Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

Schlagwort: ultra (Seite 2 von 2)

Leidenschaft Laufen

„Nichts ist so edel, tief und irra­tio­nal wie unser Lau­fen – und nichts so wild und urtüm­lich.“ (24)

So schreibt es Bernd Hein­rich, (Ultra-)Marathoni und Bio­lo­ge. Er hat eines der bes­ten Bücher über sei­ne bei­den Lei­den­schaf­ten geschrie­ben: Die Natur­welt und das Lau­fen. So heißt es auch: „Lau­fen. Geschich­te einer Lei­den­schaft“. Und der Unter­ti­tel trifft es sehr genau: Denn um Lei­den­schaf­ten geht es hier. Nicht nur um das Lau­fen als Sport, als Fort­be­we­gungs­form oder als Wett­kampf, son­dern auch um Bio­lo­gie und ihre Läu­fer, die Käfer zum Bei­spiel, oder auch ande­re Aus­dau­er-Tie­re wie die Zug­vö­gel. Denn Hein­rich ist nicht nur Mara­thon- und Ultra­l­äu­fer ers­ter Klas­se (Anfang der 80er lief er US-Rekor­de über 100 Kilo­me­ter (in 6:38:21) und im 24-Stun­den-Lauf z.B., hat auch eini­ge gute Mara­thon-Zei­ten deut­lich unter 2:30 erlau­fen), son­dern auch Bio­lo­ge – offen­bar genau­so mit Leib und See­le, wie er das Lau­fen ver­folgt …

Der bio­lo­gisch gebil­de­te und geschul­te Hin­ter­grund die­se Läu­fers macht sich also bemerk­bar. Und zwar auf sehr ange­neh­me Wei­se. Schon die ers­te Schil­de­rung eines Mor­gen­lau­fes ist phan­tas­tisch (wahr­haf­tig!) – nicht nur, was er alles sieht – das ist offen­bar Mon­ta­ge vie­ler, jah­re­lan­ger Läu­fe – son­dern auch die Genau­ig­keit nicht nur des Erken­nes & Beob­ach­tens, son­dern auch des Ken­nens und Benen­nens – da merkt man den Natur­wis­sen­schaft­ler sehr deut­lich … Aber das ist trotz­dem (oder gera­de des­we­gen) so anschau­lich beschrie­ben, dass man den Läu­fer und sei­ne Umge­bung wirk­lich vor sich sieht. Und am liebs­ten sofort auf­bre­chen möch­te, genau so zu lau­fen – aber drau­ßen reg­net es gera­de, also lie­ber noch etwas wei­ter lesen.

Ich füh­le mich gut und spü­re, wie mir fri­sche Kräf­te erwach­sen durch die Erwar­tung der Din­ge, die hin­ter der nächs­ten Bie­gung mei­ner har­ren, durch die Erin­ne­rung an frü­he­re Läu­fe und gele­gent­lich auch durch die Vor­freu­de auf ein Wett­ren­nen in der Zukunft. (18)

Hein­rich ver­quickt hier sehr schön sei­ne per­sön­li­che Lauf­bio­gra­phie bis zu ihrem Höhe­punkt, den US-Meis­ter­schaf­ten im 100-Kilo­me­ter-Lauf in Chi­ca­go 1981 mit biologischen/physiologischen Beob­ach­tun­gen und Erkennt­nis­sen zum Aus­dau­er­sport. Davon, von dem Wett­kampf und sei­nen Vor­be­rei­tun­gen, aus­ge­hend blickt er zurück bis in sei­ne frü­he Kind­heit in Deutsch­land und Ame­ri­ka, sei­ne frü­he Begeis­te­rung für das Lau­fen drau­ßen in der Natur und sogleich auch die Beob­ach­tung die­ser Natur, sei­ne ver­schie­de­nen Ansät­ze, Lau­fen als Sport zu betrei­ben. Und dazwi­schen und mit­ten­drin ganz viel (für mich) Span­nen­des und Inter­es­san­tes aus der Tier­welt – über Zug­vö­gel, Insek­ten, Homi­ni­den, Gabel­bö­cke und Zie­gen oder Gepar­den glei­cher­ma­ßen. Immer unter dem Aspekt: Wie schaf­fen es die­se Arten, ihre beson­de­ren Fähig­kei­ten hin­sicht­lich der Fort­be­we­gung so zu erbrin­gen, wel­che Vor­aus­set­zun­gen bil­de­ten sie im Lau­fe der Evo­lu­ti­on für gro­ße Aus­dau­er- oder kur­ze Hoch­ge­schwin­dig­keits­leis­tun­gen aus. Und Hein­rich, der bei Insek­ten auch auf die­sem Gebiet als Bio­lo­ge geforscht hat, ver­sucht dann, die­ses Wis­sen auf den mensch­li­chen Läu­fer zu über­tra­gen, zum Bei­spiel sei­ne Ener­gie­ver­sor­gung vor und wäh­rend des Ultra­l­au­fes nach die­sen Erkennt­nis­sen zu gestal­ten (er benutz­te dann bei sei­nem 100er aus­schließ­lich Prei­sel­beer­saft …). Und als Neben­pro­dukt fällt ein schö­ner Ver­gleich der bei­den Mus­kel­fa­ser­ty­pen ab:

Ein anae­ro­ber FT-Mus­kel [Fast Twicht­ing] braucht kei­ne Vor­ker­hun­gen für eine rasche Ver­sor­gung mit Sau­er­stoff oder Brenn­stoff, für den Abtrans­port von Abfall­stof­fen und für Tem­pe­ra­tur­re­gu­lie­rung. Er ist wie ein Renn­au­to, das dafür gebaut ist, sehr schnell über die Stre­cke zu jagen, und daher ganz anders aus­sieht als ein Wohn­mo­bil, das man für eine Wüs­ten­durch­que­rung her­ge­rich­tet hat. (89)

Hein­rich selbst hat das Lau­fen wohl, so schil­dert er es, sein gan­zes Leben mit Lust betrie­ben – als Kind in Deutsch­land genau­so wie im Inter­nat in Ame­ri­ka, wo er dann auch zum Cross-Läu­fer wird. Auch am Col­lege lan­det er bei den Läu­fern, trotz ver­schie­de­ner Ver­let­zun­gen. Und spä­ter wird er dann fast neben­bei zum Mara­tho­ni mit einer Zeit von 2:25.

