Im spä­ten Sep­tem­ber habe ich mich mal auf­ge­macht, die Erkun­dung der Umge­bung um Regens­burg über mei­ne übli­chen und bekann­ten Rou­ten etwas aus­zu­wei­ten. Die Idee war: Fünf Tage auf dem Rad in einer Rund­tour, die zumin­dest irgend­wie den Baye­ri­schen Wald beinhal­ten soll­te und den Gro­ßen Arber mit­neh­men soll­te, weil ich es bis­her noch nicht geschafft hat­te, da hin­auf zu kom­men, weder auf dem Rad noch zu Fuß oder irgend­wie anders … Schnell stand dann ein gro­ber Plan: Zunächst die Donau hin­un­ter, dann in den Baye­ri­schen Wald, durch die tsche­schi­che Repu­blik nach Sach­sen und von dort im Bogen wie­der zurück nach Regensburg.

Die „Anreise“ am Samstag: Von Regensburg nach Zwiesel

Alles fing, natür­lich, ganz harm­los an. Zunächst – nach­dem wie immer etwas ner­vi­gen (aber noch im Rah­men) Durch­que­ren des Stad­ge­biets von Regens­burg von Wes­ten nach Osten – sogar recht lang­wei­lig. Den Donau­rad­weg schön am Fluss ent­lang, da pas­siert nicht viel oder nichts, man rollt fröh­lich vor sich hin und sam­melt flei­ßig Kilo­me­ter. Am Sams­tag Mor­gen war auch wenig los, nur rund um die Ort­schaf­ten waren ein­zel­ne Men­schen auf dem Deich oder den Wegen zu sehen, zu Fuß, mit Hund oder auf dem Rad.

Eine ers­te kur­ze Pau­se zur Ver­pfle­gung leg­te ich in Kie­fen­holz nach knapp 27 Kilo­me­tern ein. Und kurz dar­auf habe ich tat­säch­lich einen ande­ren Rad­ler über­holt, der sich dann für eine Hand­voll Kilo­me­ter in mei­nen Wind­schat­ten hing – bis ich aus Schalt­faul­heit an einem Mini-Buckel­chen offen­bar zu lang­sam wur­de und ihn davon­zie­hen ließ (und kurz danach noch die fal­sche Abzwei­gung nahm, so dass er dann auch wirk­lich weg war). Ansons­ten pas­sier­te erst ein­mal immer noch nicht viel. Ich radel­te durch kilo­me­ter­lan­ge Mais­feld-Ansamm­lun­gen, man­ches schon geern­tet, man­ches noch auf dem Feld – das war aber auch schon das Höchs­te der Abwechs­lung. So gings dann auch schon an Strau­bing vor­bei und kurz durch Bogen, wo ich mich bei einem Bäcker geschwind ver­pfleg­te und die Back­wa­ren nach dem Durch­que­ren des Ortes auf einer Bank am Rad­weg ver­zehr­te. 65 Kilo­me­ter war ich jetzt schon unter­wegs und immer noch an der Donau. Aber nicht mehr lan­ge, denn schon weni­ge Kilo­me­ter spä­ter führ­te mich mei­ne geplan­te Tour dann all­mäh­lich weg vom Fluss – und ruck­zuck war ich dann auch schon in den Hügeln als Vor­be­rei­tung auf den Baye­ri­schen Wald. In den Dör­fern dort gibt es offen­bar sehr krea­ti­ve Köp­fe: Ich pas­sie­re die „Stra­ße der Dich­tungs­tech­nik“ und kam wenig spä­ter durch die „Auto­bahn­stra­ße“, die – gro­ße Über­ra­schung – wirk­lich nahe der Auto­bahn (A3), die ich gera­de gekreuzt hat­te, verläuft.

