Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

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Leidenschaft Laufen

“Nichts ist so edel, tief und irra­tional wie unser Laufen — und nichts so wild und urtüm­lich.” (24)

So schreibt es Bernd Hein­rich, (Ultra-)Marathoni und Biologe. Er hat eines der besten Büch­er über seine bei­den Lei­den­schaften geschrieben: Die Natur­welt und das Laufen. So heißt es auch: “Laufen. Geschichte ein­er Lei­den­schaft”. Und der Unter­ti­tel trifft es sehr genau: Denn um Lei­den­schaften geht es hier. Nicht nur um das Laufen als Sport, als Fort­be­we­gungs­form oder als Wet­tkampf, son­dern auch um Biolo­gie und ihre Läufer, die Käfer zum Beispiel, oder auch andere Aus­dauer-Tiere wie die Zugvögel. Denn Hein­rich ist nicht nur Marathon- und Ultra­läufer erster Klasse (Anfang der 80er lief er US-Reko­rde über 100 Kilo­me­ter (in 6:38:21) und im 24-Stun­den-Lauf z.B., hat auch einige gute Marathon-Zeit­en deut­lich unter 2:30 erlaufen), son­dern auch Biologe — offen­bar genau­so mit Leib und Seele, wie er das Laufen ver­fol­gt …

Der biol­o­gisch gebildete und geschulte Hin­ter­grund diese Läufers macht sich also bemerk­bar. Und zwar auf sehr angenehme Weise. Schon die erste Schilderung eines Mor­gen­laufes ist phan­tastisch (wahrhaftig!) — nicht nur, was er alles sieht — das ist offen­bar Mon­tage viel­er, jahre­langer Läufe — son­dern auch die Genauigkeit nicht nur des Erkennes & Beobacht­ens, son­dern auch des Ken­nens und Benen­nens — da merkt man den Natur­wis­senschaftler sehr deut­lich … Aber das ist trotz­dem (oder ger­ade deswe­gen) so anschaulich beschrieben, dass man den Läufer und seine Umge­bung wirk­lich vor sich sieht. Und am lieb­sten sofort auf­brechen möchte, genau so zu laufen — aber draußen reg­net es ger­ade, also lieber noch etwas weit­er lesen.

Ich füh­le mich gut und spüre, wie mir frische Kräfte erwach­sen durch die Erwartung der Dinge, die hin­ter der näch­sten Biegung mein­er har­ren, durch die Erin­nerung an frühere Läufe und gele­gentlich auch durch die Vor­freude auf ein Wet­tren­nen in der Zukun­ft. (18)

Hein­rich verquickt hier sehr schön seine per­sön­liche Lauf­bi­ogra­phie bis zu ihrem Höhep­unkt, den US-Meis­ter­schaften im 100-Kilo­me­ter-Lauf in Chica­go 1981 mit biologischen/physiologischen Beobach­tun­gen und Erken­nt­nis­sen zum Aus­dauer­sport. Davon, von dem Wet­tkampf und seinen Vor­bere­itun­gen, aus­ge­hend blickt er zurück bis in seine frühe Kind­heit in Deutsch­land und Ameri­ka, seine frühe Begeis­terung für das Laufen draußen in der Natur und sogle­ich auch die Beobach­tung dieser Natur, seine ver­schiede­nen Ansätze, Laufen als Sport zu betreiben. Und dazwis­chen und mit­ten­drin ganz viel (für mich) Span­nen­des und Inter­es­santes aus der Tier­welt — über Zugvögel, Insek­ten, Hominiden, Gabel­böcke und Ziegen oder Gepar­den gle­icher­maßen. Immer unter dem Aspekt: Wie schaf­fen es diese Arten, ihre beson­deren Fähigkeit­en hin­sichtlich der Fort­be­we­gung so zu erbrin­gen, welche Voraus­set­zun­gen bilde­ten sie im Laufe der Evo­lu­tion für große Aus­dauer- oder kurze Hochgeschwindigkeit­sleis­tun­gen aus. Und Hein­rich, der bei Insek­ten auch auf diesem Gebi­et als Biologe geforscht hat, ver­sucht dann, dieses Wis­sen auf den men­schlichen Läufer zu über­tra­gen, zum Beispiel seine Energiev­er­sorgung vor und während des Ultra­laufes nach diesen Erken­nt­nis­sen zu gestal­ten (er benutzte dann bei seinem 100er auss­chließlich Preisel­beer­saft …). Und als Neben­pro­dukt fällt ein schön­er Ver­gle­ich der bei­den Muskelfaser­typen ab:

Ein anaer­ober FT-Muskel [Fast Twicht­ing] braucht keine Vork­er­hun­gen für eine rasche Ver­sorgung mit Sauer­stoff oder Brennstoff, für den Abtrans­port von Abfall­stof­fen und für Tem­per­atur­reg­ulierung. Er ist wie ein Ren­nau­to, das dafür gebaut ist, sehr schnell über die Strecke zu jagen, und daher ganz anders aussieht als ein Wohn­mo­bil, das man für eine Wüs­ten­durch­querung herg­erichtet hat. (89)

Hein­rich selb­st hat das Laufen wohl, so schildert er es, sein ganzes Leben mit Lust betrieben — als Kind in Deutsch­land genau­so wie im Inter­nat in Ameri­ka, wo er dann auch zum Cross-Läufer wird. Auch am Col­lege lan­det er bei den Läufern, trotz ver­schieden­er Ver­let­zun­gen. Und später wird er dann fast neben­bei zum Marathoni mit ein­er Zeit von 2:25.

