Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

Schlagwort: erbach

Bilderbuch-Laufen

Her­rlich. Ein­fach nur her­rlich. Der ersten Lauf im Schnee ist immer etwas beson­deres, etwas schönes: Ich liebe es ein­fach, wenn der Wald, die Felder und die Wege weiß sind. Auch wenn es das Laufen etwas anstren­gen­der macht. Heute mor­gen war das wieder wun­der­bar: Nach dem Sturm und den Regen­schauern der let­zten Tage habe ich über­haupt nicht damit gerech­net — aber die Sonne schien, der Him­mel war blau: Ein richtig schön­er Win­tertag. Und in Erbach lag sog­ar ein biss­chen Schnee. Also habe ich meine Win­ter- und Schlechtwet­ter­schuhe raus­gekramt, die Salomon XA 3D Ultra und bin los­ge­zo­gen. Ein paar Kilo­me­ter weit­er und einige Höhen­meter später fand ich mich im Bilder­buch des Win­ters wieder: Der Wald war richtig dick weiß, der feuchte Schnee hing dick an den Bäu­men und auf den Ästen, die Wege waren niedrig und eng von den durch die Schnee­last hin­unter gekrümmten Bäu­men — und einige kleinere hat­te der Sturm auch auf die Wege geschmis­sen. Und ich lief mut­tersee­le­nallein im Wald über den noch unberührten Schnee: Nur ab und an kreuzte ein Wild­fährte meine jungfräulichen Wege. Das ist — immer wieder — unge­heuer erhebend, ein Gefühl, das sich nur schw­er beschreiben lässt. Da möchte man am lieb­sten laufen und laufen und laufen. Das tat ich dann auch erst ein­mal.

Dum­mer­weise hat­te meine rechte Socke nicht so viel Spaß wie ich: Kurz vor Bul­lau fing es an zu reiben — und beim näch­sten Halt stellte ich mit Schreck­en fest: Da ist, genau an der Oberkante des Schuhs, ein schön bre­ites, großes Loch in der Socke! Das war neu — und nicht ger­ade vorteil­haft. Denn jet­zt musste meine zarte Haut dran glauben. Die näch­sten Kilo­me­ter waren nicht so erfreulich, es rieb und kratzte: Mir war klar, ich sollte doch langsam mal wieder in Rich­tung Heimat drehen … Passend war auch auf ein­mal, als ich in Bul­lau aus dem Wald kam, von dem her­rlichen Wet­ter nichts mehr zu sehen: Graue Wolken über­all, die nichts Gutes ver­hießen. Ganz hin­ten am Hor­i­zont fie­len noch ein paar Son­nen­strahlen auf den weiß bestäubten Oden­wald — aber da würde ich heute bes­timmt nicht mehr hinkom­men, nicht mit ein­er blu­ten­den Ferse.

Also wurde die Runde doch etwas kürz­er (22 Kilo­me­ter). Lustig war dann der Schluss — nicht so sehr die Tat­sache, dass ich immer mehr mit Schnee und Wass­er bewor­fen wurde, je tiefer ich kam und je mehr ich mich wieder Erbach näherte. Nein, eher der Zufall, dass die Wolken sich wieder auflösten und die Sonne wieder durch­brach. Und so hat­te ich, als ich am Buch­wald­skopf aus dem Wald kam, wieder mal einen her­rlichen Blick über das sonnen­er­füllte Müm­ling­tal: Das ist — trotz der zivil­isatorischen Ver­schan­delung des Tals — immer wieder erhebend, wenn man nach einem längeren/langen Lauf durch den Wald an dieser Stelle wieder aufs Feld kommt und einen freien Blick über Erbach und Michel­stadt und noch mehr hat . Ganz beson­ders wirkt das natür­lich, wenn die Sonne mit­spielt. Da macht dann auch die aufgeriebene Ferse auf ein­mal nicht mehr viel aus.

Langer Sommerwaldlauf

Her­rlich­stes Laufwet­ter war gestern im Oden­wald: Viel Sonne (mit ein paar weni­gen Wolken), ca. 20 °C am Vor­mit­tag, die Luft noch sehr frisch und leicht bewegt (im Wald auch gerne noch etwas frisch­er) — ein­fach her­rlich und wun­der­bar.

Also los in die Schuhe — Den Weck­er hat­te ich über­hört, deswe­gen wurde es spät und später — erst nach 11 Uhr war ich wirk­lich so weit, auf eine große bzw. größere Runde zu gehen.

