Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

Kategorie: Landschaften (Seite 3 von 3)

deutschland ist schön

sogar bei einem solch unan­ge­neh­men wet­ter wie heu­te. und wie schön, erfährt man beim lau­fen immer wie­der neu. heu­te bin ich eine neue stre­cke ange­gan­gen: von elt­ville nach kied­rich, dort auf den rhein­steig und dem fol­gend über schlan­gen­bad und wies­ba­den-bie­brich zurück nach mainz. mein gar­min sagt, das waren 39 kilo­me­ter. und es ist eine schö­ne stre­cke. bei solch mie­sem wet­ter war sie auch (fast) ganz leer: auf den ers­ten 25 km bin ich genau zwei mal leu­ten auf dem weg begeg­net – kurz hin­ter der kied­ri­cher burg einem wan­dern­den paar, etwas spä­ter einen wald­ar­bei­ter – das war’s dann auch schon. dafür hat’s durch­weg genie­selt. lei­der hat es aus­ge­rech­net auf den letz­ten 10 km dann so rich­tig gereg­net. und dabei habe ich mir natür­lich die gera­de erst wie­der ver­heil­ten brust­war­zen erneut schön auf­ge­scheu­ert. und wie­der war es vor allem die lin­ke, die schön geblu­tet hat. selt­sam, eigent­lich hat­te ich in den letz­ten jah­ren damit über­haupt kei­ne pro­ble­me. und jetzt immer wie­der …

selt­sam war aller­dings, dass ich gro­ße pro­ble­me bei den berg­auf-pas­sa­gen hat­te: da war ich immer aus­ge­spro­chen schnell sehr fer­tig. zwei stel­len bin ich auch gegan­gen – aber damit hat­te ich gerech­net: die anstie­ge zur kied­ri­cher burg und von frau­en­stein aus zum aus­sichts­turm kann man (zumin­dest ich) nicht sinn­voll lau­fend bewäl­ti­gend – das ist ein­fach zu steil. inter­es­sant war dann aller­dings, dass ich am ende doch noch genug kraft hat­te, ziem­lich viel gas zu geben und so den schnitt noch ein wenig auf­bes­sern konn­te.

die rou­te ist hier anzu­schau­en: klick.

leise rieselt der schnee

in die­sem jahr auch an ostern – ist ja kein kunst­stück, wenn das schon mit­te märz ist … jeden­falls fing es an kar­frei­tag nach­mit­tags an, im oden­wald zu schnei­en. bis zum sams­tag mor­gen hat­te sich dann selbst im müm­ling­tal etwas schnee ange­sam­melt. und ich bin dann tat­säch­lich so blöd und leicht­sin­nig gewe­sen, mei­nen wöchent­li­chen lan­gen lauf auf die höhen­dör­fer zu legen: über bull­au woll­te ich nach würz­berg und dann über einen klei­nen abste­cher nach bay­ern, näm­lich durch box­brunn, nach eul­bach und zurück ins tal.

zunächst ließ es sich auch ganz gut an: die bei­ne waren recht locker (am frei­tag hat­te ich nur zeit für eine hal­be stun­de tem­pol­auf). aber schon nach der ers­ten vier­tel­stun­de, im wald hin­term buch­wald­s­kopf, bemerk­te ich, wie sehr der immer tie­fer wer­den­de locke­re und pulv­ri­ge neu­schnee mich beim lau­fen behin­der­te. das stück wan­der­weg zwi­schen son­nen­weg und kreis­stra­ße war dann beson­ders hart: unter den ca. 10–15 cm schnee war kein fes­ter boden, son­dern nur eine ziem­lich aus­ge­präg­te matsch­schicht – halt war da über­haupt nicht zu fin­den. da konn­te ich bei jedem schritt spü­ren, wie die kraft in den waden weni­ger wur­de. und einen schuh hät­te ich in so einem matschloch unter dem schnee auch bei­na­he noch ver­lo­ren …