Ab dem 15. Kapi­tel geht es dann auf die Ziel­ge­ra­de: Der 100er von Chi­ca­go rückt jetzt end­gül­tig in den Fokus: Das Trai­ning, die Vor­be­rei­tung, die Ernäh­rung und der eigent­li­che Lauf als Schluss­sprint wer­den ver­gleichs­wei­se knapp dar­ge­stellt. Sehr sym­pa­thisch aber auch die dezi­dier­te Anti-Hel­den-Hal­tung Hein­richs, der sei­ne Leis­tung nicht groß­ar­tig her­aus­stellt, son­dern auch die Zie­le ande­rer Läu­fer immer wie­der betont. Ganz wesent­lich ist aber auch: Lau­fen ist immer ein Freu­de, eine Lei­den­schaft, ein Genuss – auch wenn es mal weh­tut, die Beloh­nung durch und im Erle­ben der Erfah­run­gen des Lau­fens und des Läu­fers wie­gen den Schmerz mit Leich­tig­keit wie­der auf.

Ins­ge­samt also: Ganz klar eines der schöns­ten Bücher über das Lau­fen, das ich ken­ne. Wahr­schein­lich, weil das eigent­li­che Lau­fen an sich (des Men­schen) gar nicht so sehr im Vor­der­grund steht. Son­dern eher die Begeis­te­rung für die lau­fen­de Fort­be­we­gung. Oder, noch all­ge­mei­ner, die Begeis­te­rung über aus­dau­ern­de Ent­fer­nungs­über­brü­ckun­gen, egal wie oder durch wen – so lan­ge es mit eige­ner Kör­per­kraft und ohne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel geschieht. Noch dazu ein klu­ges, sym­pa­thi­sches, über­haupt nicht ange­be­ri­sches Buch. Abso­lu­te Lese­emp­feh­lung!

Bernd Hein­rich: Lau­fen. Geschich­te einer Lei­den­schaft. Mün­chen: List Taschen­buch 2005. 349 Sei­ten. ISBN 978–3‑548–60564‑7.

„10 erfolgreiche Schritte“: Das Handbuch für Bergläufer

Das ist schon fast eine Anti­qui­tät, die­ses schon 1989 erschie­ne „Hand­buch für Berg­läu­fer“ von Her­bert Jost und Lud­wig Gei­ger. Aber so weit ich sehe, ist – zumin­dest im deut­schen Sprach­raum – in den letz­ten Jah­ren nichts ver­gleichs­ba­res erschie­nen.

Die bei­den Autoren ver­such­ten vor über zwan­zig Jah­ren, als Berg­lauf noch als „jun­ge“ Sport­art galt, eine mehr oder weni­ger umfas­sen­de „Anlei­tung“ im Sin­ne einer Hin­füh­rung zum Berg­lauf zu geben. Das heißt, dass sie sich ganz stark und beson­ders der Tech­nik des Lau­fens in den Ber­gen wid­men. Also spielt das „rich­ti­ge“ Lau­fen, die rich­ti­ge (d.h. effi­zi­en­te und gesun­de) Bewe­gung unter den beson­de­ren Bedin­gun­gen des Gebir­ges die Haupt­rol­le in die­sem Büch­lein. Behan­delt wird das mehr oder weni­ger stei­le Berg­auf- und Berg­ab-Lau­fen, die rich­ti­ge, ange­pass­te Lauf­tech­nik auf wech­seln­den Unter­grün­den, auch auf ungüns­tig zu lau­fen­den Unter­la­gen (Schnee z.B. oder nas­ses Gras – dazu heißt es erst ein­mal: „Nas­se Wie­sen abwärts zu lau­fen, ist etwa so wie auf Eis zu tan­zen.“ (42)).

Jost und Gei­ger stel­len dabei knapp und prä­gnant das Wesent­li­che (soweit ich sehe zumin­dest) vor – der nicht sehr umfang­rei­che Text wird durch ein schma­les Lay­out gestreckt. Die illus­trie­ren­den Fotos wer­den den heu­ti­gen Ansprü­chen nicht mehr ganz gerecht (nicht nur, weil sie schwarz­weiß sind, son­dern vor allem aber, weil sie nicht sehr prä­zi­se gedruckt wur­den …). Publi­ka­tio­nen wie das Trail-Maga­zin oder Dani­els Blog set­zen die Lat­te für sol­che Fotos inzwi­schen ziem­lich hoch. Dafür ist das Hand­buch aber mit hilf­rei­chen Zeich­nun­gen zur Lauf­tech­nik sehr instruk­tiv abge­run­det.

Der Teil zur Aus­rüs­tung, ins­be­son­de­re zu den Lauf­schu­hen, ist natür­lich reich­lich ver­al­tet – da hat sich in den letz­ten zwan­zig Jah­ren (1989 erschien das Hand­buch) ja doch eini­ges getan, vor allem in der Ent­wick­lung des Mate­ri­als und spe­zia­li­sier­ter Schu­he. Hier gibt es noch Lauf­schu­he mit Schus­ter­nä­geln – so wel­che hat­te ich in mei­nem kur­zen Läu­fer­le­ben noch nie in den Hän­den, geschwei­ge denn an den Füßen. Ande­res gilt frei­lich noch immer: „Kau­fen Sie einen Schuh, der so leicht ist wie mög­lich und so sta­bil wie nötig“ (51) – eine wohl zeit­lo­se Lauf­schuh-Wahr­heit. Aber immer­hin habe ich dabei neben bei noch gelernt, was ein „Bidon“ ist – näm­lich eine Trink­fla­sche der Rad­fah­rer …

Sehr aus­führ­lich behan­deln die bei­den neben der Lauf­tech­nik auch das Berg­lauf­trai­ning: umfas­send, aber natur­ge­mäß auf die­sem Raum und in die­sem Zusam­men­hang sehr knapp geschil­dert. Auch der Wett­kampf wird nicht ver­ges­sen, und, was ich sehr lobens­wert fin­de, auch die spe­zi­fi­schen Gefah­ren der Höhe, d.h. der inten­si­ven Leis­tung in Höhen­la­gen, und der alpi­nen Umge­bung wer­den aus­führ­lich beleuch­tet. Dazu haben sie sogar eine schön unüber­sicht­li­che Gra­fik ent­wi­ckelt: komplikationen bei intensiver leistung in großer höhe

Ergänzt wird das noch um Aus­füh­run­gen zum Berg­lauf in Bezie­hung zu ande­ren Sport­ar­ten und sehr knap­pen sport­me­di­zi­ni­sche Betrach­tun­gen sowie einem Kapi­tel zum „men­ta­len“ Trai­ning. Sehr schön sind aber auch die Sei­ten zum „Berg­lauf­wan­dern“ – das, was heu­te dann doch meist eher „Ultrat­rail“ genannt wird, im Prin­zip aber das glei­che ist: Lau­fen in den Ber­gen über lan­ge Stre­cken, auch mal meh­re­re Tage, wofür die Autoren ein schö­nes Bei­spiel geben, eine 60km-Stre­cke zwi­schen Vaduz und Räti­kon.