Ab dem 15. Kapi­tel geht es dann auf die Ziel­ger­ade: Der 100er von Chica­go rückt jet­zt endgültig in den Fokus: Das Train­ing, die Vor­bere­itung, die Ernährung und der eigentliche Lauf als Schlusssprint wer­den ver­gle­ich­sweise knapp dargestellt. Sehr sym­pa­thisch aber auch die dezi­dierte Anti-Helden-Hal­tung Hein­richs, der seine Leis­tung nicht großar­tig her­ausstellt, son­dern auch die Ziele ander­er Läufer immer wieder betont. Ganz wesentlich ist aber auch: Laufen ist immer ein Freude, eine Lei­den­schaft, ein Genuss — auch wenn es mal wehtut, die Beloh­nung durch und im Erleben der Erfahrun­gen des Laufens und des Läufers wiegen den Schmerz mit Leichtigkeit wieder auf.

Ins­ge­samt also: Ganz klar eines der schön­sten Büch­er über das Laufen, das ich kenne. Wahrschein­lich, weil das eigentliche Laufen an sich (des Men­schen) gar nicht so sehr im Vorder­grund ste­ht. Son­dern eher die Begeis­terung für die laufende Fort­be­we­gung. Oder, noch all­ge­mein­er, die Begeis­terung über aus­dauernde Ent­fer­nungsüber­brück­un­gen, egal wie oder durch wen — so lange es mit eigen­er Kör­perkraft und ohne tech­nis­che Hil­f­s­mit­tel geschieht. Noch dazu ein kluges, sym­pa­this­ches, über­haupt nicht ange­berisches Buch. Absolute Leseempfehlung!

Bernd Hein­rich: Laufen. Geschichte ein­er Lei­den­schaft. München: List Taschen­buch 2005. 349 Seit­en. ISBN 978–3‑548–60564‑7.

“10 erfolgreiche Schritte”: Das Handbuch für Bergläufer

Das ist schon fast eine Antiq­ui­tät, dieses schon 1989 erschiene “Hand­buch für Bergläufer” von Her­bert Jost und Lud­wig Geiger. Aber so weit ich sehe, ist — zumin­d­est im deutschen Sprachraum — in den let­zten Jahren nichts ver­gle­ichs­bares erschienen.

Die bei­den Autoren ver­sucht­en vor über zwanzig Jahren, als Berglauf noch als “junge” Sportart galt, eine mehr oder weniger umfassende “Anleitung” im Sinne ein­er Hin­führung zum Berglauf zu geben. Das heißt, dass sie sich ganz stark und beson­ders der Tech­nik des Laufens in den Bergen wid­men. Also spielt das “richtige” Laufen, die richtige (d.h. effiziente und gesunde) Bewe­gung unter den beson­deren Bedin­gun­gen des Gebirges die Haup­trol­le in diesem Büch­lein. Behan­delt wird das mehr oder weniger steile Bergauf- und Bergab-Laufen, die richtige, angepasste Lauftech­nik auf wech­sel­nden Unter­grün­den, auch auf ungün­stig zu laufend­en Unter­la­gen (Schnee z.B. oder nass­es Gras — dazu heißt es erst ein­mal: “Nasse Wiesen abwärts zu laufen, ist etwa so wie auf Eis zu tanzen.” (42)).

Jost und Geiger stellen dabei knapp und präg­nant das Wesentliche (soweit ich sehe zumin­d­est) vor — der nicht sehr umfan­gre­iche Text wird durch ein schmales Lay­out gestreckt. Die illus­tri­eren­den Fotos wer­den den heuti­gen Ansprüchen nicht mehr ganz gerecht (nicht nur, weil sie schwarzweiß sind, son­dern vor allem aber, weil sie nicht sehr präzise gedruckt wur­den …). Pub­lika­tio­nen wie das Trail-Mag­a­zin oder Daniels Blog set­zen die Lat­te für solche Fotos inzwis­chen ziem­lich hoch. Dafür ist das Hand­buch aber mit hil­fre­ichen Zeich­nun­gen zur Lauftech­nik sehr instruk­tiv abgerun­det.

Der Teil zur Aus­rüs­tung, ins­beson­dere zu den Lauf­schuhen, ist natür­lich reich­lich ver­al­tet — da hat sich in den let­zten zwanzig Jahren (1989 erschien das Hand­buch) ja doch einiges getan, vor allem in der Entwick­lung des Mate­ri­als und spezial­isiert­er Schuhe. Hier gibt es noch Lauf­schuhe mit Schus­ternägeln — so welche hat­te ich in meinem kurzen Läufer­leben noch nie in den Hän­den, geschweige denn an den Füßen. Anderes gilt freilich noch immer: “Kaufen Sie einen Schuh, der so leicht ist wie möglich und so sta­bil wie nötig” (51) — eine wohl zeit­lose Lauf­schuh-Wahrheit. Aber immer­hin habe ich dabei neben bei noch gel­ernt, was ein “Bidon” ist — näm­lich eine Trink­flasche der Rad­fahrer …

Sehr aus­führlich behan­deln die bei­den neben der Lauftech­nik auch das Berglauf­train­ing: umfassend, aber naturgemäß auf diesem Raum und in diesem Zusam­men­hang sehr knapp geschildert. Auch der Wet­tkampf wird nicht vergessen, und, was ich sehr lobenswert finde, auch die spez­i­fis­chen Gefahren der Höhe, d.h. der inten­siv­en Leis­tung in Höhen­la­gen, und der alpinen Umge­bung wer­den aus­führlich beleuchtet. Dazu haben sie sog­ar eine schön unüber­sichtliche Grafik entwick­elt: komplikationen bei intensiver leistung in großer höhe

Ergänzt wird das noch um Aus­führun­gen zum Berglauf in Beziehung zu anderen Sportarten und sehr knap­pen sportmedi­zinis­che Betra­ch­tun­gen sowie einem Kapi­tel zum “men­tal­en” Train­ing. Sehr schön sind aber auch die Seit­en zum “Berglaufwan­dern” — das, was heute dann doch meist eher “Ultra­trail” genan­nt wird, im Prinzip aber das gle­iche ist: Laufen in den Bergen über lange Streck­en, auch mal mehrere Tage, wofür die Autoren ein schönes Beispiel geben, eine 60km-Strecke zwis­chen Vaduz und Rätikon.