auf der stra­ße nach bull­au hoch ging es dann aber doch noch recht gut. auf der höhe ent­schied ich mich aller­dings schon zur ers­ten stre­cken­än­de­rung: die eigent­lich geplan­te schlei­fe übers was­ser­werk und den orts­rand war noch nie­mand gegan­gen, der schnee lag hier inzwi­schen 20 cm hoch – das war mir zu viel. also bin ich gleich zum bullau­er bild hin­über. bis dahin war der weg geräumt. dann muss­te ich aller­dings doch in den saue­ren apfel bei­ßen: die stre­cke nach würz­berg war noch unbe­rührt. und spä­tes­tens ab der hälf­te wur­de es doch recht anstren­gend: eigent­lich hät­te ich hier schnee­schu­he gebraucht – mei­ne trail­fox waren jeden­falls mit dem losen schnee etwas über­for­dert … in würz­berg ent­schloss ich mich dann, doch schon frü­her von den höhen wie­der her­un­ter­zu­stei­gen und bin den bekann­ten weg über erns­bach ins drei­se­en­tal, wo ich dann noch zwei run­den dreh­te – mit enor­mer anstren­gung, nur noch von der wil­lens­kraft vor­an­ge­trie­ben. her­aus kam dann: 34 km in 3:04:03 – nicht sehr berau­schend, ange­sichts der umstän­de aber ok. aller­dings war ich – wie sich vor allem am mon­tag zeig­te – doch erheb­lich stär­ker ver­aus­gabt und erschöpft als es sinn­voll war.

mein schlimmster lauf

… war heu­te der Long-Jog. Mein Trai­nings­plan sah vor: 39 km @ 5:13. Eine schö­ne Rou­te hat­te ich mir auch schon aus­ge­dacht und woll­te dabei gleich mein neu­es Gar­min Etrex auf die Pro­be stel­len: Den Anfang habe ich näm­lich vor eini­gen Wochen schon ein­mal lau­fen wol­len und mich dabei ziem­lich bös ver­franzt … Nun­ja, der Sonn­tag war also frei, ordent­lich gefrüh­stückt hat­te ich auch. Was aber nicht mit­spiel­te, war das Wet­ter: Seit Frei­tag hat­te es im Oden­wald ziem­lich hef­tig gereg­net und am Sams­tag auch noch gestürmt. Von der War­nung vor dem Betre­ten der Wäl­der habe ich mcih aber nicht abhal­ten las­sen. Um es gleich zu sagen: Die Sturm­schä­den waren auch – viel war es auch gar nicht – über­haupt kein gro­ßes Pro­blem: Eini­ge Bäu­me zum drü­ber­klet­tern, paar mal unten durch­ge­schlüpft – alles kei­ne gro­ße Sache. Schlim­mer war das Was­ser. Das kam näm­lich nach den ers­ten 15 Minu­ten fast durch­ge­hend. Und es kam aus allen Rich­tun­gen: Von oben, von unten, von der Sei­te, von vorn und hin­ten. Das hat mich doch zuneh­mend zer­mürbt. Irgend­wann waren mei­ne Kla­mot­ten dann näm­lich drei­mal so schwer wie im Nor­mal­fall, selbst die Ein­le­ge­soh­len der Lauf­schu­he hat­ten dop­pel­tes Gewicht. Noch ner­vi­ger war aber, dass es ja schon drei Tage aus­ge­spro­chen hef­tig reg­ne­te. Und die Weg sahen ent­spre­chend aus: Stel­len­wei­se waren das eher Bäche als gang­ba­re Wege. Und wo das Was­ser nicht in Strö­men floss, war ent­we­der der hal­be Weg schon abge­schwemmt oder die gan­ze Brei­te der­ma­ßen auf­ge­weicht, dass jeder Abdruck zu einem sehr aus­drucks­star­ken Bewe­gungs­vor­gang führ­te: Mit Hän­den und Füßen in allen Rich­tun­gen her­umei­ern, um den Sturz zu ver­mei­den und das Gleich­ge­wicht wie­der zu find­ne. Ok, das ist jetzt ein klein wenig über­trie­ben ;-). Aber so wid­ri­ge Bedin­gun­gen hat­te ich tat­säch­lich noch bei kei­nem Lauf. Zumin­dest nicht über gut 3,5 Stun­den. Und ihr könnt mich jetzt für total ver­rückt hal­ten: Irgend­wie war es am Ende dann doch wie­der gro­ße Klas­se. Denn jetzt bin ich mir sicher, dass mich kaum noch etwas schre­cken kann. Und ich weiß, das ich auch bei ech­tem Mist­wet­ter noch ganz ordent­li­che Zei­ten lau­fen kann. Es gehört zwar eini­ge gehö­ri­ge Por­ti­on Idio­tie dazu, so etwas zu machen – aber stolz dar­auf, es tat­säch­lich durch­ge­zo­gen zu haben und den viel­fäl­ti­gen Ver­su­chen, auf­zu­ge­ben und vom nächs­ten Bahn­hof aus mit dem Zug wei­ter­zu­fah­ren, wider­stan­den zu haben, bin ich schon. Jetzt kann mich der Renn­steig auch nicht mehr schre­cken …