Also, sei­nen Titel trägt das „Hand­buch für Berg­läu­fer“ duch­aus zu recht. Noch ein­mal zur Über­sicht das Inhalts­ver­zeich­nis der 10+1 Kapi­tel:

  1. Was ist Berg­lauf?
  2. Aller Anfang ist schwer
  3. Die Tech­nik des Auf­wärts­lau­fens
  4. Die Tech­nik des Abwärts­lau­fens
  5. Die Aus­rüs­tung
  6. Das Berg­lauf­trai­ning
  7. Der Wett­kampf
  8. Die Beson­der­hei­ten der Höhe
  9. Berg­lauf und ande­re Sport­ar­ten
  10. Berg­lauf und men­ta­les Trai­ning
  11. Sport­me­di­zi­sche Aspek­te zum Berg­lauf

Her­bert Jost, Lud­wig Gei­ger: Das Hand­buch für Berg­läu­fer. Ober­ha­ching: sport­in­form 1989. 223 Sei­ten. ISBN 3–89284-036–9.

Wigald Boning läuf nachts – und bekennt sich dazu

Und er tut das, das Beken­nen natür­lich, in einem net­ten Buch: „Bekennt­nis­se eines Nachtsport­lers“.
Das ist rund­um unter­halt­sam und amü­sant, aber eher schmun­zelnd als – wie der Klap­pen­text ver­heißt – im Sin­ne eines „Lach­mus­kel­trai­ning“. Sooooo lus­tig fin­de ich sei­ne auto­bio­gra­phi­sche Schil­de­rung sei­nes sport­li­chen Lebens, der Ver­su­che, das mit Beruf und Fami­lie in Ein­klang zu brin­gen, auch wie­der nicht. Aber es ist ein sehr locke­rer Text. Und auch das Lau­fen geschieht eher neben­bei , der Mara­thon geschieht in ein paar Zei­len, der ers­te Ultra hat immer­hin eini­ge Sei­ten, in denen es aber nicht so sehr ums Lau­fen als um das Drum­her­um geht. Und um ganz viel Leicht­sinn. Zumin­dest so wie Boning es erzählt, ist er extrem unvor­sich­tig und drauf­gän­ge­risch, ris­kiert Leib und Leben (übri­gens nicht nur sei­nes) – es sei mal dahin­ge­stellt, ob das der Rea­li­tät ent­spricht oder ob er nur ger­ne dra­ma­ti­siert. Aber ver­füh­re­rerisch und eben leicht­sin­nig ist es doch – „Und zurück kammt man immer, irgend­wie.“ ist offen­bar sien Haupt­mot­to gewor­den – und das ist schon grenz­wer­tig, fin­de ich …

Mein Fazit daher: Das ist eher ein Lauf­buch für Nicht­läu­fer – oder ein Sport­buch für Boning-Fans. Und eine ganz ange­nehm-net­te Bett­lek­tü­re – ohne gro­ßen Anspruch und beson­de­ren Erkennt­nis­wert.

Wigald Boning: Bekennt­nis­se eines Nachtsport­lers. Rein­bek: Rowohlt 2007. 299 Sei­ten. ISBN 9783–499-62192–5

der märz: frühlings erwachen

zumin­dest auf der lauf­bahn. denn der märz war mein ers­ter rich­ti­ger, erfolg­rei­cher trai­nings­mo­nat in die­sem jahr (sie­he auch hier). vie­le, vie­le kilo­me­ter bin ich gelau­fen: genau 528. das sind immer­hin 17,02 km pro tag (im durch­schnitt). zwei­mal davon ging es über die mara­thon-distanz hin­aus: beim 50 km-lauf in escholl­brü­cken, ein guter indi­ka­tor für mei­nen momen­ta­nen, noch aus­bau­fä­hi­gen leis­tungs­stand bei akzep­ta­bler grund­aus­dau­er, und dann gleich sechs tage spä­ter danach noch im trai­ning die 44 km im oden­wald mit schö­nen 1000 höhen­me­ter. so kann es wei­ter­ge­hen – wird es hof­fent­lich auch. schließ­lich müs­sen bis zum 2. juli noch eini­ge kilo­me­ter absol­viert wer­den …

und auch der streak hält wei­ter­hin – bei 648 tagen bin ich jetzt, mit durch­schnitt­li­chen 13,02 tages­ki­lo­me­tern. und damit geht es schnur­stracks auf die zwei jah­re zu.

ultra-training

im moment schla­ge ich ganz schön zu beim trai­ning. in den neun tagen vom 21. bis 29. märz bin ich jetzt genau 188,92 kilo­me­ter gelau­fen – zumin­dest behaupt das mein forerun­ner. davon 50 kilo­me­ter in escholl­brü­cken im „wett­kampf“, wei­te­re 44 kilo­me­ter vor­ges­tern im oden­wald mit ziem­lich genau +/- 1000 höhen­me­tern in immer­hin 4:04 stun­den. und zwei inter­vall­trai­nings – ver­gan­ge­nen mitt­woch 5x2000 m, die mir schon hart vor­ka­men. und jetzt gera­de noch ein­mal bzw. schon wie­der, weil vic­sys­tem den zyklus geän­dert hat, 4x2400 m – das war wirk­lich hart. vor allem, weil noch etwas wind dabei war, den ich bei einem tem­po von 4:14 (sehr genau das ziel getrof­fen) doch schon ziem­lich deut­lich gemerkt habe. ich glau­be, die trab­pau­sen bin ich sel­ten so lang­sam geschli­chen … wenigs­tens bie­ten die nächs­ten tage jetzt etwas erho­lung: rege­ne­ra­ti­ves lau­fen und nor­ma­ler dau­er­lauf zur stär­kung der grund­la­gen­aus­dau­er steht an, bevor es am sams­tag wie­der auf die lan­ge stre­cke geht: der plan will 43 kilo­me­ter haben – mal sehen, ob das nicht wie­der etwas mehr wird … gro­ße zie­le erfor­dern eben auch gro­ße vor­be­rei­tung.