Macht nix, heute geht’s mir gut, heute lasse ich mri den schö­nen Lauf von nix ver­drießen. Ges­tartet bin ich mit Min­i­malaus­rüs­tung: Laufk­lam­ot­ten, Schuhe, Fore­run­ner, Son­nen­brille und genau einen Schlüs­sel — viel leichter geht kaum 😉

Und dann ging es los, durch den Anfang des Dreisee­tals auf den Buch­wald­skopf. Und da, nach gut 3 Kilo­me­tern und dem ersten Anstieg, hat­te ich schon eine 5:24 als Durch­schnitt auf der Uhr — ok Matthias, auf den näch­sten Kilo­me­tern geht es nach oben, die wer­den schon noch brem­sen. Pustekuchen, die kilo­me­ter­arme Woche macht sich wenig­stens sam­stags pos­i­tiv bemerk­bar, ich laufe ein­fach lock­er weit­er wie es so kommt. Und es kommt, was kom­men muss: Bei Kilo­me­ter 12, also kurz vor Bul­lau und damit ziem­lich auf der Höhe, war der Durch­schnitt schon auf 5:20. Hof­fentlich gibt das kein bös­es Erwachen … Und er fiel weit­er — nach der kurzen Runde durch den Ort schon auf 5:19. Dann ging es ja erst ein­mal ziem­lich ordentlich hin­unter: in den Bul­lauer Euter­grund. Da unten, am unter­sten Ende meines Weges, standen 17,2 Kilo­me­ter auf der Uhr — und ein ver­rück­ter Schnitt von 5:11. Ok, jet­zt wird er aber sinken, denn nun geht es auf einem schmalen Pfad (Sin­gle-Trail), von den Regen­fällen der let­zten Wochen beson­ders aus­ge­waschen, steil hoch. Das bin ich schon öfters gegan­gen. Heute aber nicht, heute kommt das gar nicht in die Tüte, das wird hochge­laufen — zwar fast nur noch auf den Zehen­spitzen, aber ich habe bis zum Zaun durchge­hal­ten. Dafür kon­nte ich bei jedem Schritt fühlen, wie die Lak­tat­menge in den Ober­schenkeln anstieg und sie immer mehr über­säuertn und dazu auch der Puls hin­auf­schoss. Gut, dass es da ein Ende am Zaun mit der Klet­ter­hil­fe gibt — das ist eine halb­wegs natür­liche Bremse und gute Gele­gen­heit zum Ver­schnaufen. Denn das näch­ste Stück bis zum geteerten Weg durch die ehe­ma­lige Wild­schwe­in­füt­terung ist zwar flach­er, geht aber immer noch deul­tich bergauf. Der Schnitt stand jet­zt immer­hin wieder bei 5:14, auf dem näch­sten Kilo­me­ter bis zum unge­fähr höch­sten Punkt wurdne daraus noch 5:16. Dann, auf dem Asphaltweg, kon­nte ich aber wieder zule­gen. Gut, die Beine waren jet­zt, nach knapp 19 Kilo­me­ter schnellem Hügel­lauf, doch schon merk­lich ermüdet, der Lauf­stil nicht mehr ganz so lock­er wie auf den ersten Kilo­me­tern. Aber noch ging was … Und die Anzeige des Durch­schnitts sank wieder — zwar langsam, aber halb­wegs kon­tinuier­lich. Beim Halb­marathon hat­te ich eine 5:13, beim Würzberg­er Fried­hof eine 5:12. Dort nutzte ich das her­rlich kalte Wass­er zu ein­er kleinen Erfrischung — ich war jet­zt schon etwas über zwei Stun­den unter­wegs, da tut ein biss­chen Wass­er mal ganz gut. Mein Magen war aber nicht so ganz ein­ver­standen. Zunächst aber der steile Abstieg nach Erns­bach durch den Hohlweg: Erst ein­mal durchs Dic­kicht kämpfen, durch die Bren­nes­seln und Brombeeren, die in den let­zten zwei, drei Wochen ganz schön gewuchert sind hier im Wald. Und dann eben hin­unter, den steilen Hohlweg, der seit zwei Jahren (der let­zten Durch­forstung mit großen Maschi­nen) in einem erbärm­lichen Zus­tand ist. Und jet­zt auch noch dazu sehr aus­ge­waschen von den Regen­fällen der let­zten Zeit — alles in allem eine harte Prü­fung, denn inzwis­chen waren ger­ade die Ober­schenkel, die ich fürs Bergablaufen doch beson­ders brauche, schon sehr müde. Aber es ging alles gut. Zumin­d­est mit den Beinen. Und die Uhr zeigte jet­zt auch wieder, wie schon im Euter­grund, 5:11 als Durch­schnitt an.