laufen. und laufen. oder doch lieber laufen?

du läufst.

irgend­wann fängst du an, die tage zu zäh­len: 10, 20, 50, 100 – da ist schon das ers­te vier­tel­jahr geschafft.

du läufst durch den pras­seln­den hagel und den lei­se nie­der­rie­seln­den schnee. du freust dich über die wei­ße pracht. das lau­fen durch ver­schnei­te wäl­der am frü­hen nach­mit­tag. du holst die stirn­lam­pe her­vor und rennst sogar im dun­keln durch den wald und scheuchst dabei das spär­li­che wild und des­sen jäger auf. du lässt dich für ver­rückt erklä­ren, weil du nach einem lan­gen ski­tag auch noch die lauf­schu­he her­vor­kramst. du stol­perst über wur­zeln und stei­ne. du rutscht auf eis­plat­ten aus und schlägst dir die hän­de blu­tig. du beob­ach­test, wie der schnee schwin­det und auch die letz­ten schat­ten­lö­cher wie­der braun und grün wer­den.

du siehst, wie die säma­schi­nen über die äcker rum­peln. wie die ers­ten wei­zen­keim­lin­ge sprie­ßen. du siehst den mais wach­sen. das gras grü­nen und wie­der welk wer­den. du ziehst immer weni­ger zum lau­fen an. du nimmst immer mehr was­ser mit. du wirst braun wie ein neger – aber nur an armen und bei­nen. du zer­läufst in der hit­ze der hunds­ta­ge. aber du läufst.

du lauschst den trop­fen auf dem blät­ter­dach und dem mur­meln des bäch­leins, dass sich durch die wie­sen und wei­den schlän­gelt. du lässt dich von den kühen, scha­fen, zie­gen und pfer­den teil­nahms­los anglot­zen.

du sieht die mäh­dre­scher und bald auch die rüben­voll­ern­ter übers land zie­hen. du ärgerst dich über die staub­fah­nen, die von den aus­ge­trock­ne­ten fel­dern über dich wehen. du freust dich über jedes laue lüft­chen. du siehst die wäl­der gelb und rot wer­den und ent­zückst dich an dem son­nen­licht, das durch den bun­ten herbst­wald strahlt. du beob­ach­test, wie der wein gele­sen wird. du siehst die blät­ter fal­len und eine wun­der­bar rut­schi­ge schicht auf den wald­we­gen bil­den. du spürst die herbst­win­de wehen. du merkst, wie selbst der rhein aus­trock­net und die kies­bän­ke aus den flu­ten auf­tau­chen. und du siehst immer wie­der die schif­fe vor­bei­zie­hen – man­che über­holst du, vie­le zie­hen an dir vor­bei.

du lässt dich auch von dem regel­mä­ßi­gen knir­schen dei­ner eige­nen füße auf dem sand­weg nicht ver­rückt machen, son­dern fin­dest nach zehn oder zwan­zig kilo­me­tern einen ganz neu­en schwe­be­zu­stand der wahr­neh­mung. du gou­tierst sogar das stun­den­lan­ge getrap­pel von meh­re­ren dut­zend füßen auf asphalt, dass dich am sonn­tag­mor­gen beglei­tet.