So ging es dann auch wei­ter durch die Hügel, die Land­schaft wirk­te jetzt schon fast vor­al­pen­länd­lich – über­all ein­zel­ne Höfe (es ist wirk­lich wahn­sin­nig, wie besie­delt (oder zer­sie­delt) die­se Gegend ist, nicht nur in den vie­len (immer mehr wach­sen­den) Dör­fern, son­dern auch per­ma­nent dazwi­schen und auch im Blick links und rechts immer dazwi­schen). In Alberts­ried sam­mel­te sich gera­de die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr in Aus­geh­uni­form für ein Foto, zwei von ihren Mit­glie­dern aus dem Nach­bar­dorf kamen mir sogar auf dem (E-)Rad ent­ge­gen. Ich mach­te dann noch einen etwas komi­schen Abste­cher weit nach Süden, fast bis Egg, um mich dann von dort aus an die Schlüs­sel­stel­le des ers­ten Tages zu machen: Die Auf­fahrt von Leit­hen nach Kalt­eck. Hier hat­te ich schon 90 für mei­ne Ver­hält­nis­se recht zügi­ge Kilo­me­ter in den Bei­nen. Und nun türm­te sich vor mir eine Wand. Das war dann wohl die Stun­de der Wahr­heit, der Teil, den ich schon bei der Pla­nung ver­flucht habe, aber nicht ver­nünf­tig umge­hen konn­te: Der Anstieg nach Kalt­eck. Das sind meh­re­re Kilo­me­ter bei ca. 12 % – das zieht sich, die Stra­ße ist wirk­lich fast durch­ge­hend rich­tig steil. Und die kur­zen, ein­ge­streu­ten Erleich­te­run­gen sind nur gra­du­ell, flach ist da ein­fach nichts. Die­ser Abschnitt ist ein­fach lang und hört nicht auf, son­dern geht nach der Kur­ve immer wie­der wei­ter … Mit zwei kür­ze­ren Ver­schnauf­pau­sen und dank des Ret­tungs­rings, auf dem ich eine gan­ze Wei­le rum­kur­bel­te (und dabei natür­lich nur sehr zag­haft vor­an­kam) ging es aber. Nach dem Sat­tel in Kalt­eck auf unge­fähr 750 m Höhe durf­ten die Höhen­me­ter in einer schö­nen Abfahrt auch gleich wie­der ver­nich­tet wer­den. Dann näher­te ich mich auch schon schnell der psy­cho­lo­gisch wich­ti­gen 100-Kilo­me­ter-Mar­ke, an der wei­ter nichts pas­sier­te. Die Rou­te blieb jetzt aber wel­li­ger mit eini­gen klei­ne­ren Anstie­gen und führ­te mich so ins Tal des Schwar­zen Regen und schließ­lich nach Regen selbst.

Die Ein­fahrt nach Regen war von mir bei der Tour­vor­be­rei­tung schlecht geplant wor­den und etwas arg ver­win­kelt, aber dafür ist Regen nun auch nicht groß und ich war schnell wie­der raus und folg­te grob dem Rad­weg nach Zwie­sel. Der führ­te mich durch so schö­ne Orts­na­men wie Schwein­hütt, Gst­reit, Drei­eck und Tau­send­bach. Und dann war ich auch schon in Zwie­sel. Dank mei­nes Navis fand ich auch mein Hotel, den Gast­hof Post­hal­ter in der Innen­stadt, sofort und ohne Pro­ble­me – nach 126,7 Kilo­me­teren in 5,5 Stun­den Fahrzeit.

Der Gast­hof Post­hal­ter ist ein net­tes Hotel, recht neu im alten Gebäu­de, sehr typi­sche Hotel­zim­mer, aber ohne viel Cha­rak­ter. Dafür habe ich mich im Restau­rant sehr wohl­ge­fühlt, vor allem gab es da gutes Essen, näm­lich einen sehr lecke­ren Krus­ten­bra­ten (ich muss­te ja die Chan­ce nut­zen, wenn ich mal unter­wegs bin). Und am nächs­ten Mor­gen fand ich auch ein anspre­chen­des, gutes Früh­stück, das mich aus­ge­zeich­net für den zwei­ten Tag stärkte.

Die Tages­da­ten: 127 km, 1150 hm. Die Akti­vi­tät mit Kar­te und allen Daten: Klick.

Die „Bergetappe“ am Sonntag: Von Zwiesel über den Arber nach Waldmünchen-Herzogau