50 km beim 19. Ultramarathon in Eschollbrücken

So. Nach­dem ich in Rod­gau die­ses Jahr wegen mei­nes Ski­ur­laubs nicht lau­fen konn­te, habe ich mir mal den Ultra­ma­ra­thon Escholl­brü­cken ange­schaut. Da gibt es näm­lich auch die 50 km. Und inzwi­schen, seit Ende Janu­ar, habe ich wie­der wenigs­tens ein paar (weni­ge, viel zu weni­ge eigent­lich) lan­ge Läu­fe gemacht. Also 50 km Ende März. Und ich habe kei­ne Ahnung, ob ich das ver­nünf­tig schaf­fe und wie schnell ich sein kann. Als Wett­kampf woll­te ich es eigent­lich nicht lau­fen, son­dern eher als extre­men Trai­nings­lauf. Also habe ich nach den ver­gleichs­wei­se schnel­len 34 km vom letz­ten Sams­tag am Mon­tag noch ein har­tes Mara­thon-Renn­tem­po-Trai­ning drauf­ge­setzt, bin Diens­tag und Mitt­woch noch jeweils 16,5 km Dau­er­lauf gerannt und habe erst ab Don­ners­tag die Umfän­ge redu­ziert. Vor Escholl­brü­cken hat­te ich also schon 70 km in den Bei­nen. Und noch eine klei­ne, ers­te Rad­fahrt. Denn der Ultra ist in der Pam­pa. Ohne Auto kommt man da sonn­tags mor­gens prak­tisch nicht hin. Also habe ich mal etwas ande­res ver­sucht: Sams­tag abend bin ich bei mei­nem Bru­der in Darm­stadt ein­ge­flo­gen und von dort aus am Sonn­tag, nach einem klei­nen Früh­stück, mit dem Lie­ger nach Escholl­brü­cken gekur­belt. Das sind gut 10 km, ganz ein­fach zu fin­den – also nichts welt­be­we­gen­des. Am Sport­platz Escholl­brü­cken war ich eigent­lich viel zu früh, näm­lich schon kurz nach 8 Uhr – ich woll­te sicher­ge­hen, da ich die­ses Jahr nach über­haupt nicht mit dem Lie­ger unter­wegs war und kei­ne Ahnung hat­te, ob 20 Minu­ten aus­reich­ten (sie taten). Also hing ich da rum, habe dann kurz vor 9 auch noch Frett, den ande­ren Läu­fer aus dem Streak­run­ner-Forum und Spe­zia­list für die 50 km, getrof­fen. Er hat­te etwas mehr vor als ich ;-). Ich hat­te mir so gedacht, das gan­ze mit 5:30/km rela­tiv gemüt­lich anzu­ge­hen und am Ende zu schau­en, was noch geht. Es kam etwas anders …

Der Lauf:

Gestar­tet wur­de pünkt­lich um 9, ganz unspek­ta­ku­lär – außer den 80 Ultras war nichts los 😉 Die ers­ten haben sich natür­lich wie ver­rückt auf die Stre­cke gestürzt (und mich spä­ter dann auch zwei­mal über­run­det). Für mich selbst war die ers­te Run­de eher beschei­den: Etwas zu lang­sam, kein rhyth­mus, auch kei­ne rech­te Freu­de beim Lau­fen. Die Stre­cke in Escholl­brü­cken ist ein 5‑km-Rund­kurs, im Grun­de zwei Schlei­fen à zwei und drei Kilo­me­ter, wobei der zwei­te Teil bei km 3,5 oder so noch eine klei­ne Aus­buch­tung in den Wald hat. Sie führt meist über recht ordent­li­che Wege auf dem Deich des Rück­hal­te­be­ckesn (die ers­ten zwei Kilo­me­ter) und durch den Wald, dann aber auch nach Kilo­me­ter 3 kurz übers Feld mit einem recht buck­li­gen Weg, der heu­te zudem noch im Gegen­wind lag. Aber das ist nur ein ganz kur­zes Stück­chen, dann geht es wie­der am Orts- & Wald­rand in Rich­tung Sport­platz, wo man noch eine extra-Schlei­fe über den Rasen­platz dreht, bevor man hin­ter Kilo­me­ter 5 an der Ver­pfle­gung vor­bei­kommt. Beim ers­ten Mal ließ ich die noch rechts lie­gen, dann gab es für mich Tee und Was­ser – bei­des nicht ide­al für mich: Den Tee hat­te ich recht bald eigent­lich über (rein geschmack­lich …), das Was­ser hat­te lei­der Koh­len­säu­re, was ich beim Lau­fen nicht beson­ders mag. Aber egal. Essen hät­te man auch eini­ges kön­nen – Bana­nen natür­lich, Kek­se, Scho­ko­la­de etc. – das habe ich aber ganz sein gelas­sen, weil ich kei­nen Hun­ger hat­te.

Bis in die zwei­te Run­de hin­ein wur­den wir auch noch mit Regen ver­wöhnt, dann kam aber immer mehr Son­ne (warm genug war es durch­aus), hin­ter Kilo­me­ter drei auch rich­tig Gegen­wind. Auch auf dem Deich weh­te es manch­mal ein biss­chen – aber das war alles nicht so schlimm. Bzw. erst nach 8, 9 Run­den …

Ab dem zwei­ten Durch­gang lief es bes­ser, d.h. deut­lich zügi­ger. Dann bin ich lan­ge (bis Run­de fünf oder sechs) im Duo unter­wegs gewe­sen bzw. habe ein biss­chen Tem­po für die spä­te­re Gesamt­zwei­te der Frau­en­wer­tung, die dann aber lei­der abrei­ßen hat las­sen, gemacht. Irgend­wan kam sie nach der Ver­pfle­gung – ich bin da fast kom­plett durch­ge­lau­fen – nicht mehr ran, der Abstand wur­de dann doch etwas grö­ßer, am Ende waren es knapp 7 Minu­ten, die zwi­schen uns lagen.

