Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

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Fahrradwochenende in Tauberfranken

Den Vor­teil, im katho­li­schen Bay­ern zu woh­nen und zu arbei­ten, habe ich die­ses Jahr für einen klei­nen Rad­ur­laub genutzt: Den Fei­er­tag Fron­leich­nam mit dem „Brü­cken­tag“ und einem zusätz­li­chen Urlaubs­tag am Mon­tag dar­auf ergänzt und so fünf Tage genutzt, um mein Rad etwas aus­zu­fah­ren. Und damit ich das auch wirk­lich mache und nicht wie­der auf der Couch lan­de, habe Regens­burg dafür ver­las­sen. Der Plan sah so aus: Am Don­ners­tag zu mei­ner Unter­kunft für die nächs­ten Tage in Tau­ber­fran­ken, dann dort eini­ge klei­ne­re Tou­ren, und am Mon­tag wie­der zurück in die Ober­pfalz. So ist es dann geworden:

Donnerstag (Fronleichnam)

Mor­gens, nach dem schnel­len Packen und Rad fer­tig machen (das meis­te war ja aber schon vor­be­rei­tet) das mini­ma­le Ein­rol­len zum Prü­fe­n­in­ger Bahn­hof. Und von dort bin ich dann erst ein­mal mit dem Zug los in Rich­tung Nürn­berg – denn die kom­plet­te Stre­cke auf dem Rad wäre bei ca. 260 Kilo­me­tern gelan­det und das erschien mir ob der man­geln­den Fit­ness dann doch etwas viel für den Auf­takt. Da natür­lich aus­ge­rech­net jetzt die Bahn an der Stre­cke Regens­burg-Nürn­berg arbei­te­te, hat­te ich anders pla­nen müs­sen. Also zunächst in einem nahe­zu lee­ren Zug nach Ingol­stadt und dort umstei­gen in den deut­lich vol­le­ren – für Räder war nicht mehr viel Platz – Zug nach Nürn­berg (der aus Mün­chen kam und des­halb gut gefüllt war). Bis Nürn­berg habe ich mich aber nicht fah­ren las­sen. Ich woll­te nicht mit­ten in der Stadt mei­ne Tour begin­nen, das macht ja meis­tens eher weni­ger Spaß, zumal wenn man sich gar nicht aus­kennt. Also habe ich den Zug in Aller­s­le­ben, dem letz­ten Halt vor Nünrber, ver­las­sen – ein typi­scher Pend­ler­halt, schein­bar im Nir­gend­wo zwi­schen den Orten, dafür mit sehr groß­zü­gi­gen Park­plät­zen. Mei­ne Rou­te – die ich mir vom nicht genug zu loben­den BRou­ter erstel­len habe las­sen – führ­te mich auf etwa 160 Kilo­me­tern in Rich­tung Nord­wes­ten (so ganz grob zumin­dest …), nach Uis­sig­heim – ein klei­nes Dorf, das man wirk­lich nicht ken­nen muss.

Die Son­ne schien um 7.45 Uhr bereits merk­bar, also habe ich noch geschwind mein Tri­kot auf (Hoch-)Sommer gewech­selt und bin nach einem kur­zen Früh­stück end­lich los­ge­ra­delt. Und das war rich­tig, rich­tig schön. Die Stre­cke war von Anfang an wun­der­bar: Schö­ne, an die­sem Fei­er­tag-Mor­gen nahe­zu men­schen­lee­re Neben­stra­ßen übers Land, durch Feld und Wald, durch Dör­fer und klei­ne­re Städ­te, über Hügel und Täler. Böse, lan­ge, har­te Stei­gun­gen waren nicht drin, vor allem der Anfang war sehr auf­wärm­freund­lich. Und so roll­te es einfach. 

