei­ter. Ich weiß nur nicht, wohin. Aber auch das wird sich fin­den. Haupt­sa­che, man kann hin lau­fen 😉

training auf dem rheinsteig

Auf dem Rhein­steig war ich ja schon öfter unter­wegs. Dies­mal soll­te es ein Trai­nings­ma­ra­thon wer­den – zum 700. Tag unun­ter­bro­che­nen täg­li­chen Lau­fens (strea­k­en) muss es ja etwas beson­de­res sein. Also ver­schob ich den Start von Elt­ville nach Erbach, das bringt unge­fähr zwei Kilo­me­ter Stre­cke – und damit den Rest, der mir bis­her zum Mara­thon gefehlt hat.
Das Pro­ze­de­re war das übli­che: Um kurz vor 9 bin ich in Mainz in die S8 gestie­gen, die mich nach Wies­ba­den brach­te. Dort nahm ich die Regio­nal­bahn in Rich­tung Koblenz – am Pfingst­sams­tag war das ein Wan­de­rer-Zug. Und obwohl die Leu­te auch lau­ter komi­sche Kla­mot­ten hat­ten, haben sie mich trotz­dem selt­sam ange­schaut – mit mei­nen Kom­pres­si­ons­strümp­fen, kur­zer Tight, ärmel­lo­sen, engen Sin­glet und zwei Fla­schen in der Hand ent­sprach ich nicht den übli­chen Rei­sen­den – die waren mit schwe­ren Schu­hen, Stö­cken und Ruck­sack unter­wegs (weder schwe­re Schu­he noch Stö­cke sind in der Gegend für irgend etwas nötig …).

Um 9:30 ging es dann in Erbach im Rhein­gau los. Das Ther­mo­me­ter zeig­te schon 20 °C, die Son­ne brann­te vom wol­ken­lo­sen blau­en Him­mel recht unbarm­her­zig her­un­ter. Mei­nen Weg, den ich mir so aus­ge­dacht hat­te, fand ich pro­blem­los: Kurz nach dem Bahn­hof ab und aus Erbach hin­aus durch die Fel­der in Rich­tung Klos­ter Eber­bach. Das heißt vor allem: Es ging gleich berg­auf. Aber nicht sehr steil. Noch nicht. Kurz vorm Klos­ter traf ich dann auf das Sträß­chen, das mich an die Klos­ter­pfor­te führ­te. Dann noch schnell zwi­schen Schän­ke und Basi­li­ka durchs Klos­ter und auf der ande­ren Sei­te wie­der hin­aus. Da stand ich dann erst­mal, im Wald. Auf­grund von Bau­ar­bei­ten an der Klos­ter­mau­er war da näm­lich ziem­li­ches Durch­ein­an­der und ich fand kei­ne Rhein­steig-Mar­kie­rung. Das war nicht so pri­ckelnd. Denn hier kann­te ich den Weg ja so gut wie gar nicht – das bin ich nur mal vor Ewig­kei­ten in die ande­re Rich­tung gewan­dert … Aber die Rich­tung nach Kied­rich wuss­te ich noch, also war klar, wo ich suchen muss­te. Und kur­ze Zeit spä­ter fand ich den Rhein­steig dann auch tat­säch­lich. Der ging erst ein­mal berg­auf – das macht er ja ger­ne … Hier aber so rich­tig: steil und mat­schig. Ich ent­schied mich für den Schon­gang und mar­schier­te zum ers­ten Mal ein kur­zes Stück. Dann ging es aber bald bes­ser, im Wald etwas hin­ab und wie­der hin­auf und dann über eine der schöns­ten Stel­len des Rhein­steigs (so weit ich ihn ken­ne): Die Wie­sen ober­halb von Kied­rich. Mit wun­der­ba­rem Aus­blick über das Tal auf einem ganz alt­mo­di­schen Wie­sen­weg, ganz unbe­fes­tigt und eigent­lich nur von den Wan­de­rern genutzt. Inzwi­schen kamen mir von denen auch schon die ers­ten ent­ge­gen – es wur­den noch eini­ge heu­te, deut­lich mehr als sonst. In Kied­rich habe ich dann mini­mal abge­kürzt, damit ich nicht so viel im Ort rum­lau­fen muss­te. Hier wuss­te ich, was zu kom­men hat­te (hier kommt man näm­lich von Elt­ville auf den Rhein­steig): Der Auf­stieg zum Kied­ri­cher Turm. Der ist so rich­tig steil. Die ers­ten paar Keh­ren bin ich noch gelau­fen – schließ­lich muss­te ich Wan­de­rer über­ho­len. Nicht sehr klug, wahr­schein­lich. Und durch­ge­hal­ten habe ich es auch nicht. Auch vom Kied­ri­cher Turm hat man einen schö­nen Aus­blick. Vor allem bei solch einem Kai­ser­wet­ter.

