Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

Schlagwort: marathon (Seite 2 von 2)

2009 gelaufen

das war es also schon wie­der, das jahr 2009. die läu­fe­ri­sche bilanz ist ziem­lich durch­wach­sen. vor­ge­nom­men hat­te ich mir nicht viel: ein mara­thon­dou­ble aus­pro­bie­ren, um zu sehen, ob etap­pen­läu­fe etwas für mich sein könn­ten. und, vor allem, die letz­ten sekun­den trai­nie­ren und den mara­thon unter drei stun­den lau­fen. das ers­te hat geklappt, das zwei­te nicht.

dabei fing es ganz ordent­lich an: bis mai hat­te ich bereits 1800 kilo­me­ter in den bei­den. und tat­säch­lich klapp­te der dop­pel­schlag dann ziem­lich gut: sams­tags abend in mann­heim, sonn­tags mor­gen in mainz jeweils ein mara­thon in deut­li­che unter vier stun­den (sie­he den bericht hier). danach war’s dann nicht mehr so lus­tig. die moti­va­ti­on ging etwas berg­ab. zunächst stand natür­lich aus­gie­bi­ge rege­ne­ra­ti­on auf dem plan. den sprung zurück ins trai­ning habe ich dann aber nur noch halb­her­zig geschafft. die kilo­me­ter­leis­tung blieb im juni sogar etwas unter der vom mai, im juli fiel sie noch mehr ab. da, vor allem nach dem rhein­steig-extrem­lauf (mit mei­ner aller­ers­ten alters­klas­sen-plat­zie­rung!) fing das übel näm­lich an: in mei­nem lin­ken fuß tat sich etwas. ich brauch­te eine gan­ze wei­le, bis mir klar, was das war: ein fer­sen­sporn. und wie ich damit umzu­ge­hen habe. der ver­such, trotz­dem den bären­fels-trail mit­zu­lau­fen, ging dann auch ordent­lich in die hose. und im august erwei­ter­te sich das dann zur stra­fe für den über­mut noch um eine reizung/entzündung der plant­ar-seh­ne. des­halb bin ich ab ende august und vor allem im sep­tem­ber fast gar nicht mehr gelau­fen.

aber eben nur fast. denn der streak soll­te hal­ten. und er tat es auch – auch wenn es höchst­wahr­schein­lich etwas unver­nünf­tig war und die hei­lung ohne das täg­li­che (weiter-)laufen etwas schnel­ler gesche­hen wäre. aber ein biss­chen ver­rückt muss man ja sein … 558 tage des täg­li­chen lau­fens gezählt – im herbst war die­se wach­sen­de zahl, die inzwi­schen auch mei­nen ers­ten ver­such über­holt hat, oft die ein­zi­ge moti­va­ti­on, über­haupt noch die schu­he zu schnü­ren.

auch nach­dem die ent­zün­dung abge­heilt und der fuß so halb­wegs wie­der her­ge­stellt war, schnell­ten die kilo­me­ter nicht gera­de in die höhe. zum einen woll­te ich nur lang­sam stei­gern, um kei­nen rück­fall zu pro­vo­zie­ren. zum ande­ren fiel es mir im spät­herbst und win­ter zuneh­mend schwer, mich für län­ge­re ein­hei­ten zu moti­vie­ren: ein biss­chen etwas ging immer, aber jen­seits der 10 kilo­me­ter fehl­te oft sehr die lust. erst kurz vor weih­nach­ten kam die zurück – aber da war es schon zu spät, sozu­sa­gen ;-). so ste­hen jetzt halt „nur“ 4387 kilo­me­ter im trai­nings­ta­ge­buch – das ist aber durch­aus in ord­nung so. ich hof­fe, nächs­tes jahr wer­den es wie­der mehr. und bin zuver­sicht­lich, dass das auch klappt. auch wenn ich im wort­sin­ne immer noch nicht trai­nie­re, son­dern nur lau­fe – viel­leicht brau­che ich im moment den stress des tem­po­trai­nings nicht so sehr. zumal ich sehr am über­le­gen bin, ob ich mich wirk­lich noch mal auf die drei-stun­den-gren­ze hoch­trai­nie­ren soll. das ist für mich unta­len­tier­ten läu­fer (und extrem undis­zi­pli­nier­ten esser) näm­lich mit viel arbeit und fleiß ver­bun­den. wahr­schein­lich ver­le­ge ich mich doch eher auf die län­ge­ren stre­cken ohne tem­po­druck. das macht mir eigent­lich am meis­ten spaß. auch ohne wett­kampf und ver­an­stal­tung: die lan­gen läu­fe am wochen­en­de sind eigent­lich das schöns­te am lau­fen über­haupt. auch (oder weil?) man danach so schön fer­tig ist …

und abschlie­ßend mein lauf­jahr 2009 in eini­gen zah­len:

gelau­fe­ne kilo­me­ter 2009: 4387,41 km
benö­tig­te gesamt­zeit: 378:00:29 (wahn­sinn!)
durch­schnitts­tem­po: 5:11 min/km
höhen­me­ter: +/- 59.000 m (wahr­schein­lich etwas mehr als real, das ist der per sport­tracks & ele­va­ti­on cor­rec­tion plug­in ermit­tel­te wert)
kür­zes­te ein­heit: 2,1 km
längs­te ein­heit: 53,1 km
mara­thon oder mehr:  8 mal (ergibt: 353,5 km @ 5:20)

m mal sechs. oder: marathondouble im mai.