du freust dich über die nebel­schwa­den am rhein. du merkst auf ein­mal, dass der herbst schon fast vor­über ist, wenn du die lan­gen lauf­ho­sen aus dem schrank kramst. du hörst sams­tags die motor­sä­gen im wald heu­len und die äxte klir­rend auf die spalt­kei­le tref­fen. du riechst den wun­der­ba­ren geruch des frisch geschla­ge­nen hol­zes.

du läufst mor­gens, mit­tags und abends. und manch­mal auch mit­ten in der nacht. du bist bei voll­mond unter­wegs und in den düs­te­ren tagen des neu­monds. du läufst unter kla­rem him­mel und bewun­derst immer wie­der die wei­te des ster­nen­him­mels. du siehst, wie sich der mond im teich spie­gelt und freust dich, dass außer dir nie­mand die ruhe der nacht stört. du freust dich auch über einen sanf­ten früh­som­mer­schau­er und ärgerst dich schon wie­der über den ers­ten herbst­ha­gel.

du siehst rehe, füch­se, eich­hörn­chen, mäu­se und fasa­ne, eichel­hä­her, raben und krä­hen. du machst respekt­voll einen bogen um die wild­schwei­ne. du stol­perst über die stadt­tau­ben, die dich schon so gut ken­nen, dass sie dir über­haupt nicht mehr aus­wei­chen. die pfer­de stie­ben davon, wenn sie dich schnau­fend um die ecke lau­fen bemer­ken. die wei­der­in­der las­sen sich beim wie­der­käu­en nicht stö­ren. du rech­nest immer noch bei jedem frei lau­fen­den hund mit dem schlimms­ten.

du über­holst (nor­dic) wal­ker, spa­zier­gän­ger und wan­de­rer. du ziehst an rad­fah­rern und inline-ska­tern vor­bei und lässt rei­ter und kut­schen hin­ter dir. mit den moun­tain­bi­kern lie­ferst du dir hei­ße kämp­fe, wer den hügel schnel­ler hin­auf kommt – und nicht immer gibst du dich geschla­gen. du schlän­gelst dich durch die fuß­gän­ger­zo­ne und irrst über die feld­we­ge. du kämpfst dich durch längst ver­wach­se­ne und ver­ges­se­ne wald­we­ge und suchst immer neue pfa­de durch dein revier. du ent­deckst selbst dort, wo du schon zwan­zig jah­re unter­wegs bist, neue wege. du erin­nerst dich an alte pfa­de aus frü­hen zei­ten. du fin­dest nie­mand mehr, der mit dir lau­fen mag. aber du läufst.

du ärgerst dich über die forst­ar­bei­ter, die mit ihren rie­sen­ma­schi­nen jeden weg in eine schlamm­pis­te ver­wan­deln und hal­be bäu­me auf dei­nen lauf­rou­ten hin­ter­las­sen. und zugleich freust du dich über die her­aus­for­de­rung, die­se etap­pe in der nächs­ten woche ein wenig flot­ter und ele­gan­ter zu meis­tern. du springst über baum­stäm­me und kriechst unter ästen hin­durch, win­dest dich auch ohne weg durch den unge­pfleg­ten dämm­ri­gen wald. du regst dich über jäger auf, die mit fünf­zig sachen auf dem weg zu ihrem hoch­sitz an dir vor­beib­rau­sen und dei­ne hacken nur um haa­res­brei­te ver­feh­len.

du wun­derst dich über ang­ler, die stun­den­lang nahe­zu bewe­guns­los vor ihrer angel sit­zen, in den fluss star­ren und das gan­ze sport nen­nen. du durch­brichst ganz unbe­wusst und aus ver­se­hen zum ers­ten mal die schall­mau­er der 100-wochen­ki­lo­me­ter. und weil du gera­de beim lau­fen bist, hängst du noch so eine woche hin­ten­dran. und noch eine. denn du läufst. täg­lich.