Und es war wun­der­schön, ein­fach das pure Genie­ßen. Ich mag das ja so sehr am Rad­fah­ren: Mit mir allein zu sein, ein­fach ich und mein Rad (und mein Com­pu­ter, der mir den Weg weist). Denn so erfährt man die Land­schaft, die Umge­bung, das Wet­ter, die Stim­mung, kurz: den Tag und die Welt über­haupt viel unmit­tel­ba­rer und auch direk­ter, dabei ganz unkom­pli­ziert und irgend­wie „ein­fach“. Das ist ein­fach wun­der­schön. Sicher, das wird auch mal anstren­gend und führt auch mal durch Gegen­den oder Abschnit­te, die nicht so wahn­sin­nig pit­to­resk sind – hier ein paar Kilo­me­ter Bun­des­stra­ße zum Bei­spiel, dort eine alte Mili­tär­stra­ße mit Beton­fahr­bahn, … Aber den­noch oder gera­de des­we­gen: Das hat eine Schön­heit, gera­de in der (schein­bar) unbe­schwer­ten Ein­fach­heit, die man (ich) auf die­se Wei­se ganz anders erfährt als wenn ich zum Bei­spiel mit dem Auto durch­fah­ren würde. 

Das ist übri­gens auch ein ech­ter Segen der GPS-Navi­ga­ti­on mit dem Gar­min, den ich gar nicht genug schät­zen und loben kann: Die Navi­ga­ti­on pas­siert nahe­zu von selbst. Bei Orts- und Stadt­durch­fahr­ten wechs­le ich gele­gent­lich die Ansicht, um bes­ser zu sehen, wohin die Rou­te geht – aber sonst funk­tio­niert das enorm gut, sich ein­fach auf die Navi­ga­ti­ons­an­sa­gen zu ver­las­sen. Und das macht das Tou­ren so unge­heu­er ent­spannt. Von der Stre­cke, die ich gefah­ren bin, kann­te ich so unge­fähr (und das auch nicht rich­tig gut) die letz­ten fünf Pro­zent. Der Rest war mir völ­lig unbe­kannt – nicht nur die kon­kre­te Rou­te, son­dern über­haupt die gan­ze Region(en), die ich durch­fuhr. Das war mit Papier­na­vi­ga­ti­on nie so gelas­sen zu machen. Und wahr­schein­lich hät­te ich so eine Rou­te auch ohne Com­pu­ter­un­ter­stüt­zung nie geplant: Da sind schon mal eini­ge schein­bar über­flüs­si­ge Abbie­ge­ma­nö­ver drin – vor allem, um beleb­te­re Stra­ßen zu ver­mei­den. Das gelingt dem BRou­ter wirk­lich gut, bes­ser übri­gens auch als etwa Komoot oder Garmin. 

Sechs Stun­den habe ich mich so her­um­ge­trie­ben, mit ein paar Päu­schen hat das sehr gut geklappt. Sehr gut geklappt hat an die­sem Tag – und auch den fol­gen­den – übri­gens auch die neue Hose von Ever­ve. Als ich die das ers­te Mal in den Hän­den hielt, war ich etwas skep­tisch ob der zwei klei­nen Pols­ter. Aber die sind so geschickt kon­stru­iert und geformt, dass die­se Hose wirk­lich aus­ge­zeich­net funk­tio­niert – bes­ser als die meis­ten ande­ren Rad­ho­sen mit ihren deut­li­chen dicke­ren udn auf­wän­di­ge­ren Pols­tern. Kann ich wirk­lich sehr empfehlen! 

Und so radel­te ich also vor mich hin, durch ziem­lich viel Land­schaft. Das meis­te war im offe­nen Land, nur kür­ze­re Wald­stü­cken waren dabei. Grob führ­te mei­ne Fahrt mich über Schwa­bach und Roß­tal nach Ille­sheim. Da war übri­gens der ein­zig schlech­te Abschnitt mei­ner Tour­pla­nung: Die mini­ma­le Abkür­zung über die beto­nier­te Mili­tär­stra­ße (im Umfeld der dor­ti­gen US-Basis) wäre so eigent­lich nicht nötig gewe­sen. Die nächs­ten Sta­tio­nen waren dann Uffen­heim und eini­ge klei­ne und kleins­te Dör­fer nach Unter­wit­tig­hau­sen und wei­ter über Grüns­feld und Ger­lachs­heim ins Tau­ber­tal. Dem folg­te ich durch Tau­ber­bi­schofs­heim nach Hoch­hau­sen, um die letz­ten Anstren­gung, die letz­ten bei­den (vor allem nach gut 150 Kilo­me­tern nicht ganz ein­fa­chen) Hügel bis nach Uis­sig­heim. Nach ziem­lich genau sechs Stun­den Fahr­zeit waren die 160 Kilo­me­ter und gut 1000 Höhen­me­ter dann absol­viert und ich konn­te mir die Dusche auf­bau­en, um den Schweiß loszuwerden.

