Ein Hamburger in Omsk

Tom Ockers Buch „Eis-Lauf“ ist hier schnell erle­digt: Ein ver­rück­ter Ham­bur­ger Nicht-Läu­fer läuft in Omsk/​Sibirien einen Halb­ma­ra­thon. Und er schreibt – natür­lich – dar­über ein Buch. Das ist schnell gele­sen, schnell erzählt, schnell ver­ges­sen (wahr­schien­lich auch schnell geschrie­ben – aber wohl nicht so schnell gelaufen).

Der „Eis-Lauf“ ist das Buch eines beken­nen­den Lauf­hassers (wie das bei vie­len Fuß­bal­lern so ist …), der auch kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, das uns als sei­nen Lesern unter die Nase zu rei­ben. Und man merkt es auch sowie­so, dass das Lau­fen ihn nicht inspi­riert oder auch nur berührt.

Wor­um geht es Ockers? Er hat bei der Geburt sei­nes Soh­nes geschwo­ren, einen „beson­de­ren“ Mara­thon zu lau­fen. Das soll der Sibe­ri­an Ice Mara­thon (SIM) 2001, am 6. Janu­ar, in Omsk wer­den. Das ist aller­dings nur ein Halb­ma­ra­thon (was ja bei die­ser Käl­te von ca. ‑40 °C auch ok ist), was Ockers aber nicht davon abhält, per­ma­nent vom „Mara­thon“ zu schrei­ben – ziem­lich ner­vig, so eine Verarschung.

Es geht eigent­lich nur um sei­ne man­gel­haf­te Vor­be­rei­tung, die Spon­so­ren­su­che (und tat­säch­lich ‑akqui­se), die Rei­se nach Omsk – dafür braucht er mehr als 200 Sei­ten, ohne viel zu erzäh­len. Dafür bemüht er sich sehr, wit­zig oder wenigs­tens amü­sant zu sein. Lei­der merkt man die Mühe dem Text noch recht deut­lich an …

Dann – end­lich – der Lauf, der „Wett­kampf“. Nach allen übli­chen und ver­nünf­ti­gen Kri­te­ri­en eher ein Desas­ter. Dass es natür­lich nie ein Mara­thon wur­de, auch wen Ockers das beharr­lich so nennt, habe ich wohl schon erwähnt. Immer­hin schafft er stol­ze 21 Kilo­me­ter. Es ist halt sehr, sehr kalt da. Aber das war’s dann auch schon.

Übri­gens: Dean Kar­na­zes und eini­ge ande­re haben das locker getoppt – mit dem Lauf an den Süd­pol, der zwar gegen die ursprüng­li­che Pla­nung auch nur ein Halb­ma­ra­thon wur­de, aber nicht in/​bei der Stadt mit ihrer Infra­struk­tur und einem geräum­ten Rund­kurs, son­dern eben mit­ten im „ewi­gen“ Eis statt­fand – was ja das Lau­fen auch etwas beschwer­li­cher mach­te (nach­zu­le­sen natür­lich bei Dean Kar­na­zes, im „Ultra­ma­ra­thon-Mann“.)

Tom Ockers: Eis-Lauf. In der Käl­te des Sibi­ri­en-Mara­thons. Mün­chen: List-Taschen­buch 2002. 302 Sei­ten. ISBN 3 – 548-68031 – 3.

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https://matthias-mader.de

Leser mit allerlei Ansprüchen und ausdauernder Läufer. Je nach Tagesform auch mal ausdauernder Leser und Läufer mit allerlei Ansprüchen.

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