Abendlauf in Momart

Ein schö­ner (nicht sehr lan­ger) Abend­lauf in die unter­ge­hen­de Son­ne an der Mom­arter Eiche, einem beein­dru­cken­den Natur­denk­mal, hat mich zu ein paar Fotos ver­führt:

Der ultimative Ratgeber fürs Trailrunning ist nicht ultimativ

Auf gut 250 Sei­ten ver­spre­chen Adam W. Cha­se und Nan­cy Hobbs, alles zu ver­mit­teln und zu erklä­ren, was man über Aus­rüs­tung, das Fin­den von Trails, Ernäh­rung, Hügel­stra­te­gie, Wett­kampf, das Ver­mei­den von Ver­let­zun­gen, Trai­ning, Wet­ter und Sicher­heit (in die­ser Rei­hen­fol­ge ist es der aus­ufern­de Unter­ti­tel) wis­sen muss. Das gan­ze nennt sich dann beschei­den The Ulti­ma­te Gui­de to Trail Run­ning.

Ich glau­be nicht, dass es der ulti­ma­ti­ve Rat­ge­ber ist. Sicher, die behan­del­ten The­men erschöp­fen das Gebiet Trailrun­ning ziem­lich voll­stän­dig. Aber: Zum einen sind die Rat­schlä­ge fast immer sehr all­ge­mein, oft sogar abs­trakt gehal­ten. Ich weiß nach der Lek­tü­re also immer noch nicht alles … Zum ande­ren ist vie­les sehr USA-spe­zi­fisch. Etwa, wenn es um die Gefähr­dun­gen auf dem Trail geht: Da gibt es Bären, Moun­tain Lions, Schlan­gen und Poi­son Ivy – also lau­ter nord­ame­ri­ka­ni­sche Spe­zia­li­tä­ten. Zum Aus­gleich wid­men die Autorin­nen gan­ze 30 Sei­ten dem Aus­rich­ten von Trail­wett­kämp­fen (das hät­te ich nicht unbe­dingt wis­sen müs­sen – aller­dings, wenn ich ehr­lich bin: das meis­te wuss­te ich auch hier schon …)

Denn: gesun­der Men­schen­ver­stand und Acht­sam­keit für sich selbst, die Umge­bung und das Gesche­hen wür­den schon vie­le der Rat­schlä­ge aus­rei­chend beschrei­ben oder erset­zen. Zumal sie vie­les selbst immer wie­der ein­schrän­ken: „depen­ding on your form“ heißt das ger­ne, wahl­wei­se gel­ten die Tipps auch abhän­gig von der ver­blei­ben­den Kraft und Aus­dau­er, der Müdig­keit, dem Ter­rain oder ähn­li­chem. Das ist eben die Crux, wenn man den ulti­ma­ti­ven Füh­rer schrei­ben will: Damit es über­all und für alle passt, blei­ben nur noch Gemein­plät­ze übrig:

Fal­ling is an unfor­tu­n­a­te ine­vi­ta­bi­li­ty of down­hill trail run­ning. (37)

Ein paar Din­ge sind aber auch gut: Die Trail-Defi­ni­ton zum Bei­spiel und die Klas­si­fi­zie­rung von Trail, Fell, Moun­tain, Sky etc.:

The majo­ri­ty of the trails refe­ren­ced in this book will have at least three of the four fol­lo­wing cha­rac­te­ris­tis. They will: (1) be unpa­ved; (2) have natu­ral obsta­cles that may inclu­de but are not limi­ted to rocks, tree stumps, tree roots, dirt, gra­vel, mud, morai­ne, lea­ves, ice, snow, and creek crossings; (3) have a signi­fi­cant gain or loss of ele­va­ti­on; (4) inclu­de sce­nic vis­tas. (5)

Die Tipps zum rich­ti­gen, effek­ti­ven Lau­fen von Stei­gun­gen hoch und run­ter sind auch recht gut. Und es gibt eine Men­ge (und das heißt wirk­lich: eine irre Men­ge) Anek­do­ten und Zita­te von ame­ri­ka­ni­schen Trailläu­fern und -läu­fe­rin­nen. Und – das ist in sol­chen Büchern eher sel­ten – sie ver­su­chen immer­hin eine kur­ze Geschich­te des Trail Run­ning (als Sport, nicht als Fort­be­we­gung bei der Jagd oder ähn­li­chem) und gehen dafür bis in mit­tel­al­ter­li­che Eng­land zurück.