Lauter M’s

Ich weiß ja gar nicht, wo ich jetzt begin­nen soll. Das Wochen­en­de war ziem­lich ereig­nis- & erleb­nis­reich.
Also, fan­gen wir vor­ne an: Irgend­wann im Herbst, nach­dem ich mich schon für die Jubi­lä­ums­aus­ga­be des Guten­berg-Mara­thons ange­mel­det hat­te, stol­per­te ich dar­über, dass der Mann­heim-Mara­thon die­ses Jahr am Abend vor­her statt­fin­den soll­te. Und das ließ mich nicht mehr los – immer mehr kris­tal­li­sier­te sich die Idee her­aus, bei­de auf ein­mal zu lau­fen. Irgend­wann war ich dann soweit und habe mich auch für Mann­heim ange­mel­det. Jetzt hieß es also flei­ßig trai­nie­ren. Dazu habe ich dem Vic­sys­tem ein­fach mal vor­ge­schwin­delt, ich wür­de am Sonn­tag einen 84,5 km lan­gen Wett­kampf bestrei­ten wol­len. Ent­spre­chend ent­wi­ckel­te sich das Trai­ning: Die lan­gen Läu­fe wur­den län­ger – ich bin bis ca. 43,5 km (dann aber mit 1100 Höhen­me­tern) gelau­fen -, die Inter­val­le auch. das Wett­kampf­spe­zi­fi­sche Tem­po sank in den Kel­ler, bis es sich bei unge­fähr 5:13 min/km ein­pen­del­te. (Da zeig­te sich übri­gend mei­ner Mei­nung nach auch ein Schwachs­punkt im Vic­sys­tem – die Ein­hei­ten im wett­kampf­spe­zi­fi­schen Tem­po waren, auf­grund des „gemüt­li­chen“ Tem­pos, eigent­lich nicht for­dernd genug: also bin die ein­fach erheb­lich län­ger gelau­fen. Aber dar­um geht es hier ja nicht.) So nach und nach kon­kre­ti­sier­ten sich dann auch die Zie­le: zwei­mal 3:45 nahm ich mir für die Mara­thons vor. Das schien mög­lich – auch wenn ich immer wie­der hef­ti­ge Zwei­fel hat­te, schließ­lich bin ich noch nie vor­her so dicht hin­ter­ein­an­der Mara­thons gelau­fen. Nach­dem letz­ten lan­gen Lauf über 43 km (mit den besag­ten 1100 Höhen­me­tern) in 3:43 wuchs die Zuver­sicht, das mein Ziel zu schaf­fen sei, aber doch immer mehr.
Am Sams­tag also wur­de es ernst. Ich habe noch kurz bei Elke und Cor­ne­li­us vor­bei­ge­schaut, dort Mathi­as getrof­fen, schnell noch ein paar Nudeln gefut­tert (lecker war das!), ein wenig geplau­dert, und dann muss­te ich aber auch schon zum Bahn­hof. Der Zug hat­te natür­lich gleich mal leich­te Ver­spä­tung, was mei­ne Ner­vo­si­tät noch etwas stei­ger­te – schließ­lich soll­te ich sowie­so nur eine Stun­de vor Start in Mann­heim ankom­men. Und ich hat­te kei­ne Ahnung, wo und wie das dort so ablief … Es war dann aber alles über­haupt kein Pro­blem: Die Start­un­ter­la­gen waren sofort parat, das Umzie­hen ging schnell, den Klei­der­beu­tel abge­ge­ben und mich noch ein­mal in die sehr lan­ge Schlan­ge für die Toi­let­ten ein­ge­reiht (davon, näm­lich von den Toi­let­ten, gab es irgend­wie nicht so sehr vie­le). Dann gemüt­lich wie­der raus, zur Start­auf­stel­lung getrot­tet. Die war aus­ge­spro­chen chao­tisch – trotz der Block­ein­tei­lung stell­te sich so ziem­lich jeder hin, wo er woll­te. Nicht gera­de sehr prak­tisch war auch, dass man zu den hin­te­ren Blö­cken prak­tisch durch die gesam­te Auf­stel­lung durch muss­te. Ich hat­te natür­lich ver­ges­sen, mich umzu­schrei­ben – mit mei­ner PB von 3:00:33 war ich im ers­ten Block – immer­hin stand ich ganz hin­ten. Und muss­te trotz­dem noch sehr viel über­ho­len auf den ers­ten Kilo­me­tern.
Der Start war super pünkt­lich – über­haupt lief die Orga­ni­sa­ti­on eigent­lich wie am Schnür­chen. Dann ging es also auf die Stre­cke. Für die – in die­sem Jahr stark über­ar­bei­tet – fällt mir eigent­lich nur ein Wort ein: Öd. Schon nach sehr kur­zer Zeit waren wir am Stadt­rand, im Wohn­ge­biet, wo wir dann lan­ge blie­ben. Und da war kaum was los. Über­haupt die Stim­mung – ziem­lich zurück­hal­tend, die Mann­hei­mer. Nir­gends­wo gab es Action, nir­gend­wo Live-Musik oder so. Mit eini­gen Schlei­fen kamen wir dann irgend­wann, so nach ca. 20 Kilo­me­ter, wie­der in die Nähe des Rosen­gar­tens und mach­ten uns jetzt auf durch die Qua­dra­te, die­ses Mann­hei­mer Spe­zi­fi­kum der städ­te­bau­li­chen Pla­nung. Da war immer­hin etwas Publi­kum an der Stre­cke. Und dort ver­lie­ßen uns dann auch die Halb­ma­ra­tho­nis. Das heißt, die Stre­cke wur­de – end­lich – sehr leer. Knapp 1300 Star­ter gab es für den Mara­thon (bei ca. 10.000 Läu­fern), dazu noch eini­ge Vie­rer-Staf­feln (die per­ma­nen­te Unru­he ins Feld brach­ten, weil sie nicht gera­de sehr schnell waren – selbst auf dem letz­ten Vier­tel muss­te ich, mit einer ange­streb­ten Ziel­zeit von 3:45, die noch stän­dig über­ho­len oder über­ho­len las­sen. Also, nach den Qua­dra­ten wur­de es dann aber erst so rich­tig lus­tig. Dann kam näm­lich die Kurt-Schu­ma­cher-Brü­cke. Natür­lich kom­plett leer, dafür kilo­me­ter­lan­ge Ödnis über Hafen etc. Dort pas­sier­te ich auch die Halb­ma­ra­thon­mar­ke bei 1:51:05 – also eigent­lich etwas zu schnell. Aber mir ging’s noch so gut, dass ich kaum Tem­po raus­nahm. Nach der Brü­cke kam dann Lud­wigs­ha­fen. Auch nicht viel bes­ser. Die meis­ten Städ­te neh­men einen Mara­thon ja zum Anlass, eine Par­ty zu fei­ern. Nicht so hier. Es scheint nie­man­den zu inter­es­sie­ren. Also wei­ter eine gro­ße Run­de gedreht und schon die Rück­kehr auf die Brü­cke erwar­tet – bei ca. km 36–37 geht es da wie­der rauf. Das ist dann ziem­lich fies, an so einer Stel­le nach einem ziem­lich fla­chen Kurs einen recht kna­ckig erschei­nen­den Anstieg ein­zu­bau­en. Da ich ja bei wei­tem nicht am Anschlag lief, muss­te ich hier natür­lich etwas ange­ben und flei­ßig über­ho­len – die Ober­schen­kel haben es etwas gemerkt. Auf der ande­ren Sei­te, zurück in Baden-Wür­temm­berg, rück­te das Ziel dann schon sehr schnell näher. Noch ein paar Haken durch die Qua­dra­te und ruck­zuck war der Rosen­gar­ten