Aber mit Pau­se war nix, ich hat­te ja noch eini­ge Kilo­me­ter vor mir. Zunächst durch die Wein­ber­ge, dann aber bald wie­der in den Wald. Da ging es dann lus­tig auf und ab, mit mehr oder weni­ger viel Schlamm – teil­wei­se war es ganz schön rut­schig. So ging es dann auf und ab, meist durch den Wald, mit kur­zen Wie­sen­stü­cken – so war die pral­le Son­ne noch gar nicht so „schlimm“. Irgend­wann kam dann auch schon Schlan­gen­bad – nach eini­gen Unsi­cher­hei­ten bei ver­schie­de­nen Kreu­zun­gen, wo ich mir nicht mehr sicher war, in wel­che Rich­tung der Weg ging – und beim Lau­fen gleich­zei­tig nach den Mar­kie­run­gen Aus­schau hal­ten und auf die gan­zen Schlamm­lö­cher und Stol­per­fal­len des Weges zu ach­ten ist anstren­gend. Aber es hat ja immer geklappt – nur ganz klei­ne mini­ma­le Ver­lau­fer waren dabei. Durch Schlan­gen­bad ging es dann, inklu­si­ve unan­ge­neh­mer Trep­pen im „Kur­park“.

Nach Schlan­gen­bad, das war mir noch in Erin­ne­rung, geht es erst ein­mal wie­der hoch. Das ging dann aber tat­säch­lich noch eini­ger­ma­ßen, obwohl mei­ne Bei­ne mitt­ler­wei­le schon deut­li­che Ermü­dung mel­de­ten. Dabei war noch nicht ein­mal die 20-km-Mar­ke geknackt. Aber die meis­ten Auf­stie­ge hat­te ich jetzt hin­ter mir, hin­ter Geor­gen­born ging es erst­einaml berg­ab (aller­dings so steil, dass es auch kei­nen Spaß mach­te). Und den schlimms­ten gab es nicht mehr: In Frau­en­stein wur­de die Weg­füh­rung zum Goe­the­stein hin­auf geän­dert und somit die steils­te Pas­sa­ge – wenn ich mich recht erin­ne­re, waren das vor­wie­gend Trep­pen­stu­fen – umgan­gen. So war ich schnel­ler als gedacht am Goe­the­stein – die nächs­te Etap­pe, sozu­sa­gen. Aller­dings, obwohl es jetzt flach wur­de – es lag noch ein gutes Stück Weg vor mir. Zunächst durch die Wein­ber­ge, kreuz und quer, damit ja mög­lichst wenig Asphalt oder Beton dabei ist. Dann durch die Gär­ten vor Schier­stein. Da konn­te ich an einer Quel­le noch ein­mal auf­tan­ken und mich erfri­schen. Inzwi­schen hat­te die Son­ne und die unge­wohn­te Wär­me näm­lich erheb­li­chen Tri­but gefor­dert: Mein Sin­glet hat­te schö­ne wei­ße Rän­der, die Haa­re kleb­ten in alle Rich­tun­gen, die Arme waren auch schon reich­lich kleb­rig. Irgend­wo dort in den Gär­ten ver­lor ich dann end­gül­tig den offi­zi­el­len Rhein­steig aus den Augen. Aber das war dann egal, jetzt ging es eigent­lich nur noch am Rhein hin­auf in Rich­tung Mainz – vor­bei auch am Bie­bri­cher Schloss, dass vom Wies­ba­de­ner Pfingst­tur­nier in Beschlag genom­men war. Inzwi­schen war der Weg zwar nicht mehr so anspruchs­voll – jetzt muss­te ich höchs­tens Spa­zier­gän­gern aus­wei­chen -, das Lau­fen wur­de aber nur bedingt leich­ter. Denn die Ermü­dung schlug jetzt doch ganz schön kräf­tig zu. Aber ein paar Kilo­me­ter noch – das soll­te doch zu schaf­fen sein. Bis Mainz ging es auch. Aber auf der Theo­dor-Heuss-Brü­cke wur­de mir lang­sam klar, dass nach den 42 Kilo­me­tern ziem­lich sicher Schluss sein wür­de. Schluss war dann auch, aber sogar etwas frü­her. Irgend­wo knapp vor dem Kilo­me­ter 41 ging mein Kreis­lauf in die Knie – und bevor ich im Lau­fen umkipp­te, mach­te ich der Qual lie­ber ein Ende und mar­schier­te den Rest nach Hau­se.