Ich war erstaun­li­cher­wei­se recht gleich­mä­ßig unter­wegs (Run­den­über­sicht, Tem­po­dia­gramm). Dem Gefühl nach noch gleich­mä­ßi­ger als die Zei­ten aus­sa­gen. Vor allem immer etwas schnel­ler als eigent­lich vor­ge­nom­men: Statt 5:30/km eher 5:15–5:20/km. Bis run­de 7, also 35 km, ging das völ­lig ohne Pro­ble­me – sogar mit einer kon­ti­nu­ier­li­chen leich­ten Tem­po­stei­ge­rung. Ab Run­de 8 dann aller­dings nicht mehr so sehr. Ganz im Gegen­teil sogar: 8 schon etwas lang­sa­mer, 9 noch ein biss­chen, und 10 auch noch mal ein klei­nes biss­chen lang­sa­mer. Aber da hat­te ich schon aus­ge­rech­net, dass die sub 4:30h im Bereich des Mög­li­chen lie­gen. Und 2,5 km vor Schluss sogar im Bereich des Wahr­schein­li­chen. Da hat­te ich noch mal einen 50er über­holt, der irgen­wie wohl ein­ge­schla­fen war. Er hat sich dann näm­lich ziem­lich pro­blem­los an mei­ne Fer­sen gehef­tet, bis Kilo­me­ter 49 von mir zie­hen las­sen und ist dann wort­los abge­zo­gen – ich konn­te und woll­te sei­ner Tem­po­ver­schär­fung dann nicht mehr fol­gen. Im Ziel hat­te ich eine 4:28:29, offi­zi­ell zu 4:28:32 kor­ri­giert (das waren wahr­schein­lich die drei Sekun­den, die ich beim Start bis zur Start­li­nie gebraucht hat­te).

Ach ja, das Über­ho­len über­haupt. Das ist näm­lich sehr schön in Escholl­brü­cken. Denn um 11 Uhr wer­den die 25 km-Läu­fer auf die Stre­cke geschickt. Dadurch kommt etwas Leben in das zu dem Zeit­punkt ja ziem­lich beto­nier­te Ultra-Feld. Und ich hät­te es ja nicht geglaubt, aber ich konn­te so nach 30,35 Kilo­me­tern noch eine Men­ge Läu­fer über­ho­len. Das tut dann sehr gut, gibt Extra-Moti­va­ti­on. Aber erstaun­li­cher­wei­se – viel­leicht hat genau dies ja auch gehol­fen – hat­te ich über­haupt kei­nen abso­lu­ten Durch­hän­ger. Klar, es ging mal den einen oder ande­ren Kilo­me­ter nicht so leicht und flüs­sig. Aber inge­samt bin ich erstaun­lich pro­blem­los durch­ge­kom­men.

Nach dem Lauf habe ich dann wenigs­tens noch eine Bana­ne ver­drückt – das Start­geld muss sich ja auch ein biss­chen ren­tie­ren. Aber ich bin dann auch ziem­lich bald abge­dampft, weil ich ja um 17 Uhr schon wie­der in Mainz im Dom sein muss­te – zum Arbei­ten. Der Rück­weg nach Darm­stadt mit dem Fahr­rad ging bes­ser als ich dach­te – und die Bewe­gung hat sogar etwas gut­ge­tan. Dort erwar­te­te mich dann auch noch eine Luxus-Dusche 😉

von der mümling an die tauber

gut, die über­schrift ist über­trie­ben. aber nur mini­mal. am sams­tag bin von erbach (aller­dings nicht ganz von der müm­ling aus) nach uis­sig­heim gelau­fen – das ist kurz vor der tau­ber. 53,4 kilo­me­ter waren das. bezie­hungs­wei­se etwas mehr, denn ein oder zwei teil­stü­cken, die ich gegan­gen bin – etwa den letz­ten anstieg – habe ich nicht mit­ge­stoppt. 5 stun­den 20 minu­ten habe ich dafür gebraucht. und eini­ge pau­sen noch dazu. das war dann doch eini­ges lang­sa­mer als ich mir gedacht habe. mit einem schnitt von 5:30 bis 5:45 hat­te ich gerech­net, gewor­den sind es 6:00. dafür hat das mäßi­ge tem­po einen vor­teil: mus­kel­ka­ter habe ich über­haupt kei­nen. ein wenig steif war ich sams­tags und auch am sonn­tag noch etwas, aber die mus­keln beschwe­ren sich kaum.

das wet­ter war bru­tal schwül. nicht gera­de das idea­le lauf­wet­ter. ruck­zuck war ich kom­plett – aber wirk­lich voll­stän­dig – durch­ge­schwitzt. und das blieb bis kurz vor schluss so. kurz vor küls­heim kam ich aus dem wald her­aus, da hat der leich­te wind mich immer­hin noch ein biss­chen getrock­net. aber das war dann auch egal.

die wege waren auch nicht immer opti­mal aus­ge­sucht: da waren eini­ge har­te trails dabei, die auf der kar­te ganz und gar harm­los aus­sa­hen. so bin ich also durch die mat­schwüs­ten der wald­ar­bei­ter, über wege, die kom­plett mit ästen zuge­deckt waren, durch bren­nes­sel-fel­der und brom­beer-hecken gelau­fen, über aus­ge­wa­sche­ne was­ser­rin­nen ins tal gestürzt und im bauch­ho­hen gras von einem loch ins ande­re getau­melt … das hat nicht nur kör­per­li­che, son­dern auch phsy­si­sche anstren­gung gekos­tet, die sich mit der zeit erheb­lich sum­miert hat. aber dafür macht man ja sol­che läu­fe …

so bin ich gelau­fen: [sin­gl­epic id=243 w=650]

die genaue stre­cke lässt sich auch (bes­ser) bei gpsies.com anschau­en: klick.