mit Was­ser­turm wie­der in Sicht­wei­te. Die­ses Mal wur­den wir von hin­ten durch das Start­tor geführt. Bei 3:41:51 war ich über der Linie. Und mit die­ser grot­ti­gen Zeit habe ich noch Platz 36 in mei­ner AK. Aber der gesam­te Mara­thon war sehr lang­sam – der Sie­ger ist bei 2:30 her­ein­ge­kom­men. Viel­leicht lag es ja am Wet­ter, das wohl nicht zum ers­ten Mal in Mann­heim extrem schwül und schweiß­trei­bend war. Aber wahr­schein­lich sind die guten Läu­fer ein­fahc alle an ande­ren Orten unter­wegs gewe­sen. Die Schwü­le ließ mich immer­hin ab Kilo­me­ter 10 jede Ver­pfle­gungs­stel­le ansteu­ern – die waren gut bestückt und vor­bild­lich aus­ge­schil­dert. Net­ter­wei­se gab es auch die prak­ti­schen Caps-Beu­tel, die konn­te man gut im Lau­fen trin­ken – bes­ser als Becher mit dem Elek­tro­lyt-Zeug, das gibt immer schö­ne Schwei­ne­rei.
Nach dem Lauf dann direkt hin­ter der Ziel­li­nie abge­bo­gen zur Ver­pfle­gung und fast die Medail­le ver­ges­sen (wäre nicht scha­de drum gewe­sen, ist ziem­lich pop­lig), weil die Aus­tei­ler gna­den­los unter­be­setzt waren. Die Ver­pfle­gung war wie­der schön reich­hal­tig, nur der Bereich arg eng für die vie­len Läu­fer. Also deck­te ich mich ordent­lich ein – ein hal­ber Hefe­zopf, Bana­ne, Elek­tro­ly­te noch ein­mal (obwohl ich das Zeug inzwi­schen kaum noch schme­cken konn­te) und Was­ser und ver­zog mich. Die Duschen waren etwas abge­le­gen, dafür aber immer­hin reich­lich und warm. Dann trot­te­te ich also wie­der zum Bahn­hof, wo ich noch etwas Zeit zum Aus­ru­hen hat­te, bevor ich in den ICE stieg, der mich über Frank­furt nach Mainz beför­der­te. Da war ich dann um 1:00 Uhr und ver­k­rock mich bald ins Bett – nicht ohne den Wecker zu stell­len.
Der klin­gel­te am Sonn­tag um acht.
Bröt­chen, hal­ben Becher Tee – anzie­hen und schon auf den Weg zum nächs­ten Mara­thon. Tref­fen mit Lars und Mathi­as, Toi­let­ten­be­such – bei leich­tem Durch­fall sehr not­wen­dig – un in die Start­auf­stel­lung, wo sich ein Ord­ner ver­zwei­felt bemüh­te, auch nur die rein­zu­las­sen, die in den ers­ten Block gehör­ten. Ange­sichts der unver­fro­renn Frech­heit so eini­ger „Sport­ler“ hat­te er nur mäßi­gen Erfolg. Und schon war wie­der Start – auf ging’s. Ich lief zusam­men mit Lars, der auch unge­fähr eine 3:45 anpeil­te. Der ers­te Kilo­me­ter etwas holp­rig, die Ober­schen­kel vor allem noch leicht steif.
Die wur­den aber schnell wei­cher und es lief wie­der rund. Recht zügig haben wir uns dann nach dem anfäng­li­chen Cha­os auf der Stre­cke auch auf Tem­po gebracht. Die Run­de war uns ja bekannt: Durch das Schott­wer nach Mom­bach, das sich wie­der ein­mal in Par­ty­lau­ne prä­sen­tier­te, über die Neu­stadt an der Chris­tus­kir­che vor­bei zum Guten­berg­platz und dann durch die Augus­ti­ner­stra­ße auf die Rhein­stra­ße, die uns wei­ter­führt die schö­ne Wen­de­punkt­stre­cke nach Wei­se­nau hin­aus. Noch lief es aus­ge­spro­chen präch­tig – klar, ganz frisch und lcoker war ich nicht, aber beson­de­re Mühe hat­te ich auch nicht. Auf dem Rück­weg Rich­tung Start/Ziel an der Rhein­gold­hal­le ver­lor ich Lars dann auf ein­mal und ziem­lich schnell. Er hat­te vor­her schon gemerkt, dass unser Tem­po ihm wohl etwas zügig war. Ich woll­te aber wenigs­tens sehen, wie weit ich damit kom­me und nicht hier schon lang­sa­mer wer­den – das wür­de shcon noch von selbst kom­men. Und es kam auch. Nach der Halb­ma­ra­thon­mar­ke (1:53:38) ging es über die Theo­dor-Heuss-Brü­cke nach Kost­heim. Und das wur­de lang­sam anstren­gend. Hier kam auch noch fri­scher Wind auf, der mich gera­de nicht beson­ders erfreu­te … Die Schlei­fe durch Kost­heim mit den unzäh­li­gen pri­va­ten Ver­sor­gungs­sta­tio­nen – das ist echt klas­se, dass die Anwoh­ner das alles auf die Bei­ne stel­len – ging es auch schon wie­der zurück über die Brü­cke – mit zuneh­mend schwe­ren Bei­nen. Aber die 30 rück­te näher. Doch das Tem­po sank, die Moral schwand, die Kilo­me­ter 32/33 waren lang­sam, viel zu lang­sam. Noch gab ich aber nicht auf … Im Mom­ba­cher Indus­trie­ge­biet, bei der Was­ser­stel­le von Coca-Cola, griff ich dann doch zum „Doping“ und schmiss ein Ham­mer­gel (Espres­so, mit Kof­fe­in gegen die Schmer­zen …) ein. Das begann glück­li­cher­wei­se ziem­lich bald zu wir­ken. Und zwar recht deut­lich (viel­leicht des­halb, weil ich ewig nichts mehr esse und nur pures Was­ser trin­ke bei mei­nen Trai­nings­läu­fen). Im Mom­bach wur­den die Kilo­me­ter dann wie­der kür­zer … Und in der Neu­stadt ging es mir noch rich­tig gut. Ich sam­mel­te noch so eini­ge Läu­fer ein. Ruck­zuck waren wir dann auch schon auf der Blei­che, wo mich mein Mit­be­woh­ner mit Foto­ap­pa­rat emp­fing. Der Umbach mit sei­ner mini­ma­len Stei­gung mach­te sich noch­mal unan­ge­nehm bemerk­bar. Aber jetzt konn­te mich nichts mehr stop­pen – die paar Kilo­me­ter waren jetzt auch noch mög­lich. Und sogar ein klei­ner Schluss­sprint gelang mir noch, nach­dem ich mich von Mathi­as, der sei­nen Halb­ma­ra­thon hin­ter sich hat­te, anfeu­ern ließ. Dies­mal stopp­te die Uhr im Ziel bei 3:44:15 – und damit war das Ziel der zwei Mara­thons mit 3:45 soga­ro noch unter­bo­ten. Jetzt bin ich aller­dings auch ziem­lich fer­tig – der Weg heim war eine rech­te Qual, vor allem die Trep­pen in den vier­ten Stock hoch …
Was ler­nen wir also dar­aus: Mög­lich ist viel – mit kon­se­quen­ter Vor­be­rei­tung. Stadt-Mara­thons wer­de ich nicht mehr vie­le lau­fen – im Trai­ning geht’s schö­ner im Wald und Wie­sen. Mann­heim lan­det auf mei­ner Never-again-Lis­te – zwar ganz ordent­lich orga­ni­siert, aber die Stre­cke ist ein­fach viel zu fad.