Und im Prin­zip stimmt auch alles, was hier steht. Zumin­dest konn­te ich kei­ne gro­ben Schnit­zer ent­de­cken. Wie hilf­reich das Buch ist, bleibt aber eine ande­re Fra­ge. Für Trail-Anfän­ger ist es ja eigent­lich unnö­tig, fin­de ich. Zum Trailläu­fer wird man doch immer noch am ehes­ten und bes­ten, indem man ein­fach raus­geht und drau­ßen läuft. Auf die meis­ten der hier ver­sam­mel­ten Rat­schlä­ge kommt man den sehr schnell von ganz allein, auch ohne dass man gro­ße Feh­ler bege­hen muss. Mein Fazit ist ganz klar: Auch ohne den Ulti­ma­te Gui­de hat man gute Chan­cen, ein Trailläu­fer zu wer­den.

The best way to deal with mud on the trail is to enjoy it and get as dir­ty as pos­si­ble ear­ly in the run so you won’t worry about it the­re­af­ter. (39)

Adam W. Cha­se, Nan­cy Hobbs: The Ulti­ma­te Gui­de to Trail Run­ning. Ever­ything You Need to Know About Equip­ment, Fin­ding Trails, Nut­ri­ti­on, Hill Stra­te­gy, Racing, Avoi­ding Inju­ry, Trai­ning, Wea­ther, Safe­ty. 2. Auf­la­ge. Guil­ford, Hele­na: Fal­con Gui­des 2010. 254 Sei­ten. ISBN 9780762755370.

Wissen, wo es langgeht: Der Ultralauf-Kompass von Norbert Madry

madry, ultralauf-kompass (cover)

150 Fra­gen beant­wor­tet Nor­bert Madry, der selbst Ultra­läu­fer mit lan­ger Erfah­rung und auch Trai­ner ist, auf den gut 170 Sei­ten sei­nes gera­de erschie­nen Ultra­l­auf-Kom­pass. Eigent­lich sind es sogar 300 Ant­wor­ten: Es gibt näm­lich immer eine kur­ze, sehr poin­tier­te Ant­wort, die meist nur aus einem knap­pen Satz besteht, und eine aus­führ­li­che, erklä­ren­de, die sich auch mal – aber nur sel­ten – über meh­re­re Sei­ten zie­hen kann. Manch­mal ist der Ton etwas arg schnodd­rig für mei­nen Geschmack, aber das ist natür­lich eine sub­jek­ti­ve Ein­schät­zung.

Macht Ultra­lau­fen doof?
Ja, aber glück­li­cher­wei­se nur vor­über­ge­hend. (24)

Eine Men­ge Stoff also. Und Madry packt in den Fra­gen­ka­ta­log auch so ziem­lich alles, was wich­tig ist – und wenn er etwas nicht behan­delt, wie zum Bei­spiel die Aus­rüs­tung und Ernäh­rung, dann weist er zumin­dest dar­auf hin und begrün­det das mit dem feh­len­den „Ultra­spe­zi­fi­kum“: Wenn das, was fürs Mara­thon­lau­fen gilt, auch beim Ultra­l­auf Anwen­dung fin­det, mag er es nicht auch noch mal behan­deln. Ein sehr sym­pa­thi­scher Ansatz. Denn ein Buch, dass sich an Ultra­läu­fe­rin­nen (oder zumin­dest Ultra-Inter­es­sier­te) wen­det, wird in der Regel nicht auf Lauf­no­vi­zen tref­fen – ein gewis­ses Grund­wis­sen dürf­te also vor­han­den sein und das setzt Madry auch vor­aus.

Das Fra­ge-Ant­wort-For­mat passt ganz gut, weil er recht boden­stän­dig vor allem auf (sei­ne) Erfah­rungs­wer­te setzt, ohne gro­ße Theo­ri­en: Nach dem Mot­to „Aus der Pra­xis, für die Pra­xis“ ist der Ultra­l­auf-Kom­pass tat­säch­lich so etwas wie „ein klei­ner, sehr sub­jek­tiv gefärb­ter Lauf­kum­pel in Buch­form“ (8). Gut gefal­len hat mir auch, dass er immer wie­der ein­räumt: Hier prä­sen­tie­re ich mei­nen eige­nen Blick auf die Mate­rie, man­che Ant­wor­ten könn­te man auch anders geben und nicht alle sind unbe­dingt für alle gül­tig. Er ver­fährt also nicht dik­tie­rend (so muss man es machen), son­dern weist dar­auf hin: So kann man es machen, so hat es sich zumin­dest bewährt …

Auch wenn er im Vor­wort das Buch aus­drück­lich nicht nur für Ultras, son­dern auch für inter­es­sier­te Läu­fer oder Neu­gie­ri­ge ob der Ver­rückt­hei­ten, die ver­ste­hen wol­len, was ande­re zu Ultras treibt, vor­sieht, so ist das doch schon ein Lauf­buch für Akti­ve. Madry kon­zen­triert sich dabei vor allem auf die bei­den „klas­si­schen“ Ultra­dis­zi­pli­nen 100 km und 24 Stun­den, bleibt also vor­wie­gend beim Stra­ßen­lauf. Zugleich sind die Rat­schlä­gen, Hin­wei­se und Ant­wor­ten aber doch in der Regel so all­ge­mein gehal­ten, dass sie sich für die meis­ten Ultrastre­cken anwen­den las­sen.