Der zwei­te Tag fing natür­lich wenig über­ra­schend genau dort an, wo der ers­te auf­hör­te: in Zwie­sel. Jetzt ging es aber gleich rich­tig in den Wald, den Baye­ri­schen, und den Natio­nal­park dazu. Kaum war ich aus der Stadt raus, stan­den da auch schon die Bäu­me. Und gin­gen erst ein­mal nicht mehr weg. Mei­ne Rou­te führ­te mich durch das Tal der Zwie­sel, vor­bei an der See­bach­hüt­te, nach Baye­risch Eisen­stein. Damit hat­te ich auch schon ein­mal ein paar ers­te Höhen­me­ter zum Auf­wär­men gesam­melt.
Aber die eigent­lich kamen ja erst noch. Denn in Baye­risch Eisen­stein ging es haar­scharf vor der Staats­gren­ze ab und hin­auf, nun in Rich­tung Arber. Die Auf­fahrt zog sich dann ein biss­chen, war aber gut zu fah­ren: Nicht beson­ders steil, aber immer ste­tig anstei­gend, und auch rela­tiv gleich­mä­ßig bis zur Tal­sta­ti­on des Ski­ge­bie­tes am Gro­ßen Arber auf einer Höhe von 1040 Metern. Eine ganz kur­ze Abfahrt auf der lee­ren Stra­ße brach­te mich zum Arber­see. Von dort ging es dann noch ein­mal ein Stück hin­auf, die­ses Mal bis gut 1100 Metern bei Bret­ter­schach­ten. Nach einer kur­zen Pau­se beim Lang­lauf­zen­trum schmiss ich die Jacke über und stürz­te mich die schö­ne Abfahrt nach Boden­mais hin­un­ter. Da war dann – Sonn­tag, kurz vor Mit­tag – im Ort viel los. Wäh­rend der Arber noch in Wol­ken ver­steckt war (und es dort oben zeit­wei­lig auch recht feucht war), war es hier unten doch deut­lich freund­li­cher und angenehmer.

Nun erwar­te­te mich auch schon die ers­te von zwei Bau­stel­len des Tages: Die Stra­ße nach Wes­ten, aus Boden­mais hin­aus, war ein­fach gesperrt, eine ver­nünf­ti­ge Umlei­tung war nicht zu erken­nen. Da hät­te ich aber auch ver­mut­lich sowie­so kei­ne Lust dar­auf gehabt. Also wag­te ich mich in die Bau­stel­le und es ging auch alles gut, aller­dings lang­sam: Denn auf der abge­fräs­ten Teer­de­cke mach­te es kei­nen ech­ten Spaß (und selbst bei mäßi­gem Tem­po tes­te­te ich damit jede Schraub­ver­bin­dung am Rad, so rüt­tel­te das alles durch). Aber immer­hin kam ich gut durch die meh­re­re Kilo­me­ter Bau­stel­le und muss­te nicht eine Alter­na­ti­ve suchen. Ein paar kür­ze­re, aber kna­cki­ge Anstie­ge war­te­ten ja noch auf mich. Der ers­te ging in Arn­bruck gleich sehr def­tig los, beru­hig­te sich dann aber glück­li­cher­wei­se wie­der. Oben, beim Eck, sah ich beim Pau­sie­ren dann schon das nächs­te Sperr­schild auf der Stra­ße nach unten auf die ande­re Sei­te. Da aber ein­hei­mi­sche Autos von unten hoch­ka­men, fuhr ich auch in die­se Bau­stel­le ein­fach hin­ein. Natür­lich war auch hier dann wie­der eine gutes Stück der Abfahrt die Teer­de­cke weg­ge­fräst, was mich ordent­lich aus­brems­te. Aber am Sonn­tag Nach­mit­tag war auch hier nie­mand am Arbei­ten, so dass ich immer­hin durchkam.

So gelang­te ich dann nach Arr­ach, bevor es wie­der in den nächs­ten Auf­stieg ging. Auch der war gut zu bewäl­ti­gen und nach einer kur­zen Pau­se am Absetz auf dem Schei­tel­punkt konn­te ich mich wie­der auf die Abfahrt freu­en. Denn nun, nach knapp 70 Kilo­me­tern, waren die meis­ten Höhen­me­ter an die­sem Tag bereits bewäl­tigt. Wei­ter ging es dann recht ange­nehm in klei­nen Wel­len durch die Fel­der über Kolm­stein, Neu­kir­chen beim Hei­li­gen Blut nach Furth im Wald. Über ein paar wei­te­re Dör­fer führt mei­ne Rou­te mich dann in den letz­ten Anstieg von Glei­ßen­berg nach Her­zo­gau, einem zu Wald­mün­chen gehö­ren­den Dörf­chen. Die­ser letz­te Anstieg wäre nun nicht mehr unbe­dingt nötig gewe­sen … Aber nach etwas mehr als 101 Kilo­me­ter stand ich dann schon wie­der vor mei­nem Nacht­quar­tier, dem Land­ho­tel Gru­ber, einer sehr freund­li­chen, net­ten, ruhi­gen und ange­neh­men Her­ber­ge. Das Essen war aller­dings sehr tra­di­tio­nell, sozu­sa­gen – in der Tra­di­ti­on des spä­ten 20. Jahr­hun­derts der deut­schen gut-bür­ger­li­che Küche (wie das so schön heißt) ein ziem­lich mäßi­ger Salat, ein gro­ßes Schnit­zel und immer­hin gute Pom­mes. Mit einer klei­nen Por­ti­on Kai­ser­schmarrn als Nach­tisch reich­te das dann aber, denn den Tag über hat­te ich nur zwei Rie­gel ver­drückt und mich sonst aus­schließ­lich am Was­ser gut getan. Der Schlaf danach war dann aus irgend einem Grund nur mäßig, aber dafür erwar­te­te mich am nächs­ten Mor­gen aber ein sehr lecke­res Frühstück.