ich bin also durch dorf-erbach ins grä­sig, von dort über das haber­manns­kreuz (wo ich einem auto, dass unbe­dingt mit mini­mals­tem abstand an mir vor­bei muss­te, den außen­spie­gel ein­klapp­te) nach eul­bach. bis hier­hin kann­te ich den weg – bis­her war ich das aller­dings immer schnel­ler gelau­fen, im ers­ten anstieg hin­term grä­sig war schon die ers­te geh­pau­se fäl­lig … von eul­bach dann noch ein­mal kurz auf die b47 in rich­tung box­brunn, aber gleich hin­ter dem abzweig nach viel­brunn den ers­ten wald­weg und mehr oder weni­ger par­al­lel zur stra­ße am höhen­dorf vor­bei. und dann, nach einem wei­te­ren stück auf dem kamm, ging es hin­un­ter rich­tung amor­bach. da wur­de das navi­gie­ren schwie­rig – den weg, den ich mir aus­ge­dacht hat­te, fand ich an zwei stel­len nicht bzw. nicht auf anhieb. das ers­te mal nahm ich einen wan­der­weg, schön steil in keh­ren, vor­bei an der grup­pe mit stö­cken bewaff­ne­ter wan­de­rer (und betend, dass ich genau dort nicht hin­fal­le – hat sogar geklappt …), beim zwei­ten mal muss­te ich nur genau­er suchen: der weg war schon sehr zuge­wach­sen. und ent­spre­chend schlecht zu lau­fen. ich hat­te aber kei­ne lust, wei­ter umher­zu­ir­ren – mein fuß tat weh, ich hat­te mich böse ver­tre­ten und woll­te erst ein­mal her­aus aus dem wald. außer­dem war ich schon län­ger unter­wegs als ich dach­te, hat­te schon mehr kilo­me­ter auf dem forerun­ner als ich erwar­tet hat­te. irgend­wann kam ich so dann tat­säch­lich im lan­gen tal an, dass mich wie­der zur b47 führ­te. der bin ich dann auf dem feld­weg gefolgt bis zur kreu­zung an der bahn­li­nie bei amor­bach. die habe ich kur­zer­hand „wild“ über­quert, der nächs­te über­gang war mir ein­fach zu viel umweg … auf der ande­ren sei­te ging es dann durch den rand von amor­bach und immer wei­ter die stra­ße – und zwar hin­auf. und hin­auf. und hin­auf … irgend­wann, schon hin­ter (und vor allem deut­lich über) schnee­berg, ver­ließ ich dann die land­stra­ße, um wie­der im wald ein­zu­tau­chen. die wege wur­den bald recht ver­las­sen und ent­spre­chend ver­wil­dert. beim „roten kreuz“ mach­te ich eine ers­te rast und ver­tilg­te einen oat-snack gegen den lang­sam auf­kom­men­den hun­ger. aber lan­ge hielt es mich nicht, es ging noch recht gleich­mä­ßig wei­ter, durch eine klei­nen wei­ler über den befes­tig­ten feld­weg nach win­disch­bu­chen. dort bog ich dann wie­der ein­mal auf die stra­ße bzw. das sträß­lein ein, dass mich nach hepp­diehl führt. dort ver­weil­te ich kurz am klei­nen fried­hof, nutz­te das küh­le was­ser zur zwi­schen­er­fri­schung und die bank, mei­ne mitt­ler­wei­le etwas müden bei­ne kurz aus­zu­ru­hen. doch bald ging es auch hier wie­der wei­ter, 12 uhr war es mitt­ler­wei­le schon gewor­den. ich blieb jetzt vor­erst auf der stra­ße, die mich steil hin­ab führ­te, und zwar nach pföhl­bach. dort bog ich ab, trab­te das kur­ze stück am hang ent­lang nach rie­dern. in rie­dern über­quer­te ich die erft – mit einer höhe von ca. 180 m der zweit­nied­rigs­te punkt mei­ner tour. und das war gleich wie­der zu mer­ken, denn hin­ter dem ort ging es schon wie­der ab von der stra­ße und ste­tig berg­an. sehr ste­tig. mein etrex fing hier an, ziem­lich zu spin­nen und mach­te mir etwas sor­gen, weil es mich bestän­dig weit ab von mei­ner eigent­li­chen rou­te wähn­te. anfangs noch sehr sicher, auf dem rich­ti­gen weg zu sein, wur­de ich zuneh­mens unsi­che­rer. und es ging immer wei­ter berg­an … aber irgend­wann war ich doch oben, mach­te mal wie­der eine kur­ze rast und ließ den etrex neu­en kon­takt zu den satel­li­ten auf­neh­men – und sie­he da, ich war die gan­ze zeit rich­tig gewe­sen. die erleich­te­rung war groß. zumal hier schon das ers­te schild eines küls­hei­mer wan­der­wegs auf­tauch­te – das ende rück­te also näher. vor­her galt es fre­lich noch eini­ges an weg im dich­ten gras zu über­win­den – nach­dem ich mitt­ler­wei­le schon fast 45 kilo­me­ter in den bei­nen hat­te, war es nicht mehr sehr lus­tig, zu lau­fen ohne den boden und sei­nen vie­len gemei­nen uneben­hei­ten sehen zu kön­nen. aber das bewusst­sein des nahen­den endes hielt mich auf­recht. so ganz war ich aber frei­lich noch nicht fer­tig … nach der über­que­rung der land­stra­ße zwi­schen stein­furt und stein­bach hat­te ich immer­hin wie­der fes­ten, halb­wegs ebe­nen feld­wegs-grund unter den füßen. der weg führ­te leicht abwärts direkt nach küls­heim. da muss­te ich ein wei­te­res mal pau­sie­ren – die ers­te was­ser­bla­se im ruck­sack war leer, ich muss­te umfül­len. viel erho­lung brach­te die pau­se nicht, so lief ich also eher im trott­gang als beson­ders dyna­misch durch die stadt und zum weg in rich­tung uis­sig­heim. immer­hin kann­te ich mich jetzt wenigs­tens wie­der unge­fähr aus … kurz vor uis­sig­heim ver­ließ mich aber auch die letz­te reser­ve bzw. der letz­te wil­le, den an die­sem punkt der stre­cke nicht mehr ganz harm­lo­sen anstieg zum sport­platz bin ich dann doch lie­ber gegan­gen. danach konn­te ich aber wenigs­tens noch den letz­ten kilo­me­ter zum ziel lau­fend zurück­le­gen – und da erwar­te­te mich nicht nur ein lecke­res (wenn auch arg ver­spä­te­tes) mit­tag­essen, son­dern auch eine herr­lich fri­sche, küh­le dusche – wun­der­bar. den rest des tages war ich frei­lich ziem­lich hin­über …

der höhen­ver­lauf ist so:[singlepic id=242 w=460]

wovon haruki murakami schreibt, wenn er vom laufen schreibt

ein schö­nes klei­nes buch, in dem so ziem­lich alles rund ums lau­fen steht. und noch ganz nett geschrie­ben, klar und prä­zi­se, flüs­sig zu lesen.

das inter­es­san­te sind hier aber natür­lich die inhal­te, die rei­chen erfah­run­gen, die mura­ka­mi als lang­jäh­ri­ger läu­fer gemacht. dabei geht es gar nicht so sehr um tech­ni­sche details – das buch wen­det sich schließ­lich an ein all­ge­mei­nes publi­kum, nicht nur an läu­fer. son­dern vor allem um per­sön­li­ches, um ver­än­de­run­gen der eigen- und fremd­erfah­rung. natür­lich spie­len auch ver­meint­li­che klei­nig­kei­ten immer wie­der hin­ein. etwa die aus­wahl pas­sen­der schu­he, wenn mura­ka­mi vom „psy­cho­lo­gi­schen vor­teil“ guter schu­he berich­tet (übri­gens ist er, wie ich auch, offen­bar ein mizu­no-fan).