Denn kaum aus dem Wald hin­aus, fing noch vor dem eigentlich Ort bei Erns­bach mein Magen an, mehr als nervös zu wer­den. Das wur­den schnell ziem­lich unan­genehme Krämpfe — das sehr kalte Wass­er war wohl doch keine so gute Idee gewe­sen, son­st war in den let­zten Stun­den ja nichts mehr hineingekom­men. Bis zum oberen Ende des Dreisee­tals schaffte ich es noch, dann ging es nicht mehr. Mit ein­er län­geren Geh­pause kon­nte ich den Magen immer­hin halb­wegs beruhi­gen — dauer­haft bess­er wurde es aber noch nicht. Immer­hin kon­nte ich dann nochmal langsam anjoggen — für die let­zten drei bis vier Kilo­me­ter noch. Schade, das hat dann keinen Spaß mehr gemacht — blöd, das ein so toller Lauf ein so unan­genehmes Ende nahm. Immer­hin wurde es nicht wirk­lich schlimm — der Magen beruhigte sich nach ein­er Dosis Ultra-Refresh­er sehr schnell endgültig. Nur merk­te ich noch einige Stun­den, dass ich nicht bis zum Ende durchge­laufen war und erst “spät” nach dem Ende des schnellen Laufens gedehnt habe — so steif bin ich son­st nach 30 Kilo­me­tern nicht unbe­d­ingt. Aber trotz­dem: Es ist immer wieder toll, diese Erfahrung der eige­nen Kraft — egal wie schnell oder langsam es tat­säch­lich war. Aber das Gefühl, ger­ade knapp 30 Kilo­me­ter hin­ter mich gebracht zu haben, in weniger als drei Stun­den mehr Strecke gemacht zu haben als viele am ganzen Tag — das ist irgend­wie erhebend.

Hier gibt’s die Strecke und das Höhen­pro­fil (bei­des bei runsaturday.com)

warum ich das laufen liebe. und den winter.

heute ist so ein tag, der das (tägliche) laufen wieder her­rlich und lohnend macht:
der schnee fällt und fällt seit dem mor­gen­grauen (der weg zum gottes­i­denst war kein großes vergnü­gen). aber sofort nach der rück­kehr vom dienst in die laufk­lam­tot­ten geschlüpft, den fore­run­ner ges­tartet und die salomon-schuhe (für den schnee) geschnürt: raus geht es, in den schnee und den win­ter­lichen wald. was schöneres gibt es für einen läufer kaum. gut, reko­rde bricht man bei diesem wet­ter nicht .… vor allem, da ich die gut 32 km von gestern noch etwas in den beinen merk­te. aber das ist bei so schönem wet­ter auch egal. ja, ich finde das wirk­li­ich aus­ge­sprochen schönes laufwet­ter. auch wenn die sonne nicht scheint. und auch, wenn es unun­ter­brochen schneit. gut, der wind hätte jet­zt nicht sein müssen — dann hätte ich nicht so viel schnee im gesicht gehabt. aber das kon­nte meine freude nicht trüben.

unter­wegs war ich auf ein­er “standard”-runde: über den buch­wald­skopf und son­nen­weg zum zirkel­berg, dann ein stück den kutschen weg hin­auf, ober­halb von erbuch durch den wald in einem großen bogen bis unge­fähr zum almen­hof und dann über den schachert ins dreisee­tal und zurück nach hause. das ist eine sehr schöne, weil sehr leere runde. nach dem ersten kilo­me­ter (mit schö­nen anstiegen) ver­schwindet man beim buch­wald­skopf im wald und lässt men­sch und ort hin­ter sich. am zirkel­berg muss man noch ein­mal kurz die straße über­queren, aber son­st ist man nur auf wald­we­gen unter­wegs. und bis zur rück­kehr ins dreisee­tal bei kilo­me­ter 13 auch meist ganz allein. nur der schluss hat dann noch ein kleines biss­chen straße — aber das ist min­i­mal.