du fängst irgend­wann an, einen trai­nings­plan zu suchen. und du läufst dann wie ein irrer eine stun­de im kreis auf der fin­nen- und tar­tan­bahn. du keuchst und stöhnst über die ver­rück­te idee, nach einem lan­gen tag in den engen und sti­cki­gen hör­sä­len noch ein inter­vall­trai­ning machen zu wol­len. aber du merkst, wie du immer fit­ter und schnel­ler wirst. du läufst dei­nen ers­ten mara­thon und kannst dich vor begeis­te­rung kaum noch ein­krie­gen.

du sam­melst schu­he. du wirst zum exper­ten für gps-auf­zeich­nun­gen und puls­fre­quen­zen. du fängst sogar an, über dei­ne ernäh­rung nach­zu­den­ken. und du liest von wild­frem­den leu­ten lan­ge berich­te über beson­ders schö­ne und span­nen­de läu­fe.

oder du stehst mit­ten in der nacht auf, um vor einem lan­gen tag im rei­se­bus wenigs­tens noch drei kilo­me­ter abzu­spu­len und bist trotz­dem als ers­ter beim früh­stück. du nervst dei­ne freun­de, weil du immer am über­le­gen bist, wo und wie du am bes­ten lau­fen gehst – selbst im urlaub. du lässt auch dei­ne gedan­ken lau­fen, du gehst den ver­gan­ge­nen tag noch ein­mal durch und über­legst, was noch auf dich zukom­men wird in den nächs­ten stun­den. du pro­bierst sät­ze und argu­men­te, du wälzt pro­ble­me und ersinnst lösun­gen. du rennst dir den frust aus dem leib. du schwebst vor lau­ter eupho­rie über die wege. du spulst kilo­me­ter um kilo­me­ter ab und kommst doch nicht vom fleck. aber du läufst.

du wirst tole­ran­ter: die ver­rück­tes­ten spin­ner erschei­nen dir auf ein­mal ganz nor­mal. denn du läufst immer noch. jeden tag. selbst wenn das heißt, dass du dei­ne lauf­schu­he ins boot packen musst. oder dass du bar­fuß los­rennst, damit dei­ne bla­se end­lich mal ein paar tage ruhe zum hei­len hat.

und end­lich lernst du dei­nen weg lie­ben wie sisy­phos sei­nen stein (auch wenn es bei lan­gen trai­nings­läu­fen manch­mal schwer fällt, jeman­dem zu erklä­ren, war­um du dir das antus): camus hat­te recht. und du läufst und läufst und läufst.

ganz ein­fach.

jeden tag

odenwaldumrundung

nun ja, der gan­ze oden­wald ist es noch nicht … aber immer­hin, einen gro­ßen teil des oden­wald­krei­ses habe ich am sams­tag lau­fend (d.h. ren­nend) umrun­det. die neu aus­ge­dach­te run­de star­tet natür­lich in erbach, führt über den buch­wald­s­kopf und son­nen­weg zum bullau­er bild hin­auf. von dort geht es dann zur geb­hardtshüt­te, vor­bei an den frei­lau­fen­den zie­gen wie­der in den wald in rich­tung kräh­berg. der wird knapp unter­halb des gip­fels (und des schlos­ses) halb umrun­det, um dann hin­ab zum reu­ßen­kreuz zu ren­nen. von dort führt der wan­der­weg über den ein­gang des sen­s­bach­tals zurück ins müm­ling­tal, wo der abstieg, der ganz schön lang und ganz schön tief wird, in rich­tung beer­fel­den beginnt. vor­bei am ski­lift geht es dann über die bun­des­stra­ße durch den ort zum metz­keil, den man noch ein stück hin­un­ter­lau­fen muss. dann führt der weg wie­der aus beer­fel­den hin­aus – die­ses mal aber auf der ande­ren sei­te, näm­lich in rich­tung etze­an. bis dort­hin sind es aber noch ein­mal ein paar höhen­me­ter. durch etze­an schnell hin­durch, geht es wei­ter in rich­tung mar­bach, vor­bei am hetz­bach­er golf­platz und dann wie­der steil hin­ab. ab der vil­la son­nen­schein die letz­ten meter bis zur mar­bach auf der bun­des­stra­ße, die dann über­quert wird, um auf der ande­ren sei­te wie­der den – ver­dammt stei­len – hang in rich­tung hais­ter­bach hin­auf­zu­klet­tern. oder zu gehen … der hügel ist dann doch wie­der recht hoch, aber man ist ja jetzt schon auf dem heim­weg … über hais­ter­bach geht es, in einer klei­nen schlei­fe, nach gün­ter­fürst. dort noch schnell durch den ort, am sport­platz vor­bei und damit wie­der auf die nächs­te kup­pe. die wird aber schnell wie­der ver­las­sen, denn es geht hin­ab nach lau­er­bach – wie­der­um ver­flixt steil hin­ab. dann wird’s aber ein­fach: nur noch die b45 durch erbach und fix nach hau­se. auf der kar­te sieht das so aus (die kar­te ist mit sport­tracks aus mei­nen gps-daten und dem kar­ten­ma­te­ri­al von goog­le-maps erstellt wor­den):