Also, seinen Titel trägt das “Hand­buch für Bergläufer” duchaus zu recht. Noch ein­mal zur Über­sicht das Inhaltsverze­ich­nis der 10+1 Kapi­tel:

  1. Was ist Berglauf?
  2. Aller Anfang ist schw­er
  3. Die Tech­nik des Aufwärt­slaufens
  4. Die Tech­nik des Abwärt­slaufens
  5. Die Aus­rüs­tung
  6. Das Berglauf­train­ing
  7. Der Wet­tkampf
  8. Die Beson­der­heit­en der Höhe
  9. Berglauf und andere Sportarten
  10. Berglauf und men­tales Train­ing
  11. Sportmedi­zis­che Aspek­te zum Berglauf

Her­bert Jost, Lud­wig Geiger: Das Hand­buch für Bergläufer. Ober­haching: sport­in­form 1989. 223 Seit­en. ISBN 3–89284-036–9.

Wigald Boning läuf nachts — und bekennt sich dazu

Und er tut das, das Beken­nen natür­lich, in einem net­ten Buch: “Beken­nt­nisse eines Nacht­sportlers”.
Das ist run­dum unter­halt­sam und amüsant, aber eher schmun­zel­nd als — wie der Klap­pen­text ver­heißt — im Sinne eines “Lach­muskel­train­ing”. Sooooo lustig finde ich seine auto­bi­ographis­che Schilderung seines sportlichen Lebens, der Ver­suche, das mit Beruf und Fam­i­lie in Ein­klang zu brin­gen, auch wieder nicht. Aber es ist ein sehr lock­er­er Text. Und auch das Laufen geschieht eher neben­bei , der Marathon geschieht in ein paar Zeilen, der erste Ultra hat immer­hin einige Seit­en, in denen es aber nicht so sehr ums Laufen als um das Drumherum geht. Und um ganz viel Leichtsinn. Zumin­d­est so wie Bon­ing es erzählt, ist er extrem unvor­sichtig und draufgän­gerisch, riskiert Leib und Leben (übri­gens nicht nur seines) — es sei mal dahingestellt, ob das der Real­ität entspricht oder ob er nur gerne drama­tisiert. Aber ver­führererisch und eben leichtsin­nig ist es doch — “Und zurück kammt man immer, irgend­wie.” ist offen­bar sien Haupt­mot­to gewor­den — und das ist schon gren­zw­er­tig, finde ich …

Mein Faz­it daher: Das ist eher ein Lauf­buch für Nichtläufer — oder ein Sport­buch für Bon­ing-Fans. Und eine ganz angenehm-nette Bet­tlek­türe — ohne großen Anspruch und beson­deren Erken­nt­niswert.

Wigald Bon­ing: Beken­nt­nisse eines Nacht­sportlers. Rein­bek: Rowohlt 2007. 299 Seit­en. ISBN 9783–499-62192–5

der märz: frühlings erwachen

zumin­d­est auf der lauf­bahn. denn der märz war mein erster richtiger, erfol­gre­ich­er train­ingsmonat in diesem jahr (siehe auch hier). viele, viele kilo­me­ter bin ich gelaufen: genau 528. das sind immer­hin 17,02 km pro tag (im durch­schnitt). zweimal davon ging es über die marathon-dis­tanz hin­aus: beim 50 km-lauf in escholl­brück­en, ein guter indika­tor für meinen momen­ta­nen, noch aus­baufähi­gen leis­tungs­stand bei akzept­abler grun­daus­dauer, und dann gle­ich sechs tage später danach noch im train­ing die 44 km im oden­wald mit schö­nen 1000 höhen­meter. so kann es weit­erge­hen — wird es hof­fentlich auch. schließlich müssen bis zum 2. juli noch einige kilo­me­ter absolviert wer­den …

und auch der streak hält weit­er­hin — bei 648 tagen bin ich jet­zt, mit durch­schnit­tlichen 13,02 tageskilo­me­tern. und damit geht es schnurstracks auf die zwei jahre zu.

ultra-training

im moment schlage ich ganz schön zu beim train­ing. in den neun tagen vom 21. bis 29. märz bin ich jet­zt genau 188,92 kilo­me­ter gelaufen — zumin­d­est behaupt das mein fore­run­ner. davon 50 kilo­me­ter in escholl­brück­en im “wet­tkampf”, weit­ere 44 kilo­me­ter vorgestern im oden­wald mit ziem­lich genau +/- 1000 höhen­metern in immer­hin 4:04 stun­den. und zwei inter­vall­train­ings — ver­gan­genen mittwoch 5x2000 m, die mir schon hart vorka­men. und jet­zt ger­ade noch ein­mal bzw. schon wieder, weil vic­sys­tem den zyk­lus geän­dert hat, 4x2400 m — das war wirk­lich hart. vor allem, weil noch etwas wind dabei war, den ich bei einem tem­po von 4:14 (sehr genau das ziel getrof­fen) doch schon ziem­lich deut­lich gemerkt habe. ich glaube, die trab­pausen bin ich sel­ten so langsam geschlichen … wenig­stens bieten die näch­sten tage jet­zt etwas erhol­ung: regen­er­a­tives laufen und nor­maler dauer­lauf zur stärkung der grund­la­ge­naus­dauer ste­ht an, bevor es am sam­stag wieder auf die lange strecke geht: der plan will 43 kilo­me­ter haben — mal sehen, ob das nicht wieder etwas mehr wird … große ziele erfordern eben auch große vor­bere­itung.