Die Tages­da­ten: 101 km, 1700 hm. Die Akti­vi­tät mit Kar­te und allen Daten: Klick.

Die „Auslandsetappe“ am Montag: Von Waldmünchen-Herzogau durch den Böhmerwald nach Bad Brambach

Und so ging es auch in den drit­ten Tag mit gut gefüll­tem Magen. Nach der kur­zen, aber schnel­len Abfahrt nach Wald­mün­chen hin­un­ter, die in der schon herbst­li­chen Küh­le mich gut auf­weck­te, mach­te ich mich auf in Rich­tung Gren­ze zur Tsche­chi­schen Repu­blik. Und ziem­lich gleich hin­ter der Gren­ze mach­te sich mei­ne Rou­ten­pla­nung sehr bezahlt. In einer Kom­bi­na­ti­on aus BRou­ter und Komoot hat­te ich näm­lich die Rou­te durch den Böh­mer­wald und die angren­zen­den Regio­nen nach Nor­den, nach Bad Bram­bach in Sach­sen, geplant. Und dabei in wei­ser Vor­aus­sicht beson­ders dar­auf geach­tet, dass ich vor allem Neben­stra­ßen fah­ren würde.

So war es dann auch tat­säch­lich. Schon sehr kurz nach der Gren­ze ging es ab und erst ein­mal wie­der in den Wald. Das war herr­lich – so ganz allei­ne auf dem klei­ne Sträß­chen. Gut, der Asphalt war nicht der bes­te, es war schon manch­mal holp­rig und wel­lig, die Stra­ße hat­te offen­bar kaum mehr Unter­bau als ein Wald­weg, wur­de aber von gro­ßen LKW zum Holz­trans­port genutzt. Dafür war aber auch nichts los – alle Vier­tel­stun­de mal ein Auto oder so. Und eine Men­ge Wald, wie­der einmal.

Die tol­le Rou­te führ­te mich nahe­zu aus­schließ­lich über die Dör­fer, auf klei­nen und kleins­ten Sträß­chen, manch­mal kaum bes­se­re Feld­we­ge. Ich sah eini­ge gro­ße Lkws, auch Con­tai­ner, die direkt im Wald mit Stamm­holz bela­den wur­den, her­um­ste­hen. Aber trotz­dem: Schö­ner als ver­kehrs­rei­che per­fek­te Stra­ßen war das alle­mal. Das gilt gera­de in Tsche­chi­en. Denn die tsche­chi­schen Autofahrer*innen fah­ren einer­seits sel­ten lang­sam und ten­die­ren ande­rer­seits etwas häu­fi­ger als die deut­schen zum knap­pen, dich­ten Über­ho­len. Das war mir schon am Sonn­tag auf­ge­fal­len, da war ich ja – auf der deut­schen Sei­te – auch schon im Grenz­ge­biet mit ent­spre­chen­dem Aus­flugs­ver­kehr. Und gene­rell scheint sich das in letz­ter Zeit in Deutsch­land schon etwas zu bes­sern. Natür­lich gibt es immer noch über­all die Spin­ner, die beson­ders dicht über­ho­len müs­sen. Aber die aller­meis­ten ach­ten zuneh­mend auf Abstand, auch wenn sie dafür abbrem­sen oder sogar kurz war­ten müs­sen. Das ist schon eine deut­li­che Ent­wick­lung in die rich­ti­ge Richtung.

Zunächst ging es also durch den Böh­mer­wald. Und das im ste­ti­gen Auf und Ab. Das blieb den auch gan­zen Tag so. Und es blieb ein sehr kurz rhyth­mi­sier­tes Auf und Ab, mit vie­len klei­nen Abfahr­ten und kur­zen, aber durch­aus immer wie­der kna­cki­gen Anstie­gen auf der ande­ren Sei­te des Baches, zur nächs­ten Ansamm­lung von Höfen und Häu­sern. Das war übri­gens auch auf­fäl­lig: Die Sied­lungs­struk­tur unter­schei­det sich schon deut­lich, die Dör­fer sind oft (nicht immer, natür­lich) nur drei, vier, fünf Höfe und Häu­ser. Dafür ziem­lich dicht bei­ein­an­der, sobald ich aus dem eigent­li­chen Wald­ge­biet raus war und auf der Art Hoch­ebe­ne mit den vie­len Tälern und Wel­len unter­wegs war. Die­se vie­len An- und Abstie­ge hat­ten übri­gens auch mei­ne Höhen­me­ter­pla­nung durch­ein­an­der­ge­bracht: Statt knapp 1100 Höhen­me­ter, wie Komoot bei der Pla­nung behaup­te­te, waren das gute 1500 – ein Unter­schied, den mei­ne Bei­ne dann durch­aus bemerkten.