Selbstporträt nach Radtour
Mat­thi­as | Täg­lich lau­fen Angekommen!

Und wie­der ein­mal zeig­te sich: Die Erschöp­fung län­ge­rer Rad­tou­ren ist irgend­wie anders als beim Lau­fen. Ver­mut­lich spielt der (Fahrt)Wind kei­ne gerin­ge Rol­le. Jeden­falls brau­che ich doch immer recht lan­ge, mich von so etwas zu erho­len – und über­haupt wie­der Hun­ger und Durst zu haben.

An der Unterkunft
Mat­thi­as | Täg­lich lau­fen Mein Rad vor der (noch ver­schlos­se­nen) Unterkunft

Freitag

Am Frei­tag, den ers­ten vol­len Tag, hat­te ich nur eine Vor­mit­tags-Tour geplant. Mit­tags war näm­lich Gril­len mit Fami­li­en ein­ge­plant. Viel mehr wäre aber auch nicht sinn­voll gewe­sen, zumal in der Run­de, die ich grob in Rich­tung Süden von Uis­sig­heim aus geplant hat­te, eini­ge Hügel, die fast schon Ber­ge sind, drin waren. 

Und mei­ne Güte, die Hügel in Tau­ber­fran­ken und Umge­bung sind wirk­lich nicht zu unter­schät­zen. Da sind ganz schön kna­cki­ge Stei­gun­gen dabei. Das ist ja auch so etwas, was man beim Unter­wegs­sein mit moto­ri­sier­ten Fahr­zeu­gen schnell unter­schätzt und gar nicht mehr wahr­nimmt. Gera­de die Anhäu­fung von schein­bar klei­nen, harm­lo­sen Stei­gun­gen lässt sich auf dem Fahr­rad doch ganz anders „erfah­ren“. Des­we­gen waren die Tou­ren vor Ort dann etwas kürzer.

Für Frei­tag hat mein Rou­ting mich manch­mal etwas arg abseits geführt. Das liegt auch dar­an, dass in Baden-Würt­tem­berg (oder viel­leicht auch nur in die­ser Regi­on?) vie­le befes­tig­te Feld­we­ge offi­zi­ell Stra­ßen sind, also kei­ne Nut­zungs­be­schrän­kung (oder höchs­tens eine Gewichts­be­schrän­kung, nicht aber das typi­sche „Land- und Forst­wirt­schaft frei“) haben. Dadurch kom­men sie viel mehr in den Blick der com­pu­te­ri­sier­ten Rou­ten. Das kann sehr schö­ne Effek­te haben, manch­mal aber auch einen Tick ner­ven. Ich hat­te zum Bei­spiel einen wun­der­schö­ne Wald­ab­fahrt dabei. Weil das aber eben so ein asphal­tier­ter Wald­weg war, konn­te ich das nur halb genie­ßen – über 30 km/​h woll­te ich mei­nen Rädern hier kaum zumu­ten, dafür waren doch ein­fach zu vie­le Löcher und Kan­ten da … Aber qua­si zur Beloh­nung hat­te ich dann unten einen wun­der­schö­nen Abschnitt durch die Fel­der und Wie­sen eines Sei­ten­tals, ganz ver­las­sen und leer von Men­schen und Maschi­nen. Das wiegt dann die weni­ger geglück­ten Stel­len sehr schnell wie­der auf …