So sehen die Tem­po­kur­ven aus:
mannheim-marathon 2009: tempo/distanz – man sieht sehr schön die Anstie­ge auf die Brü­cke

und Mainz, etwas unru­hi­ger, mit dem Tief bei 32/33: gutenberg-marathon 2009 tempo/distanz

und hier noch eini­ge bil­der von den bei­den läu­fen:

jahresziel erreicht

ges­tern habe ich beim trai­ning die 5000-km-mar­ke über­schrit­ten (oder bes­ser gesagt über­lau­fen). damit ist mein haupt­jah­res­ziel für 2008 erreicht. trotz der ver­let­zung im mai, die mich eini­ge wochen lauf­pau­se gekos­tet hat. mein zwei­tes ziel, den sub 3:00-marathon, habe ich im okto­ber lei­der um 34 sekun­den ver­fehlt. naja, damit muss ich mir wenigs­tens kei­ne gedan­ken für das ziel im nächs­ten jahr machen – für frank­furt bin ich schon wie­der ange­mel­det. ansons­ten will ich eigent­lich weni­ger auf zeit lau­fen, son­dern eher kilo­me­ter sam­meln. und das mög­lichst kon­ti­nu­ier­lich – also ohne zwangs­pau­se. und natür­lich soll auch mein täg­li­che-lau­fen-serie wei­ter anhal­ten – da habe ich ja noch einen rekord zu kna­cken. aber bis dahin muss ich noch eini­ge kilo­me­ter unter die füße neh­men.

to streak or not to streak: nachbemerkungen zum frankfurt-marathon – und den nachwehen

also, noch ein paar nach­schrif­ten zum bericht von ges­tern:

  • mus­kel­ka­ter: der mus­kel­ka­ter ist lei­der immer noch da. und noch ver­dammt stark. die ober­schen­kel machen noch nicht immer das, was ich will. das auf­ste­hen und das trep­pen hin­un­ter­stei­gen schmer­zen noch ordent­lich. der klei­ne strea­k­er­hal­tungs­lauf vor­hin hat aber ganz gut getan, die bei­ne schön gelo­ckert. lan­ge hat es zwar nicht gehal­ten, aber immer­hin …

    doch so rich­tig zufrie­den bin ich damit nicht. irgend­wie sind das jetzt doch ein biss­chen zu viel schmer­zen … mal sehen, ob mir noch etwas ein­fällt für das nächs­te mal. aber eigent­lich fühl­te ich mich aus­rei­chend trai­niert und vor­be­rei­tet. viel­leicht mehr schnel­le läu­fe und mehr berg­auf? aber wahr­schein­lich hilft es nicht wirk­lich viel, weil so eine mara­thon­zeit halt alle mei­ne kräf­te und sämt­li­che reser­ven dazu bean­sprucht – das wird sich wohl kaum ändern las­sen.
  • schu­he: es war eine gute wahl, mit den leich­ten und schnel­len mizu­no wave eli­xir 3 zu lau­fen. pro­ble­me hat­te ich über­haupt kei­ne, obwohl ich bis­her maxi­mal knapp 20 kilo­me­ter am stück mit ihnen unter­wegs war (und über­haupt noch nicht in ver­bin­dung mit den cep-strümp­fen). aber alles hat tadel­los geklappt. der durch­ge­hen­de asphalt hat sich auch nicht nega­tiv aus­ge­wirkt, die etwas spar­sa­me­re dämp­fung (vor allem im ver­gleich etwa zum new balan­ce 1223, mit dem ich sonst oft die lan­gen stre­cken lief).
  • cep-strümp­fe: ein­fach nur klas­se. zumin­dest füh­re ich es auf die test-strümp­fe zurück, dass mei­ne waden wäh­rend des lau­fens und auch danach in jedem moment total ent­spannt und schmerz­frei waren. da hat­te ich im trai­ning oft mehr nach­wir­kun­gen als jetzt.
  • ver­pfle­gung: gewun­dert hat mich, dass ich von den bei­den gels, die ich (bei km 20 und bei km 30) ein­ge­schmis­sen habe, nichts gemerkt habe. das hat­te ich anders in erin­ne­rung: näm­lich einen deut­li­chen ener­gie­schub. war­um das so ist – kei­ne ahnung. ers­te ver­mu­tung: in den letz­ten mona­ten habe ich mei­nen stoff­wech­sel durch die lan­gen läu­fe ohne koh­len­hy­dra­te so gut trai­niert, dass er auch beim wett­kampf bes­tens ohne nach­schub aus­kam. aber eigent­lich hat­te ich die theo­rie so ver­stan­den, dass sie dann gera­de beson­ders wir­ken soll­ten … naja, eigent­lich auch egal. ins­ge­samt waren aber die mus­ku­lä­ren pro­ble­me auch eher das, was mich zum schluss gebremst hat, nicht man­geln­de ener­gie oder schwa­cher kreis­lauf …
    was ich nicht bedacht hat­te: ende okto­ber ist das ange­bo­te­ne was­ser ziem­lich kalt. das habe ich im magen etwas gemerkt. zwar habe ich nie viel getrun­ken, die meis­ten sta­tio­nen auch kom­plett aus­ge­las­sen. aber auf die idee, den war­men tee zu neh­men, kam ich erst bei kilo­me­ter 35. wäh­rend dem lau­fen ist halt nich viel mit den­ken …

und so lang­sam kris­tal­li­siert sich auch schon die idee her­aus, nächs­tes jahr wie­der in frank­furt zu star­ten. und dann viel­leicht die letz­ten 34 sekun­den auch noch zu schaf­fen, damit auch mal eine 2 vor­ne steht … aber bis dahin ist ja noch ein klit­ze­klei­nes biss­chen zeit.