mura­ka­mi ist zwar kein streak­läu­fer, prak­ti­ziert aber trotz­dem das täg­li­che lau­fen – mit unter­bre­chun­gen – als ziel und metho­de. auch wie­der ein sym­pa­thi­scher zug an ihm. vor allem aber die offen­heit, mit der er nicht nur von den schmer­zen des vor­be­rei­ten­den trai­nings berich­tet, son­dern auch die erfah­rung und ver­ar­bei­tung von nie­der­la­gen erläu­tert, sind gute pas­sa­gen. gera­de das letz­te­re, die aus­dau­ern­de und tie­fe ref­k­lek­ti­on der nie­der­la­ge – die ja beim lau­fen weni­ger mit dem „ver­lie­ren“ im wett­kampf  als mit dem nicht­er­rei­chen eines per­sön­li­chen zie­les zusam­men­hängt – ist wohl etwas wirk­lich läu­fer­ty­pi­sches: läu­fer schei­nen sich viel inten­si­ver mit die­sen erfah­run­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen als ande­re hob­by­sport­ler. wohl ein­fach des­halb, weil lang­stre­cken­läu­fer – wenn sie nicht außer­or­dent­li­che bega­bun­gen sind – nie da her­um­kom­men, irgend­wann eine oder die ande­re zu erfah­ren. und im gegen­satz zu wett­kampf- und/oder mann­schafts­sport­ar­ten ist man halt immer wirk­lich selbst schuld – es gibt sozu­sa­gen kei­ne aus­re­den. aber genau die­ses moment ist es auch wie­der, dass das lau­fen so wert­voll macht: man lernt, mit sol­chen rück­schlä­gen umzu­ge­hen – man muss es ler­nen. man lernt sozu­sa­gen so etwas wie „demut“: auch wenn man auf der einen sei­te die erfah­rung der enor­men leis­tungs­fä­hig­keit eines mensch­li­chen kör­pers (und ihrer stei­ge­rungs­fä­hig­keit) macht, so lernt man eben auch die gren­zen die­ses kör­pers immer wie­der ganz unmit­tel­bar ken­nen. das ist eine wesent­li­che erfah­rung, die jeder halb­wegs ambi­tio­nier­te läu­fer macht. und die beschreibt mura­ka­mi sehr gut – ich glau­be, anhand sei­nes tex­tes kön­nen das auch nicht­läu­fer nach­voll­zie­hen …

auch die viel­fäl­ti­gen ver­än­de­run­gen durch und im lau­fen kom­men bei ihm nicht zu kurz: die ver­än­de­run­gen der wahr­neh­mung etwas, von sich selbst und der umge­bung, die man anders – inten­si­ver gar nicht unbe­dingt, aber direk­ter, näher – erfährt – z.b. den wan­del der zeit, der jah­res­zei­ten, der jah­re … natür­lich auch die ver­än­de­run­gen des eige­nen kör­pers. aber auch die ver­än­de­run­gen des „geis­tes“ – die (konzentrations-)stärke (die hm die par­al­le­le zum schrei­ben zie­hen lässt) zum bei­spielt, das durch­hal­te­ver­mö­gen, die for­de­rung der eige­nen fähig­kei­ten, die aus­lo­tung von gren­zen und der ver­such, die­se gren­zen im rah­men der mög­lich­kei­ten zu ver­schie­ben. all das steht in die­sem klei­nen, sym­pa­thi­schen büch­lein auf ganz unauf­dring­li­che, per­sön­lich gefärb­te wei­se geschrie­ben.

haru­ki mura­ka­mi: wovon ich rede, wenn ich vom lau­fen rede. köln: dumont 2008.

knapp vorbei ist auch daneben

der lauf

kühl war es um kurz vor halb sechs, als ich mit über 1800 wei­te­ren Läu­fern auf dem eisen­acher markt­platz ankam. so rich­tig wach wur­de ich erst all­mäh­lich – um kurz nach vier nach eini­gen stun­den unru­hi­gen schla­fes im gemein­schafts­quar­tier (einer schu­le) auf­zu­se­hen, ist nicht unbe­dingt mein ding. kühl blieb es auch noch eine wei­le. pünkt­lich um sechs ging es los – ich hat­te mich sehr weit hin­ten im feld ein­ge­ord­net und über­quer­te 2 minu­ten spä­ter die start­li­nie. dann ging es erst ein­mal lang­sam und sehr, sehr gemüt­lich an den rand von eisen­ach und über eini­ge keh­ren hoch zu den wie­sen und dem wald – immer in rich­tung renn­steig. das feld war noch sehr dicht und mach­te das lau­fen etwas schwie­rig – man muss­te halt sehr auf­pas­sen. dafür hat­te ich kei­ne gele­gen­heit, zu früh zu schnell zu wer­den. eher im gegen­teil. späs­tens so nach 10 km hat­te sich das feld dann aber schon erheb­lich aus­ein­an­der gezo­gen. aber zunächst ging es mehr oder wenig ste­tig berg­auf, bis zum gro­ßen insel­s­berg bei km 25. schlimm war dann der abstieg: saus­teil und rut­schig – kaum ver­nünf­tig zu lau­fen. es hat­te ja auch gera­de vor­her ein wenig gereg­net …

dann mach­te ich mich all­mäh­lich ans auf­ho­len. denn mei­ne anvi­sier­te ziel­zeit waren ja 7 stun­den – und dafür muss­te der schnitt noch eini­ges fal­len. das hat aber lan­ge, lan­ge gedau­ert: in ebe­nen oder abwärts gehen­den pas­sa­gen habe ich eini­ge sekun­den raus­ge­schun­den, die ich dann zur hälf­te an der nächs­ten stei­gung – inzwi­schen ging ich vie­le berg­auf-pas­sa­gen – wie­der ver­lor. das spiel­chen wur­de müh­sam … aber noch hat­te ich genü­gend kraft und eigent­lich ging es mir gut. auch wegen der aus­ge­zeich­ne­ten ver­sor­gung durch die vie­len aus­ge­spro­chen freund­li­chen und net­ten hel­fern an den stän­den. ich hat­te von anfang wo mög­lich immer ein wenig bana­ne geges­sen und vor allem was­ser und tee getrun­ken. irgend­wo jen­seits der km 35 wur­de mir ein wenig flau, so dass ich schon hier das menü mit cola ergänzt habe (eigent­lich woll­te ich mir das ja für spä­ter auf­he­ben). die vie­le koh­len­säu­re such­te sich dann immer weni­ge schrit­te spä­ter erup­tiv den weg ins freie, denn lei­der gab es nur mine­ral­was­ser. aber das war auch okay. über­haupt war ich erstaunt, wie wenig pro­ble­me ich mit der ver­dau­ung hat­te – und wie wenig hun­ger (übri­gens noch nicht ein­mal im ziel). geges­sen habe ich aus­schließ­lich bana­nen – den hafer­schleim woll­te ich dann doch nicht noch pro­bie­ren. dafür habe ich ein ab der vier­ten stun­den drei gels ein­ge­wor­fen, die wie erwar­tet funk­tio­nier­ten und zusätz­li­che ener­gie frei­set­zen. so lief es also bei dem eigent­lich ziem­lich idea­len lauf­wet­ter (vor­wie­gend bewölkt, mil­de tem­pe­ra­tu­ren irgend­wo knapp unter 20 °C  (geschätzt), ab und an ein paar son­nen­strah­len) immer wei­ter über die höhen und kup­pen des thü­rin­ger wal­des – eini­ge schö­ne aus­bli­cke gab es, soweit ich das ohne bril­le beur­tei­len konn­te.