Jeden­falls ging es von Uis­sig­heim erst ein­mal grob nach Süden. Über ver­steck­te Wege zunächst nach König­heim und über Gis­sig­heim nach Buch. Da hat­te ich dann schon andert­halb Ber­ge hin­ter mir. Und es ging eigent­lich erst rich­tig los, auf einer sehr schö­nen Stre­cke durch den Wald nach Uif­fin­gen. In Wöl­chin­gen bog ich dann ab – und gleich voll in den Berg hin­ein, vom Ort aus schon in eine kna­cki­ge Stei­gung, die jetzt schön in der Son­ne zwi­schen den Wie­sen lag … Oben ange­kom­men, muss­te ich das biss­chen Schat­ten, das ein klei­nes Wald­stück­chen spen­de­te, erst ein­mal für eine kur­ze Pau­se nut­zen. Nach einer kur­zen Abfahrt ging es nach Epp­lin­gen näm­lich gleich wie­der hin­auf. Zwar nicht sehr lang, aber doch ziem­lich kna­ckig. Die Abfahrt nach Kupp­rich­hau­sen ent­schä­dig­te immer­hin etwas. Dem folg­te aber gleich wie­der ein guter Anstieg. Doch dann auch, logisch, wie­der eine schö­ne Abfahrt, die tat­säch­lich sehr genuss­voll war – bis an den Orts­rand von Tau­ber­bi­schofs­heim. Da bog ich dann wie­der ab und muss­te für die Erho­lung auf der Abfahrt ordent­lich büßen. Die Stra­ße nach Eier­s­heim führt näm­lich, wen wundert’s, noch ein­mal über den Berg. Doch von Eier­s­heim war dann Uis­sig­heim nicht mehr weit und die „klei­ne“ Run­de auch schon been­det. Damit war es dann aber auch genug für den zwei­ten Tag – zumin­dest genü­gend Hügel …

Die­se „klei­ne“ Run­de war­te­te mit 62 Kilo­me­tern und knapp 900 Höhen­me­tern auf und wur­de von mir in ca. 2:45 Stun­den gefahren.

Samstag

Für den Sams­tag hat­te ich eigen­lich eine Rad­pau­se ein­ge­plant. Ange­sichts des Wet­ter­be­richts, der für Sonn­tag Regen vor­her­sag­te, tau­sche ich das dann aber doch und setz­te mich mor­gens wie­der in den Sat­tel. Die­ses Mal führ­te mei­ne Pla­nung mich in die ande­re Him­mels­rich­tung, nach Wes­ten und in den Nor­den: Über die Hoch­ebe­ne und dann ins Erftal hin­un­ter und bei­na­he bis zum Main, in Eichen­bühl wie­der hoch und in einem grö­ße­ren Bogen zurück. Die Stre­cke von Eichen­bühl hin­auf, frü­her für ein (Auto-)Bergrennen genutzt, kann­te ich nur von einer Auto­durch­fahrt. Und der blick­te ich etwas mit Ban­gen ent­ge­gen. Denn natür­lich waren mei­ne Bei­ne nicht frisch, das merk­te ich schon recht deut­lich. Der „Berg“ war dann aber gar nicht so schlimm: Die Stra­ße hat eine sehr gleich­mä­ßi­ge, nicht über­mä­ßi­ge Stei­gung. Und ich hat­te, wohl eher per Zufall, sehr schnell den rich­ti­gen Gang erwischt. Und in dem bin ich das dann doch recht ent­spannt die paar Kilo­me­ter hoch­ge­kur­belt. Klar, das war nicht beson­ders schnell. Aber beson­ders hart und lang­sam eben auch nicht. Das ein­zig wirk­lich ner­vi­ge war der jun­ge Agrar­tech­ni­ker, der mit sei­nem über­di­men­sio­nier­ten Trak­tor und Jau­che­fass mit regel­wid­rig so dicht über­ho­len muss­te, dass ich den Fahrt­wind der Räder an mei­nem Arm spür­te – von wegen zwei Meter Min­dest­ab­stand außerorts! 