50 km beim 19. Ultramarathon in Eschollbrücken

So. Nach­dem ich in Rodgau dieses Jahr wegen meines Ski­urlaubs nicht laufen kon­nte, habe ich mir mal den Ultra­ma­rathon Escholl­brück­en angeschaut. Da gibt es näm­lich auch die 50 km. Und inzwis­chen, seit Ende Jan­u­ar, habe ich wieder wenig­stens ein paar (wenige, viel zu wenige eigentlich) lange Läufe gemacht. Also 50 km Ende März. Und ich habe keine Ahnung, ob ich das vernün­ftig schaffe und wie schnell ich sein kann. Als Wet­tkampf wollte ich es eigentlich nicht laufen, son­dern eher als extremen Train­ingslauf. Also habe ich nach den ver­gle­ich­sweise schnellen 34 km vom let­zten Sam­stag am Mon­tag noch ein hartes Marathon-Ren­ntem­po-Train­ing draufge­set­zt, bin Dien­stag und Mittwoch noch jew­eils 16,5 km Dauer­lauf ger­an­nt und habe erst ab Don­ner­stag die Umfänge reduziert. Vor Escholl­brück­en hat­te ich also schon 70 km in den Beinen. Und noch eine kleine, erste Rad­fahrt. Denn der Ultra ist in der Pam­pa. Ohne Auto kommt man da son­ntags mor­gens prak­tisch nicht hin. Also habe ich mal etwas anderes ver­sucht: Sam­stag abend bin ich bei meinem Brud­er in Darm­stadt einge­flo­gen und von dort aus am Son­ntag, nach einem kleinen Früh­stück, mit dem Lieger nach Escholl­brück­en gekurbelt. Das sind gut 10 km, ganz ein­fach zu find­en — also nichts welt­be­we­gen­des. Am Sport­platz Escholl­brück­en war ich eigentlich viel zu früh, näm­lich schon kurz nach 8 Uhr — ich wollte sicherge­hen, da ich dieses Jahr nach über­haupt nicht mit dem Lieger unter­wegs war und keine Ahnung hat­te, ob 20 Minuten aus­re­icht­en (sie tat­en). Also hing ich da rum, habe dann kurz vor 9 auch noch Frett, den anderen Läufer aus dem Streakrun­ner-Forum und Spezial­ist für die 50 km, getrof­fen. Er hat­te etwas mehr vor als ich ;-). Ich hat­te mir so gedacht, das ganze mit 5:30/km rel­a­tiv gemütlich anzuge­hen und am Ende zu schauen, was noch geht. Es kam etwas anders …

Der Lauf:

Ges­tartet wurde pünk­tlich um 9, ganz unspek­takulär — außer den 80 Ultras war nichts los 😉 Die ersten haben sich natür­lich wie ver­rückt auf die Strecke gestürzt (und mich später dann auch zweimal über­run­det). Für mich selb­st war die erste Runde eher beschei­den: Etwas zu langsam, kein rhyth­mus, auch keine rechte Freude beim Laufen. Die Strecke in Escholl­brück­en ist ein 5‑km-Rund­kurs, im Grunde zwei Schleifen à zwei und drei Kilo­me­ter, wobei der zweite Teil bei km 3,5 oder so noch eine kleine Aus­buch­tung in den Wald hat. Sie führt meist über recht ordentliche Wege auf dem Deich des Rück­hal­te­beck­esn (die ersten zwei Kilo­me­ter) und durch den Wald, dann aber auch nach Kilo­me­ter 3 kurz übers Feld mit einem recht buck­li­gen Weg, der heute zudem noch im Gegen­wind lag. Aber das ist nur ein ganz kurzes Stückchen, dann geht es wieder am Orts- & Wal­drand in Rich­tung Sport­platz, wo man noch eine extra-Schleife über den Rasen­platz dreht, bevor man hin­ter Kilo­me­ter 5 an der Verpfle­gung vor­beikommt. Beim ersten Mal ließ ich die noch rechts liegen, dann gab es für mich Tee und Wass­er — bei­des nicht ide­al für mich: Den Tee hat­te ich recht bald eigentlich über (rein geschmack­lich …), das Wass­er hat­te lei­der Kohlen­säure, was ich beim Laufen nicht beson­ders mag. Aber egal. Essen hätte man auch einiges kön­nen — Bana­nen natür­lich, Kekse, Schoko­lade etc. — das habe ich aber ganz sein gelassen, weil ich keinen Hunger hat­te.

Bis in die zweite Runde hinein wur­den wir auch noch mit Regen ver­wöh­nt, dann kam aber immer mehr Sonne (warm genug war es dur­chaus), hin­ter Kilo­me­ter drei auch richtig Gegen­wind. Auch auf dem Deich wehte es manch­mal ein biss­chen — aber das war alles nicht so schlimm. Bzw. erst nach 8, 9 Run­den …

Ab dem zweit­en Durch­gang lief es bess­er, d.h. deut­lich zügiger. Dann bin ich lange (bis Runde fünf oder sechs) im Duo unter­wegs gewe­sen bzw. habe ein biss­chen Tem­po für die spätere Gesamtzweite der Frauen­wer­tung, die dann aber lei­der abreißen hat lassen, gemacht. Irgend­wan kam sie nach der Verpfle­gung — ich bin da fast kom­plett durchge­laufen — nicht mehr ran, der Abstand wurde dann doch etwas größer, am Ende waren es knapp 7 Minuten, die zwis­chen uns lagen.