das ende

7 stun­den oder zumin­dest 7:05 schie­nen zuneh­mend trotz des eigent­lich zu lang­sa­men beginns mach­bar: es lief ziem­lich gut, ich fühl­te mich noch erstaun­lich frisch. aber dann begann ab dem wie­der anlau­fen nach dem ver­pfle­gungs­punkt schmü­cke die lin­ke wade außen zu schmer­zen. ich konn­te mit dem schmerz aber nichts anfan­gen und hoff­te des­halb, die letz­ten 8 kilo­me­ter noch gut durch­zu­ste­hen. aber dann kam ich zum kilo­me­ter 68. da schoss dann auf ein­mal noch ein gewal­ti­ger schmerz in den mus­kel, das bein kipp­te unter mir weg. und dann ging gar nichts mehr. ich ver­such­te noch ein paar mal, wie­der anz­lau­fen. aber das ein­zi­ge, was noch ging, war gehen. so bin ich dann zu den nächs­ten sani­tä­tern gehum­pelt, die konn­ten mir aber über­haupt nicht hel­fen (viel ahnung schie­nen sie nicht zu haben …). also bin ich halt wei­ter gegan­gen – es waren ja nur noch 4 kilo­me­ter. immer wie­der ver­sucht mich die läu­fer, die micht über­hol­ten (und die ich alle vor­her müh­sam ein­ge­sam­melt hat­ten), zu ermun­tern – aber das hat­te infach kei­nen sinn mehr. erstaun­lich fand ich, dass ich mich eigent­lich kaum geär­gert habe – irgend­wie war mir ziem­lich schnell klar, dass ich da jetzt nichts mehr machen kann. aus den guten 7 stun­den wur­den dann 7:48 h – aber das ist auch okay. und es for­dert natür­lich eine revan­che.

im ziel bin ich dann erst­mal zu den not­ärz­ten – die haben gleich einen mus­kel­fa­ser­riss dia­gnos­ti­ziert. und der schmerzt jetzt noch lus­tig vor sich hin. nach­dem ich dann geduscht war und noch ein wenig mit frett gequatscht hat­te, bin ich auch schon zurück nach eisen­ach – ich hat­te kei­nen bock mehr, da jetzt noch rum­zu­hän­gen.

das nächste mal

mehr lan­ge läu­fe im hüge­li­gen wer­de ich mir für den nächs­ten angriff auf den renn­steig vor­neh­men. denn vor allem die vie­len anstie­ge – die ich zu einem gro­ßen teil gegan­gen bin – haben mich geschlaucht. das kann noch bes­ser wer­den. über­rascht war ich, wie gut ich mit der län­ge eigent­lich klar­kam. so bei km 30 bis 35 hat­te ich ein wenig einen durch­hän­ger – da wur­de mir klar, dass noch ein gan­zer mara­thon vor mir lag bzw. gera­de erst die hälf­te hin­ter mit – und dass nach über drei stun­den. aber es ging dann eigent­lich recht locker wei­ter: km 40 fiel, dann schon 45 und auch 50 ‑60 waren über­haupt kein pro­blem.

der ultramarathonmann

als vor­be­rei­tung auf den renn­steig-super­ma­ra­thon sozu­sa­gen schon ein­mal pas­sen­de lek­tü­re: dean kar­na­zes‘ ultra­ma­ra­thon­man. aus dem leben eines 24-stun­den-läu­fers (riva 2008). eini­ge beein­dru­cken­de lauf­schil­de­run­gen ver­sam­melt er dort, vor allem die erfah­rung sei­nes ers­ten offi­zi­el­len ultras, des 100 mei­len-lau­fes wes­tern sta­tes endu­rance. danach wird’s dann etwas, nun­ja, ver­rückt: bad­wa­ter hal­te ich ja schon für grenz­wer­tig, aber einen mara­thon zum süd­pol – das ist schon etwas selt­sam. und es hat ja selbst für sol­che läu­fer nur mit bie­gen und bre­chen funk­tio­niert. ansons­ten ganz net­tes büch­lein (lei­der nicht sehr inspie­rend über­setzt – höhen­an­ga­ben in fuß hel­fen mir nicht sehr viel …), das immer wie­der um den gedan­ken kreist, war­um men­schen eigent­lich sol­che extre­me din­ge tun. und das vor allem so ehr­lich ist, dar­auf kei­ne wirk­li­che ant­wort zu haben. ange­nehm auch, dass er rein auf sich selbst fixiert bleibt: plat­zie­run­gen und ergeb­nis­se spie­len (fast) gar kei­ne rol­le: hier – zumin­dest in dem buch – geht es kar­na­zes um das erleb­nis des lau­fens, die erfah­rung der über­win­dung aller mög­li­chen schmer­zen …

so eini­ges wah­res steht da drin: „Lau­fen bedeu­te­te in ers­ter Linie: raus­ge­hen und Erfah­run­gen sam­meln. Ich sah, wie Gebäu­de ent­stan­den, wie die Vögel nach Süden zogen, un ich Wech­sel der Jah­res­zei­ten sah ich die Blät­ter fal­len und die Tage kür­zer wer­den“ (s. 30) – es ist im prin­zip banal und so ziem­lich jeder läu­fer hat dies wohl schon bemerkt. aber es stimmt. naja, von der art gibt es eine men­ge beob­ach­tun­gen und mei­nun­gen hier.

Neuere Beiträge »

© 2025 Täglich laufen

Theme von Anders NorénHoch ↑