3:00:33. oder: knapp vorbei ist auch daneben

11.473 Läu­fer im Nacken – da muss man sich schon ein biss­chen beei­len. Lei­der habe ich mich wohl am Anfang zu sehr beeilt. Am Ende fehl­te jeden­falls die Kraft für die Traum­zeit, die sub 3. Gewor­den ist es eine – ganz unbe­schei­den gesagt – trotz­dem sehr gute 3:00:33. Aber mal von Anfang an.
Am Sams­tag in Ruhe die Start­un­ter­la­gen geholt, etwas über die Mara­thon­mes­se spa­ziert (und doch mal wie­der ein Paar Schu­he gekauft: Eigent­lich hat­te ich extra wenig Geld mit­ge­nom­men, um gar nicht in Ver­su­chung zu kom­men … Das Sau­c­o­ny-Ange­bot fand ich dann aber zu ver­lo­cken – da muss­te halt die EC-Kar­te her­hal­ten), mei­ne obli­ga­to­ri­sche Por­ti­on Nudeln ver­drückt (in der dröh­nend beschall­ten Fest­hal­le, wo man schon mal den Ziel­ein­lauf besich­ti­gen konn­te). Schon bei dem gan­zen Kram zeig­te sich: Der Frank­fur­ter Mara­thon ist gut orga­ni­siert. Alles war leicht zu fin­den, gut aus­ge­schil­dert. Und trotz der Mas­sen – 12.046 Mara­thon­star­ter, mit den ande­ren Wett­be­wer­ben (Staf­fel und Mini-Mara­thon) ins­ge­samt über 20.000 Läu­fer – ging alles ange­nehm zügig und unkom­pli­ziert über die Büh­ne. Danach noch ein kur­zes, net­tes Tref­fen mit den ande­ren Streak­run­nern – auch mit denen, die gar nicht mit­lie­fen. Lars und Elke fehl­ten lei­der. Aber die traf ich dann dafür am Sonn­tag mor­gen auf dem Main­zer Bahn­hof. Zusam­men sind wir, mit einer Men­ge ande­rer Läu­fer, also nach Frank­furt gepil­gert. Die Bahn und U‑Bahn brach­ten uns auch zuver­läs­sig zur Mes­se. Nach der Klei­der­beu­tel­ab­ga­be dann die etwas lang­wie­ri­ge­re Sache mit den Toi­let­ten – so direkt vor dem Mara­thon kann es wohl ein­fach nicht gut davon geben … Um 9.45 Uhr war ich dann auch schon in mei­nem Start­block. Zum ers­ten Mal in mei­ner (kur­zen) Läu­fer­kar­rie­re durf­te ich aus dem ers­ten Block – also qua­si direkt hin­ter den Kenia­ner, die ich aber trotz­dem nicht gese­hen habe, weil ich mich natür­lich brav schön hin­ten ein­ge­ord­net habe. Viel gebracht hat das nicht. Denn trotz des anfangs sehr unru­hi­gen und für mei­ne Emp­fin­dung sehr rau­en Starts (zwei Läu­fer prü­gel­ten sich auf dem ers­ten Kilo­me­ter fast, auch sonst wur­de mäch­tig viel gerem­pelt und so knapp wie irgend mög­lich über­holt) war ich irgend­wie dau­ernd zu schnell. Viel­leicht lag’s an den Tem­pe­ra­tu­ren: Auf den ers­ten Kilo­me­tern, so bis km 4 oder 5, fand ich es – trotz der Arm­lin­ge – sakrisch kalt. Aber es lief bes­tens: Locker saus­te ich mit den ande­ren Läu­fe­ren – Frau­en waren eher sel­ten zu sehen – über den Asphalt, kreuz und quer durch die Frank­fur­ter City. Die Ori­en­tie­rung hat­te ich schnell ver­lo­ren. Aber dafür gibt es ja die grü­ne Linie (in Frank­furt nicht blau, weil der Haupt­spon­sor „Dresd­ner Klein­wort“ heißt und das sei­ne Fir­men­far­be ist). Das Tem­po blieb wei­ter­hin hoch. Etwas arg hoch, wie sich spä­ter her­aus­stel­len soll­te. Noch aber ging es erstaun­lich locker und ohne grö­ße­re Anstren­gung vor­an. Die Kilo­me­ter pur­zel­ten fröh­lich vor sich hin, das Feld zog sich all­mäh­lich doch immer mehr aus­ein­an­der. Kurz nach Kilo­me­ter 12 ging es zum ers­ten mal über den Main, dann auf lan­gen Gera­den durch Sach­sen­hau­sen und Nie­der­rad bis nach Schwan­heim. Wirk­lich erstaun­lich, wie viel selbst hier an der Stre­cke los ist. So rich­tig leer wur­de es ganz sel­ten – und über­all war eine Mords­gau­di. Das lag höchst­warhschein­lich auch dar­an, dass ich immer noch im nähe­ren Umfeld von Diet­mar Mücke unter­wegs war, der mal wie­der bar­fuss und im Pumuckel-Kos­tüm unter drei Stun­den lief. Über die Schwan­hei­mer Brü­cke bei Kilo­me­ter 23 ging es dann wie­der nach Nied hin­über, eine kur­ze Schlei­fe durch den Rand von Höchst und wie­der in Nied auf die lan­ge Main­zer Land­stra­ße. Inzwi­schen wur­de mir das hohe Tem­po immer schwe­rer. Immer öfter geschah es, dass ich leicht über dem anvi­sier­ten 4:15er Schnitt blieb. Hart wur­de es dann vor allem ab den Kilo­me­tern 33 und 34. Jetzt waren es offen­bar an der Zeit, die Reser­ven anzu­grei­fen. Viel war da aber nicht mehr zu holen … Mit viel Bei­ßen und Selbst­quä­le­rei gelang mir noch der eine oder ande­re Kilo­me­ter im rich­ti­gen Tem­po. Ab Kilo­me­ter 35 und 36, wo es wie­der in die City – mit ziem­lich vie­len Schlen­kern – ging, wur­de es zur ech­ten Qual. Auf ein­mal zogen sich die Kilo­me­ter immer län­ger und län­ger. An Auf­ge­ben war aber noch nicht zu den­ken. Denn eines war mir klar: Wenn ich jetzt auch nur zwei Schrit­te gehe oder bewusst lang­sam wer­de, dann kom­me ich nie wie­der auf ein ordent­li­ches Tem­po – so gut ken­ne ich mich inzwi­schen. Also wei­ter brav die Zäh­ne zusam­men­ge­bis­sen. Und wie so oft half es auch, ein biss­chen zumin­dest. Ab Kilo­me­ter 38 wur­de ich zwar nicht mehr wesent­lich schnel­ler, aber immer­hin auch nicht lang­sa­mer. Und es mach­te fast wie­der Spaß. Dass die sub 3 kaum noch hin­hau­en wür­den, dafür brauch­te es wenig Rechen­küns­te. Aber das es mit mei­nem Traum­ziel wenn über­haupt sowie­so ver­dammt knapp klap­pen wür­de, war mir eh‘ von vorn­her­ein klar. Immer­hin reich­te es noch für eine klit­ze­klei­ne Tem­po­stei­ge­rung ab Kilo­me­ter 41. Die letz­ten 1200 Meter zogen sich dann erwar­tungs­ge­mäß wie­der ordent­lich und schie­nen gar nicht zu enden. Da half auch das lär­men­de Publi­kum nicht mehr viel. Eher noch die Aus­sicht, noch ein oder zwei oder drei Läu­fer zu kas­sie­ren. Das klapp­te dann auch noch. Und irgend­wann erbarm­te sich die grü­ne Linie dann doch und ver­ließ hin­ter dem Mes­se­turm die Stra­ße, um zur Fest­hal­le abzu­bie­gen. Die Uhr zeig­te dum­mer­wei­se schon mehr als 2:59 an – unter drei Stun­den wür­de ich nicht blei­ben kön­nen. Dann also aber wenigs­tens nicht mehr als 3:01 – alles ande­re wäre jetzt ech­tes Ver­sa­gen. Und dafür reich­te es dann auch tat­säch­lich noch: 3:00:34 hat­te ich selbst­ge­stoppt auf der Uhr, die off­zi­el­le Zeit schenk­te mir noch eine Sekun­de. Nach dem Ziel­strich fing das Lei­den dann aber erst rich­tig an: So etwas habe ich noch nie erlebt. Gehen ging erst­mal über­haupt nicht mehr … Und dann waren da auch noch drei klit­ze­klei­ne Stu­fen, die man her­ab­stei­gen muss­te, um sei­ne Medail­le und eine wär­men­de Folie zu bekom­men – das war wohl das größ­te Hin­der­nis, das ich an die­sem Tag über­wun­den habe. Danach ging es dann erst mal wie­der an die fri­sche, d.h. herbst­lich-küh­le Luft, um Ver­pfle­gung zu fas­sen. Essen moch­te ich nach so einem Lauf natür­lich kaum etwas, ein paar Trau­ben und eine Bana­ne for­der­te die Ver­nunft aber. Dann noch ein­mal quer durch das reich­hal­ti­ge Geträn­ke­sor­ti­ment getrun­ken – ok, das Bier ließ ich aus – und ab zur Klei­der­beu­tel­aus­ga­be. Hier kam man glück­li­cher­wei­se über Roll­trep­pen hin … Und noch war hier wenig los, auch bei den Duschen – mit wirk­lich wun­der­bar hei­ßem Was­ser, dafür aber in der herr­li­chen Atmo­sphä­re der Tief­ga­ra­ge – gab es kei­ne Schlan­gen. Da ich noch vor dem gro­ßen Andrang unter­wegs schien und mei­ne Ober­schen­kel mich wirk­lich nerv­ten, gönn­te ich mir noch eine Mas­sa­ge. Ob’s viel gehol­fen hat, weiß ich zwar nicht – ange­nehm war es trotz­dem … Die Waden waren ja wirk­lich bis zum Schluss über­haupt kein Pro­blem. So erholt haben sie sich jeden­falls nach einem Mara­thon noch nie gefühlt – die CEP-Strümp­fe schei­nen also doch etwas zu brin­gen. So, das war jetzt für heu­te genug geschafft – den Rest des Sonn­ta­ges wer­de ich erst mal „rege­ne­rie­ren“ …
Ach so, die offi­zi­el­len Ergeb­nis­se: Ziel­zeit war 3:00:33, das ist in mei­ner Alters­klas­se (MH) der 74. Platz, ins­ge­samt Rang 573.