Ich war erstaunlicher­weise recht gle­ich­mäßig unter­wegs (Run­denüber­sicht, Tem­po­di­a­gramm). Dem Gefühl nach noch gle­ich­mäßiger als die Zeit­en aus­sagen. Vor allem immer etwas schneller als eigentlich vorgenom­men: Statt 5:30/km eher 5:15–5:20/km. Bis runde 7, also 35 km, ging das völ­lig ohne Prob­leme — sog­ar mit ein­er kon­tinuier­lichen leicht­en Tem­posteigerung. Ab Runde 8 dann allerd­ings nicht mehr so sehr. Ganz im Gegen­teil sog­ar: 8 schon etwas langsamer, 9 noch ein biss­chen, und 10 auch noch mal ein kleines biss­chen langsamer. Aber da hat­te ich schon aus­gerech­net, dass die sub 4:30h im Bere­ich des Möglichen liegen. Und 2,5 km vor Schluss sog­ar im Bere­ich des Wahrschein­lichen. Da hat­te ich noch mal einen 50er über­holt, der irgen­wie wohl eingeschlafen war. Er hat sich dann näm­lich ziem­lich prob­lem­los an meine Fersen geheftet, bis Kilo­me­ter 49 von mir ziehen lassen und ist dann wort­los abge­zo­gen — ich kon­nte und wollte sein­er Tem­pov­er­schär­fung dann nicht mehr fol­gen. Im Ziel hat­te ich eine 4:28:29, offiziell zu 4:28:32 kor­rigiert (das waren wahrschein­lich die drei Sekun­den, die ich beim Start bis zur Star­tlin­ie gebraucht hat­te).

Ach ja, das Über­holen über­haupt. Das ist näm­lich sehr schön in Escholl­brück­en. Denn um 11 Uhr wer­den die 25 km-Läufer auf die Strecke geschickt. Dadurch kommt etwas Leben in das zu dem Zeit­punkt ja ziem­lich betonierte Ultra-Feld. Und ich hätte es ja nicht geglaubt, aber ich kon­nte so nach 30,35 Kilo­me­tern noch eine Menge Läufer über­holen. Das tut dann sehr gut, gibt Extra-Moti­va­tion. Aber erstaunlicher­weise — vielle­icht hat genau dies ja auch geholfen — hat­te ich über­haupt keinen absoluten Durch­hänger. Klar, es ging mal den einen oder anderen Kilo­me­ter nicht so leicht und flüs­sig. Aber inge­samt bin ich erstaunlich prob­lem­los durchgekom­men.

Nach dem Lauf habe ich dann wenig­stens noch eine Banane ver­drückt — das Start­geld muss sich ja auch ein biss­chen ren­tieren. Aber ich bin dann auch ziem­lich bald abgedampft, weil ich ja um 17 Uhr schon wieder in Mainz im Dom sein musste — zum Arbeit­en. Der Rück­weg nach Darm­stadt mit dem Fahrrad ging bess­er als ich dachte — und die Bewe­gung hat sog­ar etwas gut­ge­tan. Dort erwartete mich dann auch noch eine Luxus-Dusche 😉

von der mümling an die tauber

gut, die über­schrift ist über­trieben. aber nur min­i­mal. am sam­stag bin von erbach (allerd­ings nicht ganz von der müm­ling aus) nach uis­sigheim gelaufen — das ist kurz vor der tauber. 53,4 kilo­me­ter waren das. beziehungsweise etwas mehr, denn ein oder zwei teil­stück­en, die ich gegan­gen bin — etwa den let­zten anstieg — habe ich nicht mit­gestoppt. 5 stun­den 20 minuten habe ich dafür gebraucht. und einige pausen noch dazu. das war dann doch einiges langsamer als ich mir gedacht habe. mit einem schnitt von 5:30 bis 5:45 hat­te ich gerech­net, gewor­den sind es 6:00. dafür hat das mäßige tem­po einen vorteil: muskelkater habe ich über­haupt keinen. ein wenig steif war ich sam­stags und auch am son­ntag noch etwas, aber die muskeln beschw­eren sich kaum.

das wet­ter war bru­tal schwül. nicht ger­ade das ide­ale laufwet­ter. ruck­zuck war ich kom­plett — aber wirk­lich voll­ständig — durchgeschwitzt. und das blieb bis kurz vor schluss so. kurz vor kül­sheim kam ich aus dem wald her­aus, da hat der leichte wind mich immer­hin noch ein biss­chen getrock­net. aber das war dann auch egal.

die wege waren auch nicht immer opti­mal aus­ge­sucht: da waren einige harte trails dabei, die auf der karte ganz und gar harm­los aus­sa­hen. so bin ich also durch die matschwüsten der wal­dar­beit­er, über wege, die kom­plett mit ästen zugedeckt waren, durch bren­nes­sel-felder und brombeer-heck­en gelaufen, über aus­ge­wasch­ene wasser­rin­nen ins tal gestürzt und im bauch­ho­hen gras von einem loch ins andere getaumelt … das hat nicht nur kör­per­liche, son­dern auch phsy­sis­che anstren­gung gekostet, die sich mit der zeit erhe­blich sum­miert hat. aber dafür macht man ja solche läufe …

so bin ich gelaufen: [sin­glepic id=243 w=650]

die genaue strecke lässt sich auch (bess­er) bei gpsies.com anschauen: klick.