Aber erst ein­mal ging es ja durch den Böh­mi­schen Wald. Das war Wald im wahrs­ten Sinn des Wor­tes: Nichts als Fich­ten, Kilo­me­ter um Kilo­me­ter. Dann kamen die ers­ten Auf­lo­cke­run­gen, die ers­ten paar Wie­sen und Wei­den. Und die Agrar­flä­chen wur­den grö­ßer, die Wald­ab­schnit­te kür­zer, bis der eigent­li­che Wald ganz hin­ter mir lag. Das inten­si­ve Wald­er­le­benis lag aber auch an der geplan­ten Rou­te. Die führ­te mich näm­lich schon direkt nach der Gren­ze von der Fern­stra­ße weg auf klei­ne und kleins­te Sträß­chen. Das warr schon fast aben­teu­er­lich, weil die­se Stra­ßen – manch­mal nur ein bes­ser Feld- der Wald­weg – auch nicht immer sehr gut in Schuss waren. Da hol­per­te so eini­ges und zwang zu etwas vor­sich­ti­ge­rem, zurück­ge­nom­me­nem Fahren.

Aber den­noch lief es gut. Gro­ße Aben­teu­er hat­te ich ja für die­sen Tag nicht geplant, kei­ne Ber­ge, kei­ne lan­gen oder stei­len Anstie­ge. So kam ich rich­tig gut vor­wärts, hat­te viel Freu­de, weil ich dem Regen davon­fah­ren konn­te. Am spä­ten Vor­mit­tag und mit­tags kam dann sogar immer öfter die Son­ne zwi­schen den Wol­ken her­vor. Das hat­te mor­gens beim Start noch anders, näm­lich weni­ger freund­lich, ausgesehen.

Dann erwisch­te ich auch wie­der ein­mal eine Bau­stel­le mit gesperr­ter Stra­ße. Ich ver­such­te natür­lich wie­der mein Glück und schau­te, ob ich nicht trotz gesperr­ter Stra­ße durch­kom­me (oft geht das mit dem Rad ja schon noch irgend­wie). Hier war aber tat­säch­lich kein Durch­kom­men: Denn die Brü­cke über das Flüss­chen war sehr gründ­lich abge­baut und noch kein Ersatz da. Also muss­te ich eben doch wie­der umdre­hen, die wun­der­bar glat­te neue Stra­ße wie­der zurück und hoch und dann noch die eigent­li­che Umlei­tung. Das gab dann zusam­men knapp 15 Kilo­me­ter mehr auf dem Tacho.

Der Rou­ten­ver­lauf blieb dann aber freund­lich, vor­wie­gend über Feld, Wald und Wie­se und ein paar Dör­fer. Städ­te tou­chier­te ich nur ganz sel­ten, dafür ein­mal immer­hin mit einem rich­tig stei­len Hang. Da war ich glück­li­cher­wei­se auf Zack und bin recht­zei­tig auf den brei­ten Bür­ger­steig (wo kei­ne Fuß­gän­ger unter­wegs waren) aus­ge­wi­chen, sonst hät­te ich etwas weni­ger Spaß gehabt.

Das Ende zog sich dann auch ein biss­chen, aber irgend­wann tauch­te dann tat­säch­lich „Bad Bram­bach“ auf einem tsche­chi­schen Weg­wei­se auf. Und dann war es tat­säch­lich nicht mehr weit, noch ein letz­tes Stück auf dem recht neu­en, grenz­ver­bin­de­nen Rad­weg und geschwind durch das etwas her­un­ter­ge­komm­men wir­ken­de Bad Bram­bach zum Tages­ziel, dem Park­ho­tel am alten Kur­park, wor ich recht­schaf­fen müde anlangte.