Bis Erlen­bach war mei­ne Stre­cke eher unspek­ta­ku­lär gewe­sen: Über Küls­heim und die alte Stra­ße nach Stein­bach, Hundheim und Richel­bach. Von dort ging es dann sehr geschwind run­ter ins Erftal, das ich bei Rie­dern erreich­te. Dem folg­te ich dann, auf regen­nas­ser Fahr­bahn, bis Eichen­bühl. Nach den ers­ten 25 Kilo­me­tern ging es dann in die ca. 5 Kilo­me­ter lan­ge Stei­gung. Und oben genoss ich dann das Fah­ren: Es ist eben doch immer wie­der eine unge­ahn­te Befrie­di­gung, wenn der Berg sich end­lich abflacht und die Hoch­ebe­ne sich eröff­net … Und hier, auf mei­nem wei­te­ren Weg über Neun­kir­chen, Nas­sig, Sach­sen­hau­sen nach Hundheim waren dann noch ein paar geschickt plat­zier­te Wel­len drin, die mein Tem­po gut erhöh­ten – das fühl­te sich herr­lich geschwind an, so über die Höhe zu brau­sen. Das räch­te sich natür­lich dann zuneh­mend. Die eigent­lich harm­lo­sen Wel­len und eher unbe­deu­ten­den Anstie­ge wur­den zum Ende immer mehr zu Ber­gen, die sich vor mir auf­zu­tür­men schie­nen. Ich schal­te­te stän­dig hoch und run­ter, das Tem­po schwank­te ent­spre­chend immer mehr. Die Bei­ne waren jetzt halt doch aus­gie­big erschöpft nach den unge­wohn­ten Anfor­de­run­gen und Belas­tun­gen der letz­ten Tage. Aber irgend­wann war dann Küls­heim durch­fah­ren und die letz­ten Kilo­me­ter nach Uis­sig­heim auch noch zu schaffen. 

Das schlug dann mit 58 Kilo­me­tern, etwas mehr als 600 Höhen­me­ter und 2:15 Stun­den zu Buche.

Nachmittagsbelohnung
Mat­thi­as | Täg­lich lau­fen Nach­mit­tags­be­loh­nung (schließ­lich ist Urlaub)

Sonntag

Sonn­tag war dann „Ruhe­tag“, das Wet­ter ent­spre­chend der Vor­her­sa­ge auch reg­ne­risch, immer wie­der klei­ne­re Schau­er. Ich nutz­te das zum aus­gie­ben Lesen, einem klei­nen (wirk­lich nur klei­nen) Läuf­chen und einem län­ge­ren Spaziergang.

Montag

Am Mon­tag stand schon die Rück­rei­se an. Die habe ich wie­der­um kom­bi­niert mit Rad und Zug über­nom­men. Zunächst gut zwan­zig Kilo­me­ter­chen (und einen kna­cki­gen Hügel) mit dem Rad nach Lau­da-Königs­ho­fen, dann mit dem Zug über Würz­burg und Nürn­berg nach Neu­markt in der Ober­pfalz. Und von dort eben die rest­li­chen knapp 65 Kilo­me­ter wie­der mit dem Fahr­rad. Das war auch wie­der eine ganz net­te, sanft hüge­li­ge Stre­cke. Nicht so wahn­sin­nig span­nend – vor­wie­gend auf dem Rad­weg direkt neben der Bun­des­stra­ße -, aber es hat auch sehr gut funk­tio­niert: Aus Neu­markt hin­aus geht es erst ein­mal in einen kna­cki­ge, sich ziem­lich zie­hen­den Anstieg. Nach der geschwin­den Abfahrt nach Dei­ning wie­der­holt sich das noch ein­mal in einer kür­ze­ren Vari­an­te. Die wei­te­re Stre­cke über Batz­hau­sen, Seu­bers­dorf, Daß­wang und Hemau ist dann eher sanft gewellt. Von Hohen­scham­bach geht es dann steil hin­ab nach Deu­ter­ling am Bach. Und dann kann­te ich mich auch wie­der aus: Über Deu­er­ling und Undorf bin ich hin­über ins Naab­tal, um dann recht ent­spannt mit der Maria­or­ter Eisen­bahn­brü­cke die Donau wie­der zu über­que­ren. Und kaum war ich zu Hau­se in Regens­burg ange­langt, konn­ten die dunk­len Wol­ken, die mich schon län­ger beglei­tet hat­ten, ihr Ver­spre­chen end­lich ein­lö­sen und etwas Regen beisteuern.