ich bin also durch dorf-erbach ins gräsig, von dort über das haber­mannskreuz (wo ich einem auto, dass unbe­d­ingt mit min­i­mal­stem abstand an mir vor­bei musste, den außen­spiegel ein­klappte) nach eul­bach. bis hier­hin kan­nte ich den weg — bish­er war ich das allerd­ings immer schneller gelaufen, im ersten anstieg hin­term gräsig war schon die erste geh­pause fäl­lig … von eul­bach dann noch ein­mal kurz auf die b47 in rich­tung boxbrunn, aber gle­ich hin­ter dem abzweig nach viel­brunn den ersten wald­weg und mehr oder weniger par­al­lel zur straße am höhen­dorf vor­bei. und dann, nach einem weit­eren stück auf dem kamm, ging es hin­unter rich­tung amor­bach. da wurde das navigieren schwierig — den weg, den ich mir aus­gedacht hat­te, fand ich an zwei stellen nicht bzw. nicht auf anhieb. das erste mal nahm ich einen wan­der­weg, schön steil in kehren, vor­bei an der gruppe mit stöck­en bewaffneter wan­der­er (und betend, dass ich genau dort nicht hin­falle — hat sog­ar geklappt …), beim zweit­en mal musste ich nur genauer suchen: der weg war schon sehr zugewach­sen. und entsprechend schlecht zu laufen. ich hat­te aber keine lust, weit­er umherzuir­ren — mein fuß tat weh, ich hat­te mich böse vertreten und wollte erst ein­mal her­aus aus dem wald. außer­dem war ich schon länger unter­wegs als ich dachte, hat­te schon mehr kilo­me­ter auf dem fore­run­ner als ich erwartet hat­te. irgend­wann kam ich so dann tat­säch­lich im lan­gen tal an, dass mich wieder zur b47 führte. der bin ich dann auf dem feld­weg gefol­gt bis zur kreuzung an der bahn­lin­ie bei amor­bach. die habe ich kurz­er­hand “wild” über­quert, der näch­ste über­gang war mir ein­fach zu viel umweg … auf der anderen seite ging es dann durch den rand von amor­bach und immer weit­er die straße — und zwar hin­auf. und hin­auf. und hin­auf … irgend­wann, schon hin­ter (und vor allem deut­lich über) schnee­berg, ver­ließ ich dann die land­straße, um wieder im wald einzu­tauchen. die wege wur­den bald recht ver­lassen und entsprechend ver­wildert. beim “roten kreuz” machte ich eine erste rast und ver­til­gte einen oat-snack gegen den langsam aufk­om­menden hunger. aber lange hielt es mich nicht, es ging noch recht gle­ich­mäßig weit­er, durch eine kleinen weil­er über den befes­tigten feld­weg nach windis­chbuchen. dort bog ich dann wieder ein­mal auf die straße bzw. das sträßlein ein, dass mich nach hep­pdiehl führt. dort ver­weilte ich kurz am kleinen fried­hof, nutzte das küh­le wass­er zur zwis­ch­en­er­frischung und die bank, meine mit­tler­weile etwas müden beine kurz auszu­ruhen. doch bald ging es auch hier wieder weit­er, 12 uhr war es mit­tler­weile schon gewor­den. ich blieb jet­zt vor­erst auf der straße, die mich steil hinab führte, und zwar nach pföhlbach. dort bog ich ab, tra­bte das kurze stück am hang ent­lang nach riedern. in riedern über­querte ich die erft — mit ein­er höhe von ca. 180 m der zweit­niedrig­ste punkt mein­er tour. und das war gle­ich wieder zu merken, denn hin­ter dem ort ging es schon wieder ab von der straße und stetig bergan. sehr stetig. mein etrex fing hier an, ziem­lich zu spin­nen und machte mir etwas sor­gen, weil es mich beständig weit ab von mein­er eigentlichen route wäh­nte. anfangs noch sehr sich­er, auf dem richti­gen weg zu sein, wurde ich zunehmens unsicher­er. und es ging immer weit­er bergan … aber irgend­wann war ich doch oben, machte mal wieder eine kurze rast und ließ den etrex neuen kon­takt zu den satel­liten aufnehmen — und siehe da, ich war die ganze zeit richtig gewe­sen. die erle­ichterung war groß. zumal hier schon das erste schild eines kül­sheimer wan­der­wegs auf­tauchte — das ende rück­te also näher. vorher galt es fre­lich noch einiges an weg im dicht­en gras zu über­winden — nach­dem ich mit­tler­weile schon fast 45 kilo­me­ter in den beinen hat­te, war es nicht mehr sehr lustig, zu laufen ohne den boden und seinen vie­len gemeinen uneben­heit­en sehen zu kön­nen. aber das bewusst­sein des nahen­den endes hielt mich aufrecht. so ganz war ich aber freilich noch nicht fer­tig … nach der über­querung der land­straße zwis­chen ste­in­furt und stein­bach hat­te ich immer­hin wieder fes­ten, halb­wegs ebe­nen feld­wegs-grund unter den füßen. der weg führte leicht abwärts direkt nach kül­sheim. da musste ich ein weit­eres mal pausieren — die erste wasserblase im ruck­sack war leer, ich musste umfüllen. viel erhol­ung brachte die pause nicht, so lief ich also eher im trottgang als beson­ders dynamisch durch die stadt und zum weg in rich­tung uis­sigheim. immer­hin kan­nte ich mich jet­zt wenig­stens wieder unge­fähr aus … kurz vor uis­sigheim ver­ließ mich aber auch die let­zte reserve bzw. der let­zte wille, den an diesem punkt der strecke nicht mehr ganz harm­losen anstieg zum sport­platz bin ich dann doch lieber gegan­gen. danach kon­nte ich aber wenig­stens noch den let­zten kilo­me­ter zum ziel laufend zurück­le­gen — und da erwartete mich nicht nur ein leck­eres (wenn auch arg ver­spätetes) mit­tagessen, son­dern auch eine her­rlich frische, küh­le dusche — wun­der­bar. den rest des tages war ich freilich ziem­lich hinüber …

der höhen­ver­lauf ist so:[singlepic id=242 w=460]

wovon haruki murakami schreibt, wenn er vom laufen schreibt

ein schönes kleines buch, in dem so ziem­lich alles rund ums laufen ste­ht. und noch ganz nett geschrieben, klar und präzise, flüs­sig zu lesen.

das inter­es­sante sind hier aber natür­lich die inhalte, die reichen erfahrun­gen, die muraka­mi als langjähriger läufer gemacht. dabei geht es gar nicht so sehr um tech­nis­che details — das buch wen­det sich schließlich an ein all­ge­meines pub­likum, nicht nur an läufer. son­dern vor allem um per­sön­lich­es, um verän­derun­gen der eigen- und fremder­fahrung. natür­lich spie­len auch ver­meintliche kleinigkeit­en immer wieder hinein. etwa die auswahl passender schuhe, wenn muraka­mi vom “psy­chol­o­gis­chen vorteil” guter schuhe berichtet (übri­gens ist er, wie ich auch, offen­bar ein mizuno-fan).