Das Hotel war zwar güns­tig, aber auch mit Grund. Das Zim­mer war sehr ein­fach ein­ge­rich­tet, das Bad hat auch schon lan­ge kei­ne Ände­rung (ver­mut­lich seit ziem­lich genau 30 Jah­ren …) mehr gese­hen. Steck­do­se gab es nur eine in Fuß­bo­den­nä­he am Ein­gang des Zim­mers – das ist dann doch etwas sub­op­ti­mal, um die elek­tro­ni­schen Gerä­te zu laden. Dem Publi­kum war das wahr­schein­lich egal, die 70-/80-Jäh­ri­gen sahen nicht so aus, als wären sie gro­ße Smart­phone-Nut­zer. Das Abend­essen war ent­spre­chend ein­fach, das Früh­stück dann regel­recht bil­lig (und der Raum super eng und voll gestopft). Das war nun wirk­lich kei­ne unbe­ding­te Emp­feh­lung wert.

Die Tages­da­ten: 145 km, 1500 hm. Die Akti­vi­tät mit Kar­te und allen Daten: Klick.

Die „Regentour“: Von Bad Brambach durch das Vogtland nach Marktredwitz

Nach dem ent­täu­schen­den Früh­stück mach­te ich mich gegen 9 Uhr wie­der auf den Weg. Es nie­sel­te etwas unent­schlos­sen, mal mehr, mal weni­ger, mal gar nicht. Die Stra­ßen waren aber immer­hin schon ordent­lich nass. Mei­ne heu­ti­ge Rou­te soll­te micht in einem Bogen nord­west­wärts durch das Vogt­land füh­ren und dann ins Fich­tel­ge­bir­ge, nach Markt­red­witz (und damit zurück nach Bay­ern) brin­gen. Nach dem drit­ten Tag mit sei­ner unge­plan­ten Ver­län­ge­rung hat­te ich sie noch mini­mal gekürzt und mir eine wei­te­re Abkür­zung über­legt, als Mög­lich­keit, falls mei­ne Bei­ne nicht mit­spie­len woll­ten. Zunächst war aber erst mal los­rol­len ange­sagt: Ein Stück der gest­ri­gen Rou­te zurück und dann, im ers­ten Ort auf der tsche­chi­schen Sei­te, ab in die neue Rou­te. Und dann stand ich auch schon bald wie­der am Stra­ßen­rand: Das Hin­ter­rad war platt (end­lich, mein ers­ter Plat­ten am Renn­rad!). Zum Glück war ich gera­de in einem klei­nen Dorf und zum Glück reg­ne­te es gera­de nicht. Also bau­te ich das Rad aus und wech­sel­te den Schlauch. Das ging ein­fa­cher als ich befürch­te­te, war aber mit nas­sem und dre­cki­gem Rad eine rech­te Saue­rei. Und irgend­wie bin ich auch noch mit der rech­ten Hand abge­rutscht und habe mir am Zei­ge­fin­ger die Haut auf­ge­ris­sen, was natür­lich auch schön blu­te­te. Das Ein­bau­en des wie­der fahr­tüch­ti­gen Hin­ter­ra­des – das Auf­pum­pen mit der Mini­pum­pe ging erstaun­lich gut, wenn auch nicht ganz zu mei­nem bevor­zug­ten Luft­druck – war dann aller­dings erstaun­lich fum­me­lig, ich hat­te Schwie­rig­kei­ten, das Rad mit­tig ein­zu­bau­en und die Brem­se zum Funk­tio­nie­ren zu brin­gen. Aber auch das war dann geschafft, ich sam­mel­te mei­nen Kram zusam­men und mach­te mich wie­der auf den Weg.

Nun fing es auch bald an ernst­haft zu reg­nen – zumin­dest so ernst­haft, dass ich in die Regen­ja­cke wech­sel­te. Das war dann zeit­wei­se weni­ger lus­tig. Zum Bei­spiel bei der eigent­lich schö­nen Abfahrt. Im stark strö­men­den Regen und den fri­schen Tem­pe­ra­tu­ren mach­te das aber kaum Spaß: Ich trau­te mich nicht recht, fuhr also eher ver­hal­ten. Und trotz­dem wur­den die Hän­de kalt und käl­ter. Da hät­te ich doch auf die lan­gen Hand­schu­he (die ich ja im Gepäck hat­te) wech­seln sol­len, unter­ließ das aber aus Stur­heit. Es blieb dann beim Wet­ter ziem­lich gleich: Der Regen ließ mal nach, wur­de mal wie­der stär­ker, mach­te auch die eine oder ande­re Pau­se. Aber rich­tig tro­cken wur­de es an dem Tag nicht mehr.