und noch die fotos:

marathon als training: 1. darmstadt-marathon 2008

nach dem mus­kel­fa­ser­riss am renn­steig war mir ziem­lich bald klar, dass ich für den darm­stadt-mara­thon nicht mehr recht­zei­tig und genug trai­nie­ren wür­de kön­nen. da ich aber nun mal schon ange­mel­det war und das start­geld schon ein­ge­zo­gen war, plan­te ich den von der spar­kas­se orga­ni­sier­ten mara­thon ein­fach als lan­gen lauf in mein trai­ning ein. das war aber ein­fa­cher gesagt als gelau­fen ;-). denn das heißt, dass ich kei­nen meter geta­pert habe, son­dern auch die letz­te woche voll im trai­ning geblie­ben bin. und um dem gan­zen noch die kro­ne auf­zu­set­zen, hat­te ich mir in den kopf gesetzt, am frei­tag nach­mit­tag mit dem lie­ge­ra­de von erbach nach darm­stadt zu fah­ren – auch noch ein­mal ca. 50 km mit eini­gen gif­ti­gen anstie­gen (aber auch einer wun­der­schö­nen abfahrt, von böll­stein nach brens­bach). beson­ders erholt war ich also nicht, als ich mich heu­te mor­gen um 7 uhr in darm­stadt (mein bru­der hat mir freund­li­cher­wei­se ein bett zur ver­fü­gung gestellt, so dass zumin­dest die anrei­se kurz blieb) aus dem bett quäl­te, ein paar schei­ben brot aß und schon ein­mal was­ser tank­te. mit bus und stra­ßen­bahn ging es dann – zusam­men mit einer meu­te ande­rer lauf­wü­ti­ger – zum hoch­schul­sta­di­on am böl­len­fall­tor. dort reih­te ich mich noch ein­mal in die toi­let­ten­schlan­ge ein (kein schnel­les unter­neh­men, wie immer bei sol­chen ver­an­stal­tun­gen) und ver­such­te mei­nen klei­der­beu­tel abzu­ge­ben. die hel­fer dort waren frei­lich etwas über­las­tet – nicht das letz­te mal, das mir das an die­sem tag auf­fiel. freund­lich und hilfs­be­reit waren sie trotz­dem alle. so ließ ich mei­nen sack also ein­fach auf dem gro­ßen hau­fen vor der sport­hal­le – im ver­trau­en dar­auf, dass er tat­säch­lich noch rich­tig ein­sor­tier wer­den wür­de (das hat auch pri­ma geklappt). und dann war es auch schon nicht mehr lan­ge bis 8.30 uhr – also auf zur start­auf­stel­lung. die hielt gleich die nächs­te über­ra­schung bereit: dort war näm­lich nicht ein­mal dicht gedrängt platz für alle läu­fer. beson­ders schlimm ist das ja nicht, die zeit wird ja eh‘ erst bei über­que­rung der start­li­nie gemes­sen. ner­ven tut so etwas aber schon ein biss­chen. genau wie der umstand, dass der juni­or­cup sich kurz vor dem start durch die gesam­ten läu­fer­mas­se durch­quet­schen muss­te – das war ein­fach falsch geplant …