so kann man oder ich zumin­d­est auf dieser runde ganz viel genießen. den schö­nen wald. die ab und an davon­stieben­den rehe. die zwitsch­ern­den vögel. vor allem aber die san­fte stille, die gedämpfte ruhe, die heute im schnee alles umgibt.

und dann nach 80 minuten die harte rück­kehr in die zivil­i­sa­tion: die autos brausen, die men­schen schip­pen schnee mit möglichst viel getöse, der son­ntags­brat­en duftet bis auf die straße. und man hat es eigentlich gar nicht ver­misst. aber die warme dusche genießt man dann schon.

feld‑, wald- & wiesenlauf

nach­dem ich gestern noch einige kilo­me­ter geschrubbt habe (mit dem ergeb­nis, mir einen bösen, bösen wolf gelaufen zu haben — warum auch immer …) und der wochenkilo­me­terzäh­ler sich schon wieder der 80er-marke näherte, beschloss ich heute mor­gen kurz­er­hand, das typ­is­che herb­st­wet­ter dazu zu nutzen, meine neuesten schuhe mal auszupro­bieren und gle­ich auf herz und nieren zu testen: die f‑lite 300 von inov‑8, ein trailschuh der englis­chen spezial­is­ten.

die bedin­gun­gen für so einen test waren nahezu ide­al: in den let­zten tagen hat­te es im oden­wald öfters ein wenig gereg­net, auch die nacht zum son­ntag blieb nicht trock­en. die felder sind abgeernte und auch der wald ist jet­zt im herb­st ein her­rlich­es spielfeld — viel rutschiges laub, weiche erde, massen­weise äste, aber durch das teil­weise schon gefal­l­ene laub nicht mehr ganz so dunkel. denn sonne gab es nur in sehr kleinen dosen — ein paar schöne aus­blicke ermöglichte sie mir über das ver­baute müm­ling­tal, mit erstaunlich weit­er sicht in rich­tung bergstraße. die kon­nte ich vor allem deshalb so genießen, weil meine ober­schenkel mit dem schuht­est kreuz und quer über die felder, wiesen und vor allem in den wäldern zwis­chen rolle und buch­wald­skopf nicht so ganz ein­ver­standen waren: nach den knack­i­gen anstiegen — ich musste natür­lich alles laufen, gehen kam nicht in frage 😉 — waren mehrmals kurze ver­schnauf­pausen drin­gend notwendig. zumal der unter­grund im wald ja auch eine menge konzen­tra­tion ver­langt. und zwar nicht nur bergauf, son­dern ger­ade auch bergab (ebene gab’s heute fast gar nicht …). denn schnell bleibt man da mal hän­gen oder stolpert. und dann kann man nicht ein­mal den schuhen die schuld geben. denn die f‑lite sind wirk­lich große klasse. schon nach den ersten schrit­ten auf dem weg zur wiese macht­en sie klar, wo sie hinge­hören: nicht auf den asphalt … ins­beson­dere wenn die beine und füße am schluss des laufes dann müde sind, machen solche schuhe auf pflaster und asphalt nur sehr, sehr wenig spaß. aber dafür kön­nen sie im gelände eben so richtig auftrumpfen: nass­es gras, nass­es laub, matsch, holz — alles kein prob­lem. der grip ist ein­fach immer da. dabei sieht die sohle gar nicht so beson­ders aus und eigentlich ist der f‑lite auch noch gar nicht ein beson­der­er spezial­ist. aber für meine zweck­eist er wun­der­bar geeignet: der schuh sitzt fest, wie angegossen passt er, stützt auch seitlich ein wenig, vor allem aber ist er abso­lut ver­lässlich auf vielfältigem unter­grund. und gibt eine guten, aktiv­en abdruck, so dass man auch ordentlich speed geben kann. wenn die ober­schenkel das mit­machen …

und damit man auch mal sieht, wie so trailschlap­pen im ver­gle­ich zu “nor­malen” tretern (hier: mizunos wave nexus 2, den ich gerne auf mit­tleren & län­geren streck­en trage) darstellen, noch ein paar fotos — nach dem lauf (die f‑lite sind so sauber, weil mich der rück­weg wieder durch die “schuh­waschmas­chine”, die sehr nassen wei­den, geführt hat): schuhvergleichf-lite

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