muraka­mi ist zwar kein streak­läufer, prak­tiziert aber trotz­dem das tägliche laufen — mit unter­brechun­gen — als ziel und meth­ode. auch wieder ein sym­pa­this­ch­er zug an ihm. vor allem aber die offen­heit, mit der er nicht nur von den schmerzen des vor­bere­i­t­en­den train­ings berichtet, son­dern auch die erfahrung und ver­ar­beitung von nieder­la­gen erläutert, sind gute pas­sagen. ger­ade das let­ztere, die aus­dauernde und tiefe refk­lek­tion der nieder­lage — die ja beim laufen weniger mit dem “ver­lieren” im wet­tkampf  als mit dem nichter­re­ichen eines per­sön­lichen zieles zusam­men­hängt — ist wohl etwas wirk­lich läufer­typ­is­ches: läufer scheinen sich viel inten­siv­er mit diesen erfahrun­gen auseinan­derzuset­zen als andere hob­bysportler. wohl ein­fach deshalb, weil langstreck­en­läufer — wenn sie nicht außeror­dentliche begabun­gen sind — nie da herumkom­men, irgend­wann eine oder die andere zu erfahren. und im gegen­satz zu wet­tkampf- und/oder mannschaftss­portarten ist man halt immer wirk­lich selb­st schuld — es gibt sozusagen keine ausre­den. aber genau dieses moment ist es auch wieder, dass das laufen so wertvoll macht: man lernt, mit solchen rückschlä­gen umzuge­hen — man muss es ler­nen. man lernt sozusagen so etwas wie “demut”: auch wenn man auf der einen seite die erfahrung der enor­men leis­tungs­fähigkeit eines men­schlichen kör­pers (und ihrer steigerungs­fähigkeit) macht, so lernt man eben auch die gren­zen dieses kör­pers immer wieder ganz unmit­tel­bar ken­nen. das ist eine wesentliche erfahrung, die jed­er halb­wegs ambi­tion­ierte läufer macht. und die beschreibt muraka­mi sehr gut — ich glaube, anhand seines textes kön­nen das auch nichtläufer nachvol­lziehen …

auch die vielfälti­gen verän­derun­gen durch und im laufen kom­men bei ihm nicht zu kurz: die verän­derun­gen der wahrnehmung etwas, von sich selb­st und der umge­bung, die man anders — inten­siv­er gar nicht unbe­d­ingt, aber direk­ter, näher — erfährt — z.b. den wan­del der zeit, der jahreszeit­en, der jahre … natür­lich auch die verän­derun­gen des eige­nen kör­pers. aber auch die verän­derun­gen des “geistes” — die (konzentrations-)stärke (die hm die par­al­lele zum schreiben ziehen lässt) zum beispielt, das durch­hal­tev­er­mö­gen, die forderung der eige­nen fähigkeit­en, die aus­lo­tung von gren­zen und der ver­such, diese gren­zen im rah­men der möglichkeit­en zu ver­schieben. all das ste­ht in diesem kleinen, sym­pa­this­chen büch­lein auf ganz unauf­dringliche, per­sön­lich gefärbte weise geschrieben.

haru­ki muraka­mi: wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede. köln: dumont 2008.

knapp vorbei ist auch daneben

der lauf

kühl war es um kurz vor halb sechs, als ich mit über 1800 weit­eren Läufern auf dem eise­nach­er mark­t­platz ankam. so richtig wach wurde ich erst allmäh­lich — um kurz nach vier nach eini­gen stun­den unruhi­gen schlafes im gemein­schaft­squarti­er (ein­er schule) aufzuse­hen, ist nicht unbe­d­ingt mein ding. kühl blieb es auch noch eine weile. pünk­tlich um sechs ging es los — ich hat­te mich sehr weit hin­ten im feld ein­ge­ord­net und über­querte 2 minuten später die star­tlin­ie. dann ging es erst ein­mal langsam und sehr, sehr gemütlich an den rand von eise­nach und über einige kehren hoch zu den wiesen und dem wald — immer in rich­tung rennsteig. das feld war noch sehr dicht und machte das laufen etwas schwierig — man musste halt sehr auf­passen. dafür hat­te ich keine gele­gen­heit, zu früh zu schnell zu wer­den. eher im gegen­teil. spästens so nach 10 km hat­te sich das feld dann aber schon erhe­blich auseinan­der gezo­gen. aber zunächst ging es mehr oder wenig stetig bergauf, bis zum großen insels­berg bei km 25. schlimm war dann der abstieg: sausteil und rutschig — kaum vernün­ftig zu laufen. es hat­te ja auch ger­ade vorher ein wenig gereg­net …