über­haupt die läu­fer­mas­sen. schnell stell­te sich näm­lich nach dem pünkt­lich erfolg­tem start­schuss (den ich natür­lich nicht hör­te, dazu war ich zu weit hin­ten) her­aus, dass doch arg vie­le läu­fer mit­mach­ten. denn die stre­cke wur­de schon nach weni­gen kilo­me­tern immer schma­ler, bis sie irgend wann (ich glau­be, so ca. bei km 5) ein nor­ma­ler feld­weg war. und das war arg eng, denn es dau­er­te gefühl­te ewig­kei­ten, bis sich das feld halb­wegs sor­tiert hat­te. und die stän­di­ge über­ho­le­rei und lücken­sprin­ge­rei ist halt auf dau­er nicht nur anstren­gend, son­dern auch ner­vend. ein pas­sa­ge fand ich – ange­sichts von über 6000 teil­neh­mern in allen wett­be­wer­ben – arg eng: hier war näm­lich nur eine fahr­bahn­spur der stra­ße für die läu­fer abge­sperrt. und aus­ge­rech­net die­ser teil wur­de in bei­de rich­tun­gen belau­fen, so dass wirk­lich kaum noch platz war … aber sei’s drum, ich war ja nicht da, um eine rekord­zeit zu lau­fen. dem hät­te auch das wel­li­ge höhen­pro­fil nicht so sehr gedient, das vor allem in der zwei­ten run­de (die mit leich­ten abwand­lun­gen dier ers­ten 21 km vari­ier­te) doch ordent­lich kraft for­der­te. merk­bar war die vol­le stre­cke aller­dings auch an den labe­sta­tio­nen: in der ers­ten run­de war im mit­tel­feld (in dem ich mich wähn­te, viel­leicht irre ich mich dabei aber auch) kaum noch was­ser zu krie­gen – weil die hel­fer ein­fach nicht nach­ka­men mit dem ein­fül­len. das ist so etwas, das ich eher ärger­lich fin­de bei so einem orga­ni­sier­ten wett­kampf. bei der reich­hal­ti­gen ver­pfle­gung (obst, müs­li­rie­gel) war dage­gen immer viel platz vor den tischen …

aber da woll­te ich ja nicht hin: im trai­ning gibt’s wäh­rend des lau­fens nur was­ser. na gut, ab km 30 habe ich auch ein­mal power­ra­de pro­biert (viel zu süß, löscht den durst über­haupt nicht gut) und eini­ge kilo­me­ter vor schluss mir dann doch auch noch den cola-boost gegönnt. denn zwi­schen­zeit­lich hat­te ich zu kämp­fen. dass es anstren­gend wer­den wür­de, merk­te ich schon am beginn der zwei­ten run­den, die den eigent­lich eher leich­ten anstieg der bun­des­stra­ße am böl­len­fall­tor hin­auf­ging. so unge­fähr ab kilo­me­ter 30 wur­de es dann rich­tig schwer – zumin­dest men­tal. so arg viel an geschwin­dig­keit habe ich da nicht ein­ge­büßt. aber dafür so eini­ge ver­wün­schun­gen aus­ge­sto­ßen und mich über mei­ne blöd­heit, im trai­ning einen mara­thon lau­fen zu wol­len, auf­ge­regt. zum glück habe ich aber durch­ge­hal­ten – auch wenn ich mehr­mals kurz davor war, abzu­bre­chen (aber was macht man dann mit­ten im wald?) -, denn so unge­fähr ab kilo­me­ter 36 lief es wie­der ziem­lich gut. viel­leicht lag es ja auch dar­an, dass ich schon mit­ten in den zwan­zi­gern ange­fan­gen hat­te, rück­wärts zu zäh­len – das ist nicht sehr hilf­reich, glau­be ich. so ab 32,33 kilo­me­tern ist das ok, dann wird der rest über­schau­bar, aber bei km 24 war­tet doch noch eine gan­ze men­ge an weg auf einen …

jeden­falls schaff­te ich es doch ziem­lich gut, mein tem­po zu hal­ten. auch wenn ich eigent­lich nicht im plan war – viel zu früh war ich (nach den sehr gemüt­li­chen ers­ten drei kilo­me­tern) zu schnell gewor­den. doch ganz falsch lag ich nicht, denn auf der zwei­ten run­de (also nach dem halb­ma­ra­thon) wur­de ich nur von einem läu­fer über­holt – ich selbst sam­mel­te dage­gen dut­zen­de ein (hun­dert waren es ganz bestimmt …) ins­ge­samt habe ich auch einen ordent­lich negat­ti­ven split hin­be­kom­men: der ers­te halb­ma­ra­thon mit unge­fähr 1:52 stun­den, der zwei­te dage­gen mit 1:45 doch eini­ge minu­ten schnel­ler. für’s trai­ning ok war auch der schnitt von 5:07. eigent­lich woll­te ich näm­lich jen­seits der 5:10 blei­ben. aber dafür fehl­te mir eben wie­der ein­mal die dis­zi­plin – das kon­trol­lier­te lang­sam­lau­fen habe ich immer noch nicht so ganz im griff. nun ja, bei einer gesamt­zeit von 3:38:23 soll­te ich nicht zuviel meckern, das ist immer­hin eine neue per­sön­li­che best­zeit auf der mara­thon­di­stanz.  und ein wahn­sinn­ger platz 9 mei­ner alters­klas­se – kann ich kaum ver­ste­hen …

nun ja, damit wäre die­ses expe­ri­ment also auch erle­digt. zur nach­ah­mung emp­feh­len kann ich es nur bedingt – ein mara­thon bleibt halt immer ein mara­thon. auch im trai­ning. und der tag ist damit doch wei­tes­ge­hend gelau­fen …

zum schluss noch die fotos von spor­ton­line-foto:

wovon haruki murakami schreibt, wenn er vom laufen schreibt

ein schö­nes klei­nes buch, in dem so ziem­lich alles rund ums lau­fen steht. und noch ganz nett geschrie­ben, klar und prä­zi­se, flüs­sig zu lesen.