erbach-beerfelden-erbach-17032007.jpg

beim ers­ten ver­such für die­se 34 km habe ich am sams­tag 3:21:00 gebraucht – und war ganz schön geschafft. bis beer­fel­den lief es ziem­lich gut, der abstieg vom reu­ßen­kreuz hin­un­ter hat aller­dings schon ziem­lich genervt. über­haupt sind die berg­ab­pas­sa­gen ganz schön kräf­te­zeh­rend. ab etze­an hat es dann auch noch mehr oder weni­ger stark gereg­net, das war natür­lich kein beson­de­rer genuss. von hais­ter­bach aus wur­de es dann wirk­lich anstren­gend – nach gün­ter­fürst hin­über noch ein­mal kräf­ti­ger gegen­wind. durch erbach dann schwer gekämpft, um nicht kurz vom ziel doch auf­zu­ge­ben … gestört hat vor allem der lin­ke fuß: schon ab kurz vor bull­au hat­te ich näm­lich leich­te krämp­fe in der fuß­un­ter­sei­te. die haben das lau­fen zwar nicht ver­hin­dert, aber immer wie­der unan­gehm gemacht. heu­te habe ich auch gemerkt, was beson­ders unge­wohnt war: die an- und abstie­ge. denn mei­ne ober­schen­kel sind noch nicht wie­der ganz erholt von der tor­tur, die waden sind aller­dings bereits wie­der schön locker gewe­sen beim heu­ti­gen klei­nen lauf.

31,17 km sind eine ganze menge

bin­gen – mainz: das sind genau die­se 31,17 km. für mich sind das 2:41:03 lau­fen – lau­fen, lau­fen, lau­fen ohne ende. naja, zwei klei­ne pau­sen gab es schon, zum pin­keln in der nähe von buden­heim und dann lei­der ein ampel­stopp in mainz. da war so etwas näm­lich schon etwas schmerz­haft. aber der rei­he nach. zuerst die kar­te mit rou­te:

strecke bingen-mainz

und jetzt der text: ich bin mit dem zug nach bin­gen gefah­ren – 30 minu­ten, fährt jede stun­de, ein­fa­cher geht es kaum. in bin­gen-stadt bin ich dann los­ge­zo­gen: immer direkt am rhein ent­lang (also nicht den aus­ge­schil­der­ten fahr­rad­weg, den hat­te ich nur sehr kurz­zei­tig), den wirt­schafts­weg des was­ser-dings­bums-amtes. der hat den vor­teil, nicht gepflas­tert oder geteert zu sein. heu­te war er aller­dings stel­len­wei­se auch etwas mat­schig. und an einer stel­le von baum­fäll­ar­bei­tern blo­ckiert (gesperrt war natür­lich nur die ande­re rich­tung …), aber über den deich konn­te ich mich gera­de noch so durch­schlän­geln. an zwei oder drei stel­len lagen auch noch bäu­me auf dem weg, aber irgend­wie kam man immer vor­bei. mein plan war, mög­lichst kon­stant zwi­schen 5er und 5:30er schnitt zu blei­ben. und wenn ich mir die auf­zeich­nung mei­ner tim­ex so anschaue, hat das (von weni­gen aus­rei­ßern abge­se­hen), auch ganz gut geklappt. am auf­fäl­ligs­ten ist noch, dass die vari­anz auf den letz­ten kilo­me­tern doch etwas grö­ßer wur­de. gemerkt hab‘ ich das beim lau­fen nicht so sehr.