dann machte ich mich allmäh­lich ans auf­holen. denn meine anvisierte zielzeit waren ja 7 stun­den — und dafür musste der schnitt noch einiges fall­en. das hat aber lange, lange gedauert: in ebe­nen oder abwärts gehen­den pas­sagen habe ich einige sekun­den raus­geschun­den, die ich dann zur hälfte an der näch­sten stei­gung — inzwis­chen ging ich viele bergauf-pas­sagen — wieder ver­lor. das spielchen wurde müh­sam … aber noch hat­te ich genü­gend kraft und eigentlich ging es mir gut. auch wegen der aus­geze­ich­neten ver­sorgung durch die vie­len aus­ge­sprochen fre­undlichen und net­ten helfern an den stän­den. ich hat­te von anfang wo möglich immer ein wenig banane gegessen und vor allem wass­er und tee getrunk­en. irgend­wo jen­seits der km 35 wurde mir ein wenig flau, so dass ich schon hier das menü mit cola ergänzt habe (eigentlich wollte ich mir das ja für später aufheben). die viele kohlen­säure suchte sich dann immer wenige schritte später erup­tiv den weg ins freie, denn lei­der gab es nur min­er­al­wass­er. aber das war auch okay. über­haupt war ich erstaunt, wie wenig prob­leme ich mit der ver­dau­ung hat­te — und wie wenig hunger (übri­gens noch nicht ein­mal im ziel). gegessen habe ich auss­chließlich bana­nen — den hafer­schleim wollte ich dann doch nicht noch pro­bieren. dafür habe ich ein ab der vierten stun­den drei gels einge­wor­fen, die wie erwartet funk­tion­ierten und zusät­zliche energie freiset­zen. so lief es also bei dem eigentlich ziem­lich ide­alen laufwet­ter (vor­wiegend bewölkt, milde tem­per­a­turen irgend­wo knapp unter 20 °C  (geschätzt), ab und an ein paar son­nen­strahlen) immer weit­er über die höhen und kup­pen des thüringer waldes — einige schöne aus­blicke gab es, soweit ich das ohne brille beurteilen kon­nte.

das ende

7 stun­den oder zumin­d­est 7:05 schienen zunehmend trotz des eigentlich zu langsamen beginns mach­bar: es lief ziem­lich gut, ich fühlte mich noch erstaunlich frisch. aber dann begann ab dem wieder anlaufen nach dem verpfle­gungspunkt schmücke die linke wade außen zu schmerzen. ich kon­nte mit dem schmerz aber nichts anfan­gen und hoffte deshalb, die let­zten 8 kilo­me­ter noch gut durchzuste­hen. aber dann kam ich zum kilo­me­ter 68. da schoss dann auf ein­mal noch ein gewaltiger schmerz in den muskel, das bein kippte unter mir weg. und dann ging gar nichts mehr. ich ver­suchte noch ein paar mal, wieder anzlaufen. aber das einzige, was noch ging, war gehen. so bin ich dann zu den näch­sten san­itätern gehumpelt, die kon­nten mir aber über­haupt nicht helfen (viel ahnung schienen sie nicht zu haben …). also bin ich halt weit­er gegan­gen — es waren ja nur noch 4 kilo­me­ter. immer wieder ver­sucht mich die läufer, die micht über­holten (und die ich alle vorher müh­sam einge­sam­melt hat­ten), zu ermuntern — aber das hat­te infach keinen sinn mehr. erstaunlich fand ich, dass ich mich eigentlich kaum geärg­ert habe — irgend­wie war mir ziem­lich schnell klar, dass ich da jet­zt nichts mehr machen kann. aus den guten 7 stun­den wur­den dann 7:48 h — aber das ist auch okay. und es fordert natür­lich eine revanche.

im ziel bin ich dann erst­mal zu den notärzten — die haben gle­ich einen muskelfaser­riss diag­nos­tiziert. und der schmerzt jet­zt noch lustig vor sich hin. nach­dem ich dann geduscht war und noch ein wenig mit frett gequatscht hat­te, bin ich auch schon zurück nach eise­nach — ich hat­te keinen bock mehr, da jet­zt noch rumzuhän­gen.

das nächste mal

mehr lange läufe im hügeli­gen werde ich mir für den näch­sten angriff auf den rennsteig vornehmen. denn vor allem die vie­len anstiege — die ich zu einem großen teil gegan­gen bin — haben mich geschlaucht. das kann noch bess­er wer­den. über­rascht war ich, wie gut ich mit der länge eigentlich klarkam. so bei km 30 bis 35 hat­te ich ein wenig einen durch­hänger — da wurde mir klar, dass noch ein ganz­er marathon vor mir lag bzw. ger­ade erst die hälfte hin­ter mit — und dass nach über drei stun­den. aber es ging dann eigentlich recht lock­er weit­er: km 40 fiel, dann schon 45 und auch 50 ‑60 waren über­haupt kein prob­lem.

der ultramarathonmann

als vor­bere­itung auf den rennsteig-super­marathon sozusagen schon ein­mal passende lek­türe: dean kar­nazes’ ultra­ma­rathon­man. aus dem leben eines 24-stun­den-läufers (riva 2008). einige beein­druck­ende lauf­schilderun­gen ver­sam­melt er dort, vor allem die erfahrung seines ersten offiziellen ultras, des 100 meilen-laufes west­ern states endurance. danach wird’s dann etwas, nun­ja, ver­rückt: bad­wa­ter halte ich ja schon für gren­zw­er­tig, aber einen marathon zum süd­pol — das ist schon etwas selt­sam. und es hat ja selb­st für solche läufer nur mit biegen und brechen funk­tion­iert. anson­sten ganz nettes büch­lein (lei­der nicht sehr inspierend über­set­zt — höhenangaben in fuß helfen mir nicht sehr viel …), das immer wieder um den gedanken kreist, warum men­schen eigentlich solche extreme dinge tun. und das vor allem so ehrlich ist, darauf keine wirk­liche antwort zu haben. angenehm auch, dass er rein auf sich selb­st fix­iert bleibt: platzierun­gen und ergeb­nisse spie­len (fast) gar keine rolle: hier — zumin­d­est in dem buch — geht es kar­nazes um das erleb­nis des laufens, die erfahrung der über­win­dung aller möglichen schmerzen …

so einiges wahres ste­ht da drin: “Laufen bedeutete in erster Lin­ie: raus­ge­hen und Erfahrun­gen sam­meln. Ich sah, wie Gebäude ent­standen, wie die Vögel nach Süden zogen, un ich Wech­sel der Jahreszeit­en sah ich die Blät­ter fall­en und die Tage kürz­er wer­den” (s. 30) — es ist im prinzip banal und so ziem­lich jed­er läufer hat dies wohl schon bemerkt. aber es stimmt. naja, von der art gibt es eine menge beobach­tun­gen und mei­n­un­gen hier.

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