Zusam­men ergibt das für den Mon­tag knapp 83 Kilo­me­ter mit etwa 660 Höhen­me­tern, die ich in etwas mehr als drei Stun­den gera­delt bin.

Touren-Übersicht

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Aller­s­berg – Uissigheim
Frei­tags-Tour
Sams­tags-Tour
Mon­tags-Tour 1
Mon­tags-Tour 2

Neu im Fuhrpark: Singlespeed

Mein Zwei­rad-Fuhr­park ist noch ein klei­nes biss­chen gewach­sen: Seit kur­zem bin ich jetzt auch noch im Besitz eines schi­cken Sin­g­le­speed-Rades. Das ein­fa­che und güns­ti­ge Modell, ein Lea­der FF1 von Tret­werk, konn­te ich qua­si neu aus zwei­ter Hand erwer­ben (und dabei noch ein paar Euro spa­ren): unge­fah­ren, aber auf­ge­baut (aller­dings hat­te der Vor­be­sit­zer die Vor­der­rad­brem­se falsch mon­tiert). Und nach nach den ers­ten Test kann ich sagen: So ein Räd­chen macht eine Men­ge Spaß. Man muss beim Fah­ren noch weni­ger „den­ken“, son­dern tritt ein­fach in die Peda­le. In der Stadt funk­tio­niert das her­vor­ra­gend. Am Wochen­en­de habe ich es sogar für zwei, drei kur­ze Stre­cken im Oden­wald getes­tet und dabei fest­ge­stellt, dass sogar das geht – wenn man klei­ne Umwe­ge zur Ver­mei­dung der steils­ten Anstie­ge in Kauf nimmt ;-). Aber in ers­ter Linie habe ich das natür­lich für die (fast) fla­che Innen­stadt von Mainz erwor­ben. Und da flutscht es mit dem Ding ein­fach. Und schick ist es noch dazu (vor allem, nach­dem ich alle – und das waren wirk­lich vie­le! – Auf­kle­ber ent­fernt habe …)

Sonntagsausfahrt

Am Sonn­tag­nach­mit­tag war ich noch kurz mit dem Lie­ge­rad im Oden­wald unter­wegs. Dass es der Oden­wald war, sieht man sofort am Geschwindigkeitsdiagramm:

Tempodiagramm 18.8.2013

Tem­po­dia­gramm 18.8.2013


Auf­grund des Wet­ters wur­de es kei­ne beson­ders lan­ge Aus­fahrt. Dabei hat­te es ganz gut ange­fan­gen: Von Erbach aus über Erbuch nach Bull­au hin­auf – fast die gan­ze Zeit hat­te ich zwei Renn­rad­ler im Blick­feld vor mir, mal etwas näher, dann wie­der etwas wei­ter weg. Aber die hat­ten es ganz offen­bar nicht beson­ders eilig, sonst hät­te sie mich bei den Berg­auf­fahr­ten eigent­lich locker abhän­gen kön­nen und sol­len. Kurz vor Bull­au haben sie es dann geschafft – da war ich schon etwas aus­ge­powert und fuhr eine Wei­le in einem sub­op­ti­ma­len Gang …
Von Bull­au bin ich dann durch den Wald am Bullau­er Bild hin­über zum Würz­ber­ger Jäger­tor – das war eine aben­teu­er­li­che Sache. Das ist zwar ein offi­zi­el­ler Rad­weg. Aber mit einem Fahr­rad kaum ver­nünf­tig zu befah­ren, zumin­dest nicht in einem halb­wegs ordent­li­chen Tem­po. Drei Voll­brem­sun­gen mit ein­mal bei­de Füße auf den Boden habe ich gebraucht: Wenn die­ser Weg nicht total hän­gend nach allen Sei­ten ist, dass man kaum einen Pfad zum Fah­ren fin­det, ist er mit Schlag­lö­chern über­setzt. Und die Schlag­lö­cher sind hier rich­ti­ge Gru­ben, in denen ich pro­blem­los mein Hin­ter­rad ver­sen­ken hät­te kön­nen – nur wäre ich dann wohl nciht mehr hin­aus­ge­kom­men. Zum Glück hat es aber immer noch gera­de so geklappt. Nur die bei­den älte­ren Damen kurz vor Würz­berg waren dann total über­rascht, als ich von hin­ten anrausch­te – obwohl ich kräf­tig (soweit das ging …) klin­gel­te und mein Rad auf der schlech­ten Schot­ter­pis­te ganz schön schepperte …
Kaum war ich wie­der auf asphal­tier­ten Wegen, fing es dann an zu reg­nen – und zwar ziem­lich kräf­tig. Am Abzweig zur Man­gels­bach habe ich dann sozu­sa­gen die Not­brem­se gezo­gen und mich erst ein­mal eine knap­pe hal­be Stun­de in die Bus­hal­te­stel­le ver­krü­melt. Denn als nächs­tes stand die Abfahr über die B47 nach Michel­stadt hin­un­ter auf dem Plan – und die ist selbst bei guten Ver­hält­nis­sen anstren­gend: Schnell, eini­ge enge Kur­ven – und vor allem viel Ver­kehr. Zum Glück hat es dann irgend­wann deut­lich nach­ge­las­sen, mei­ne Geduld war näm­lich längst am Ende. Also zog ich mei­ne Jacke über und habe es gewagt. Die Abfahrt war dann stel­len­wei­se hei­kel – oder kam mir zumin­dest so vor. Mit knapp 60 km/​h auf regen­nas­ser Fahr­bahn, teil­wei­se noch von den Autos ein­ge­ne­belt: Das war für mei­ne beschei­de­nen Fahr­küns­te grenz­wer­tig. Es hat aber alles geklappt, ich bin heil und glück­lich unten ange­kom­men und war ja dann auch kurz dar­auf schon wie­der zu Hau­se. Aber die dunk­len Wol­ken am Him­mel hat­ten mir die Lust auf die eigent­lich geplan­te wei­te­re Schlei­fe ausgetrieben …

Wigald Boning läuf nachts – und bekennt sich dazu

Und er tut das, das Beken­nen natür­lich, in einem net­ten Buch: „Bekennt­nis­se eines Nachtsportlers“.
Das ist rund­um unter­halt­sam und amü­sant, aber eher schmun­zelnd als – wie der Klap­pen­text ver­heißt – im Sin­ne eines „Lach­mus­kel­trai­ning“. Sooooo lus­tig fin­de ich sei­ne auto­bio­gra­phi­sche Schil­de­rung sei­nes sport­li­chen Lebens, der Ver­su­che, das mit Beruf und Fami­lie in Ein­klang zu brin­gen, auch wie­der nicht. Aber es ist ein sehr locke­rer Text. Und auch das Lau­fen geschieht eher neben­bei , der Mara­thon geschieht in ein paar Zei­len, der ers­te Ultra hat immer­hin eini­ge Sei­ten, in denen es aber nicht so sehr ums Lau­fen als um das Drum­her­um geht. Und um ganz viel Leicht­sinn. Zumin­dest so wie Boning es erzählt, ist er extrem unvor­sich­tig und drauf­gän­ge­risch, ris­kiert Leib und Leben (übri­gens nicht nur sei­nes) – es sei mal dahin­ge­stellt, ob das der Rea­li­tät ent­spricht oder ob er nur ger­ne dra­ma­ti­siert. Aber ver­füh­re­rerisch und eben leicht­sin­nig ist es doch – „Und zurück kammt man immer, irgend­wie.“ ist offen­bar sien Haupt­mot­to gewor­den – und das ist schon grenz­wer­tig, fin­de ich …

Mein Fazit daher: Das ist eher ein Lauf­buch für Nicht­läu­fer – oder ein Sport­buch für Boning-Fans. Und eine ganz ange­nehm-net­te Bett­lek­tü­re – ohne gro­ßen Anspruch und beson­de­ren Erkenntniswert.

Wigald Boning: Bekennt­nis­se eines Nachtsport­lers. Rein­bek: Rowohlt 2007. 299 Sei­ten. ISBN 9783 – 499-62192 – 5

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