Bei der als mög­lich geplan­ten Abkür­zung kam ich dann auch gar nicht in Ver­su­chung, denn genau hier war mal wie­der die Stra­ße wegen einer lan­gen Bau­stel­le gesperrt. Das tan­gier­te mich aber nicht wei­ter, die geplan­te Rou­te war fahr­bar und führ­te mich mal wie­der in Win­ter­sport­hö­hen. Der Anstieg da hin­auf war aber gar nicht schlimm. Die Abfahrt war dann viel rasan­ter – wie­der ein­mal ein klei­nes Sträß­chen. Auf­grund des eher wid­ri­gen Wet­ters und des unüber­sicht­li­chen Stra­ßen­ver­laufs nutz­te ich das aber nicht voll­kom­men aus, son­dern fuhr lie­ber defensiv. 

Die Stre­cke am vier­ten Tag mit meh­re­ren Grenz­über­trit­ten war ins­ge­samt eigent­lich ganz nett, hat­te aller­dings meh­re­re klei­ne­re und mitt­le­re Städ­te zu durch­que­ren. Das Wet­ter blieb aber nicht nett, grau und nass war es den gan­zen Tag. So konn­te ich die Viel­falt der Stre­cken­füh­rung nicht so recht genie­ßen und war dann doch recht froh, als ich nach 108 Kilo­me­tern und 900 Höhen­me­ter (die sich nach deut­lich mehr anfühl­ten …) in Markt­red­witz anlan­ge. Dort hat­te ich im Hotel Bär ein Zim­mer gebucht, das sich als nett, aber auch als recht klein ent­pupp­te. Vor allem das Bad war schon sehr eng und platz­spa­rend gebaut. Doch das Hotel­re­stau­rant bot gutes und reich­hal­ti­ges Essen, einen sehr lecke­ren Bur­ger gönn­te ich mir zur Stärkung.

Die Tages­da­ten: 108 km, 900 hm. Die Akti­vi­tät mit Kar­te und allen Daten: Klick.

Die „Heimfahrt“: Von Marktredwitz nach Regensburg

Am Mitt­woch, dem letz­ten Tag der Rund­rei­se, genoss ich nach eher mäßi­gem und knap­pen Schlaf – ich konn­te irgend­wie kaum ein­schla­fen – zunächst aus­gie­big das sehr gute, viel­fäl­ti­ge und reich­hal­ti­ge Früh­stücks­buf­fet (das bes­te Früh­stück der Tour). Nach der sehr unkom­pli­zier­ten und geschwin­den Abrech­nung war ich wie­der auf dem Rad, und vom Start weg im Regen schon wie­der. Da es aber nicht sehr stark (aller­dings durch­aus bestän­dig reg­ne­te), fing ich erst ein­mal in der Wind­ja­cke an – es kam ja bald der ers­te (und haupt­säch­li­che) „Berg“ des Tages, da wür­de ich schon warm wer­den. Die Bei­ne waren aller­dings wie­der­um alles ande­re als aus­ge­ruht – aber irgen­wie wür­de ich schon heimkommen … 

Nach einer klei­nen inner­ört­li­chen Umlei­tung in Markt­red­witz (der Tag fing gut an!), roll­te es dann tat­säch­lich recht gut. Meist war ich wie­der auf klei­ne­ren Stra­ßen und Wegen unter­wegs, das ist dann doch ein­fach viel ange­neh­mer als auf den direk­te­ren, aber stär­ker befah­re­nen Stre­cken. Spä­ter am Tag kam dann natür­lich noch eine Sper­rung, die ich vor­sichts­hal­ber igno­rier­te (die Umlei­tung war schon recht groß­räu­mig für Rad­fah­rer­bei­ne) und mit Glück pro­blem­los durch die heu­te sowie­so ver­las­se­ne Bau­stel­le kam. Den Vor­mit­tag über hat­te ich ver­teilt immer mal wie­der Regen, zum Glück meis­tens nicht sehr stark. Aber doch immer­hin so, dass ich wie­der schön nass war. Vor allem die Füße spür­ten das trotz Über­schu­hen, für die Hän­de hat­te ich auf lang­fing­ri­ge Herbst­hand­schu­he gewech­selt, was eine gute Ent­schei­dung war.