das inter­es­san­te sind hier aber natür­lich die inhal­te, die rei­chen erfah­run­gen, die mura­ka­mi als lang­jäh­ri­ger läu­fer gemacht. dabei geht es gar nicht so sehr um tech­ni­sche details – das buch wen­det sich schließ­lich an ein all­ge­mei­nes publi­kum, nicht nur an läu­fer. son­dern vor allem um per­sön­li­ches, um ver­än­de­run­gen der eigen- und fremd­erfah­rung. natür­lich spie­len auch ver­meint­li­che klei­nig­kei­ten immer wie­der hin­ein. etwa die aus­wahl pas­sen­der schu­he, wenn mura­ka­mi vom „psy­cho­lo­gi­schen vor­teil“ guter schu­he berich­tet (übri­gens ist er, wie ich auch, offen­bar ein mizu­no-fan).

mura­ka­mi ist zwar kein streak­läu­fer, prak­ti­ziert aber trotz­dem das täg­li­che lau­fen – mit unter­bre­chun­gen – als ziel und metho­de. auch wie­der ein sym­pa­thi­scher zug an ihm. vor allem aber die offen­heit, mit der er nicht nur von den schmer­zen des vor­be­rei­ten­den trai­nings berich­tet, son­dern auch die erfah­rung und ver­ar­bei­tung von nie­der­la­gen erläu­tert, sind gute pas­sa­gen. gera­de das letz­te­re, die aus­dau­ern­de und tie­fe ref­k­lek­ti­on der nie­der­la­ge – die ja beim lau­fen weni­ger mit dem „ver­lie­ren“ im wett­kampf  als mit dem nicht­er­rei­chen eines per­sön­li­chen zie­les zusam­men­hängt – ist wohl etwas wirk­lich läu­fer­ty­pi­sches: läu­fer schei­nen sich viel inten­si­ver mit die­sen erfah­run­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen als ande­re hob­by­sport­ler. wohl ein­fach des­halb, weil lang­stre­cken­läu­fer – wenn sie nicht außer­or­dent­li­che bega­bun­gen sind – nie da her­um­kom­men, irgend­wann eine oder die ande­re zu erfah­ren. und im gegen­satz zu wett­kampf- und/oder mann­schafts­sport­ar­ten ist man halt immer wirk­lich selbst schuld – es gibt sozu­sa­gen kei­ne aus­re­den. aber genau die­ses moment ist es auch wie­der, dass das lau­fen so wert­voll macht: man lernt, mit sol­chen rück­schlä­gen umzu­ge­hen – man muss es ler­nen. man lernt sozu­sa­gen so etwas wie „demut“: auch wenn man auf der einen sei­te die erfah­rung der enor­men leis­tungs­fä­hig­keit eines mensch­li­chen kör­pers (und ihrer stei­ge­rungs­fä­hig­keit) macht, so lernt man eben auch die gren­zen die­ses kör­pers immer wie­der ganz unmit­tel­bar ken­nen. das ist eine wesent­li­che erfah­rung, die jeder halb­wegs ambi­tio­nier­te läu­fer macht. und die beschreibt mura­ka­mi sehr gut – ich glau­be, anhand sei­nes tex­tes kön­nen das auch nicht­läu­fer nach­voll­zie­hen …

auch die viel­fäl­ti­gen ver­än­de­run­gen durch und im lau­fen kom­men bei ihm nicht zu kurz: die ver­än­de­run­gen der wahr­neh­mung etwas, von sich selbst und der umge­bung, die man anders – inten­si­ver gar nicht unbe­dingt, aber direk­ter, näher – erfährt – z.b. den wan­del der zeit, der jah­res­zei­ten, der jah­re … natür­lich auch die ver­än­de­run­gen des eige­nen kör­pers. aber auch die ver­än­de­run­gen des „geis­tes“ – die (konzentrations-)stärke (die hm die par­al­le­le zum schrei­ben zie­hen lässt) zum bei­spielt, das durch­hal­te­ver­mö­gen, die for­de­rung der eige­nen fähig­kei­ten, die aus­lo­tung von gren­zen und der ver­such, die­se gren­zen im rah­men der mög­lich­kei­ten zu ver­schie­ben. all das steht in die­sem klei­nen, sym­pa­thi­schen büch­lein auf ganz unauf­dring­li­che, per­sön­lich gefärb­te wei­se geschrie­ben.

haru­ki mura­ka­mi: wovon ich rede, wenn ich vom lau­fen rede. köln: dumont 2008.

der ultramarathonmann

als vor­be­rei­tung auf den renn­steig-super­ma­ra­thon sozu­sa­gen schon ein­mal pas­sen­de lek­tü­re: dean kar­na­zes‘ ultra­ma­ra­thon­man. aus dem leben eines 24-stun­den-läu­fers (riva 2008). eini­ge beein­dru­cken­de lauf­schil­de­run­gen ver­sam­melt er dort, vor allem die erfah­rung sei­nes ers­ten offi­zi­el­len ultras, des 100 mei­len-lau­fes wes­tern sta­tes endu­rance. danach wird’s dann etwas, nun­ja, ver­rückt: bad­wa­ter hal­te ich ja schon für grenz­wer­tig, aber einen mara­thon zum süd­pol – das ist schon etwas selt­sam. und es hat ja selbst für sol­che läu­fer nur mit bie­gen und bre­chen funk­tio­niert. ansons­ten ganz net­tes büch­lein (lei­der nicht sehr inspie­rend über­setzt – höhen­an­ga­ben in fuß hel­fen mir nicht sehr viel …), das immer wie­der um den gedan­ken kreist, war­um men­schen eigent­lich sol­che extre­me din­ge tun. und das vor allem so ehr­lich ist, dar­auf kei­ne wirk­li­che ant­wort zu haben. ange­nehm auch, dass er rein auf sich selbst fixiert bleibt: plat­zie­run­gen und ergeb­nis­se spie­len (fast) gar kei­ne rol­le: hier – zumin­dest in dem buch – geht es kar­na­zes um das erleb­nis des lau­fens, die erfah­rung der über­win­dung aller mög­li­chen schmer­zen …

so eini­ges wah­res steht da drin: „Lau­fen bedeu­te­te in ers­ter Linie: raus­ge­hen und Erfah­run­gen sam­meln. Ich sah, wie Gebäu­de ent­stan­den, wie die Vögel nach Süden zogen, un ich Wech­sel der Jah­res­zei­ten sah ich die Blät­ter fal­len und die Tage kür­zer wer­den“ (s. 30) – es ist im prin­zip banal und so ziem­lich jeder läu­fer hat dies wohl schon bemerkt. aber es stimmt. naja, von der art gibt es eine men­ge beob­ach­tun­gen und mei­nun­gen hier.

Neuere Beiträge »

© 2026 Täglich laufen

Theme von Anders NorénHoch ↑