Gut vier Stun­den war ich unter­wegs – also nicht gera­de sehr schnell. Irgend­wo ist mei­ne Form abhan­den gekom­men. Dazu kam jetzt auch noch der Man­gel an Was­ser – getrun­ken habe ich wohl kaum mehr als 1,5 Liter – das war, gera­de bei die­sem Wet­ter, halt doch ein­fach zu wenig … Aber trotz aller Qual – es war den­noch wie­der schön, so lan­ge unter­wegs zu sein, so einen schö­nen und abwechs­lungs­rei­chen Weg bei so gran­dio­sem Wet­ter unter die Füße zu neh­men.
Hier ist die Über­sicht bei Run­sa­tur­day: Klick

abgebrochen

auch ein miss­glück­tes trai­ning ist ein trai­ning. ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, wofür das trai­ning heu­te gut war. geplant waren ca. 44 km, bei kilo­me­ter 38 habe ich mit dem lau­fen auf­ge­hört und bin den rest gewan­dert – das war schon anstren­gend genug. irgend­wie war ich voll­kom­men platt und fer­tig. das hat­te sich schon vor­her ange­deu­tet, ab kilo­me­ter 30 – und damit eigent­lich zu früh – wur­de es schwer. da kam ich aus dem wald und von den vie­len auf- und abstie­gen heu­te wie­der ins müm­ling­tal und hat­te eigent­lich noch 14–15 recht fla­che kilo­me­ter vor mir. aber die zogen sich immer mehr, bis es irgend­wann ein­fach nciht mehr ging. bzw. ich kei­nen sinn mehr dar­in sah, mich für ein trai­ning noch mehr und wei­ter zu quä­len, als ich das ohne­hin schon getan hat­te.
schwie­rig ist aber die fra­ge, war­um das heu­te so kata­stro­phal schief­ging. ich ver­mu­te, so etwas wie über­trai­ning. die letz­ten drei wochen waren schon ziem­lich viel – es hat ein­fach spaß gemacht, geflutscht und lief erstaun­lich gut, trotz der hohen belas­tung. bis heu­te eben. das ver­rück­te ist, das die ers­te hälf­te – die bei der heu­ti­gen stre­cke erheb­lich schwe­rer ist als der zwei­te teil – ver­blüf­fend gut ging und sogar einen tick zu schnell. viel­leicht hat das noch dazu bei­getra­gen, dass dann irgend­wann nix mehr ging. nun­ja, mal sehen, wie es mor­gen geht. da wer­de ich auf jeden fall ganz behut­sam ans lau­fen her­an­ge­hen …

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