Die Rou­te am Abschluss­tag war nun nicht gera­de die schöns­te der Tour. Ich woll­te ja heim­kom­men, des­we­gen habe ich mich für den direk­te­ren Weg ent­schie­den und auf land­schaft­li­che schö­ne Tou­ren­füh­rung eher ver­zich­tet – das waren im Plan immer­hin doch noch knapp 140 Kilo­me­ter, für den fünf­ten Tag also gera­de genug. Dafür war ich jetzt eben mehr in den Städ­ten (durch Wei­den, Schwan­dorf, Max­hüt­te-Haid­hof und so wei­ter) und dem dich­ter besie­del­ten Land unter­wegs, immer wie­der auch in der Nähe der Auto­bahn (oder unter und über ihr). Doch es ließ sich ins­ge­samt durch­aus ordent­lich radeln. Nur war es heu­te eben nicht mehr so ein­sam und länd­lich wie in den letz­ten Tagen. Aber dafür war die Stre­cke ja etwas fla­cher, ich konn­te also, trotz der nicht gera­de fri­schen Bei­ne, durch­aus Tem­po machen. Und dann, auf dem letz­ten Stück am Regen bis hin­ein nach Regens­burg, auf dem gut aus­ge­bau­ten Regen­rad­weg sogar (gefühlt) rich­tig Gas geben. Denn Rad­ver­kehr war an einem Mitt­woch natür­lich wenig, die Rad­we­ge hat­te ich fast durch­ge­hend für mich allei­ne. Und so erreich­te ich dann schon recht früh am Nach­mit­tag wie­der Regens­burg – ver­dreckt, aber glücklich. 

Die Tages­da­ten: 139 km, 700 hm. Die Akti­vi­tät mit Kar­te und allen Daten: Klick.

Die Gesamtwertung

620 km und knapp 6000 Höhen­me­ter hat­ten mei­ne Bei­ne mich in die­sen fünf Tagen gebracht – und mir viel Freu­de gemacht. Das war bestimmt nicht mein letz­ter Aus­flug in die baye­ri­schen oder böh­mi­schen Wäl­der und Mit­tel­ge­bir­ge. Immer­hin fünf Mit­tel­ge­bir­ge habe ich ja gesam­melt: Baye­ri­scher Wald, Böh­mi­scher Wald, Vogt­land, Fich­tel­ge­bir­ge, Ober­pfäl­zer Wald. Und das hat für mich wie­der mal gezeigt: Es muss gar nicht immer spek­ta­ku­lär und weit weg sein, auch direkt vor der Haus­tür fin­det man genü­gend Aben­teu­er. Ein paar Tage hin­ter­ein­an­der Rad­fah­ren ist immer wie­der eine schö­ne Sache, die ich wohl öfters machen soll­te. Gera­de so eine Rund­tour von Haus­tür zu Haus­tür kommt mir sehr ent­ge­gen: Das redu­ziert den Auf­wand deut­lich, man muss sich nicht um Orga­ni­sa­ti­on, Tickets und Fahr­plä­ne küm­mern, son­dern kann ein­fach los­fah­ren. Die Stei­ge­rung wäre jetzt noch, die Hotels nicht im vor­hin­ein zu buchen (das hat­te ich die­ses Mal unge­fähr 10 Tage vor­her, nach­dem mei­ne gro­be Rou­ten­pla­nung stand, gemacht), son­dern ein­fach auf gut Glück los­zu­fah­ren … Da bin ich bis­her immer zu ängst­lich gewe­sen. Aber viel­leicht soll­te ich das doch ein­fach mal pro­bie­ren, um die Frei­heits­gra­de noch etwas zu erhöhen.

Bes­ser wäre es frei­lich gewe­sen, ein oder zwei Wochen vor­her zu fah­ren. Da war es näm­lich noch wär­mer und tro­cke­ner. Das lässt sich frei­lich nicht immer per­fekt pla­nen. Aber immer­hin hat­te ich genü­gend Ausrüstung/​Klamotten dabei, das hat sich eigent­lich recht gut bewährt: Kur­ze Rad­ho­se und kur­zes Tri­kot, dazu Arm­lin­ge und recht war­me Bein­lin­ge (die ich drin­gend gebraucht habe nach den ers­ten Tagen), sowohl eine dün­ne Wind­ja­cke, die nicht rich­tig was­ser­fest ist (aber ein leich­tes Nie­seln gut aus­hält) als auch eine ordent­li­che Regen­ja­cke. Und natür­lich Hand­schu­he in kurz und lang eben­so wie die Regen­über­schu­he. Das pass­te zus­ma­men mit mei­nen (sehr redu­zier­ten) Zivil­kla­mot­ten und dem rest­li­chen Klein­kram gut in die gro­ße Sat­tel­ta­sche, so dass ich mit Sat­tel­ta­sche und Ober­rohr­ta­sche für fünf Tage per­fekt zurecht kam.