tempodiagramm bingen-mainz

so lief ich denn also am rhein ent­lang, immer schön im tra­ben blei­ben. pau­sen hab‘ ich kei­ne gemacht, das liegt mir nicht so, danach kom­me ich meist nur schlecht wie­der in den rhyth­mus. ich hat­te mei­nen camel­bak dabei, der vor allem auf den letz­ten kilo­me­tern, so ab der 20er mar­ke, immer schnel­ler leer wur­de, aber gut gereicht hat. mei­ne power-bars habe ich lan­ge in der tasche gelas­sen (waren ja auch nur als not­ver­pfle­gung dabei), beim mom­ba­cher krei­sel habe ich dann aber doch den bana­ne-rie­gel mal ange­knap­pert. das ging aber gar nicht gut, der war von der käl­te (so ca. 5–6° C, manch­mal auch käl­ter gefühlt) der­ma­ßen hart. aber er hat sowie­so schnell sehr eklig geschmeckt, das meis­te ist im müll­ei­mer gelan­det. aber gegen das flaue gefühl im magen hat er immer­hin gehol­fen.

zum glück hat­te ich doch lan­ges shirt und jacke ange­zo­gen. das erschien mir beim bahn­fah­ren zwar etwas warm, auf der stre­cke war es aber ange­nehm – ok, in’s schwit­zen bin ich doch recht ordent­lich gekom­men, aber viel weni­ger hät­te ich nicht ger­ne anha­ben mögen.

tja, und wie lief’s? über­ra­schend pro­blem­los. bis km 20 kei­ne beson­de­ren vor­komm­nis­se (außer das mir die ers­ten 10 sehr lan­ge vor­ka­men). so gegen km 25 fin­gen sich die bei­ne dann schon an, bemerk­bar zu machen. und die letz­ten zwei bis drei kilo­me­ter auf der rhein­al­lee haben dann noch ein biss­chen weh getan. inter­es­san­ter­wei­se waren es vor allem die ober­schen­kel (innen und außen, weni­ger die vor­der­sei­ten), die mir leich­ten kum­mer berei­te­ten. gut, die waden waren danach natür­lich auch ordent­lich ver­kürzt, deh­nen ging über­haupt nicht gut, haben auch gar nicht geschmerzt. die­se mus­keln schei­nen das lau­fen inzwi­schen doch geübt zu sein. wohin­ge­gen die ober­schen­kel bei mir sonst, bei den kur­zen oder mit­tel­lan­gen läu­fen gera­de in mainz, ohne jeden berg, nicht beson­ders gefor­dert wer­den. wahr­schein­lich lag es dar­an, dass sie – zusam­men mit den zwi­schen­zeit­lich etwas ner­ven­den knö­cheln (aber das ist bei mir eigent­lich bis­her bei jedem län­ge­ren lauf so gewe­sen) die haupt-beschwer­de­stel­le waren. ins­ge­samt war ich aber selbst über­rascht, wie gut das alles lief, wie spät ich über­haupt erst ermü­dungs­er­schei­nun­gen bemerk­te. die trepp­pen in mei­ne woh­nung im vier­ten stock waren natür­lich die letz­te qual – aber das ken­ne ich ja schon …

und so neben­bei: gewun­dert hat mich, wie wenig läu­fer auf der stre­cke unter­wegs waren. auch in der nähe der orte, wo die hun­de­be­sit­zer mas­siv auf­tra­ten – kein ein­zi­ger läu­fer. erst in mainz, beim zoll­ha­fen, habe ich zwei oder drei sich­ten kön­nen. aller­dings waren auch die rad­fah­rer kaum ver­tre­ten – fast­nacht­diens­tag nach­mit­tag ist wohl für die meis­ten alkohl­ab­bau und nicht sport ange­sagt.

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