Was ich auch noch fest­ge­stellt habe: Nachts kann man ent­we­der schla­fen oder lau­fen. (91)

Er fängt dabei mit all­ge­mei­nen Über­le­gun­gen zum Ultra an, bevor sich der Haupt­teil – näm­lich fast 100 Sei­ten – mit dem Trai­ning, unter­glie­dert nach Grund­la­gen (als „Bau­stei­ne“ sind die recht tref­fend bezeich­net), Plä­nen, Beson­der­hei­ten und Jah­res­pla­nung, befasst. Abschlie­ßend gibt es noch zwei Kapi­tel zum Wett­kampf­ge­sche­hen sowie der Psy­cho­lo­gie und Sozio­lo­gie des Ultras.

So weit ich das erken­nen und beur­tei­len kann, sind das vor­wie­gen ver­nünf­ti­ge Rat­schlä­ge, mit denen mal nicht viel falsch machen dürf­te. Das Trai­ning zum Bei­spiel wird klas­sisch peri­odi­siert in Grund­la­gen, spe­zi­el­le Vor­be­rei­tung (mit Peak und eher zurück­hal­ten­dem Tape­ring), Wett­kampf­pha­se und Rege­ne­ra­ti­on. Natür­lich liegt der Schwer­punkt dann auf lan­gen Läu­fen, die eigent­li­che Tem­po­ar­beit erle­digt Madry in der Neben­sai­son und lässt sie im Haupt­trai­ning nur noch erhal­tend reak­ti­vie­ren. Dabei gilt sowie­so: Im Ultra­l­auf-Kom­pass wird sich nicht für jedes Fit­zel­chen Trai­nings­ge­stal­tung eine abso­lut gül­ti­ge Ant­wort fin­den las­sen. Denn Madry geht von einem mün­di­gen, nach- & mit­den­ken­den Ath­le­ten aus, der auch schon über Lauf­erfah­rung ver­fügt – das ist ja wohl auch der Nor­mal­fall, dass man meist schon ein paar Mara­thons und Kür­ze­res in den Bei­nen hat, bevor man an Ultras, zudem auch noch leis­tungs­in­ter­es­siert, her­an­geht. Madry spricht dabei immer wie­der ger­ne vom „läu­fe­ri­schen Gesamt­kunst­werk“ – und das ist auch typisch: Nicht ein einzelner/​wenige Ansatz­punkt ist erfolgs­ver­hei­ßend, son­dern es sind sehr vie­le, sehr ver­schie­de­ne Stell­schrau­ben, an denen zur Leis­tungs­ver­bes­se­rung, zur Aus­rei­zung der per­sön­li­chen läu­fe­ri­schen Poten­zi­als, gedreht wer­den kann.

Ich habe es nicht aus­pro­biert (und auch nicht alles durch­ge­rech­net). Beim Lesen des Ultra-Kom­pass sind mir aber aus mei­ner (beschei­de­nen) Ultra­er­fah­rung jedoch kei­ne gro­ben Unstim­mig­kei­ten auf­ge­fal­len oder Sachen, die mir suspekt erschie­nen. Aller­dings gibt es eben auch kei­ne „neu­en“ Weis­hei­ten – ganz wie es Madry eben ver­spricht. Sehr zurück­hal­tend (um es so zu for­mu­lie­ren) fand ich sei­ne Ein­stel­lung zur Psy­che beim lau­fen – ihm lie­gen die kör­per­li­chen Din­ge offen­bar mehr (und sie sind ja auch abso­lu­te Vor­aus­set­zung). Aber ich wür­de der men­ta­len Vor­be­rei­tung und Ver­fas­sung wäh­rend Wettkampf/​Lauf etwas mehr Bedeu­tung bei­mes­sen.

Aber der Ultra­l­auf-Kom­pass ist auf jeden Fall lesens­wert. Und er ist vor allem als Nach­schla­ge­werk sehr hilf­reich, wenn man sein eige­nes, schlum­mern­des Halb­wis­sen noch mal über­prü­fen oder kor­ri­gie­ren möch­te …

Aber eine schö­ne Ant­wort auf die oft gestell­te ner­vi­ge Fra­ge »Wovor läufst Du eigent­lich denn weg??« ist: »Ich lau­fe vor nichts weg, son­der zu allem hin. Auch zu mir selbst, und ich bin noch lan­ge nicht da.« (171)

Nor­bert Madry: Der Ultra­l­auf-Kom­pass. Für alle, die es wirk­lich wis­sen wol­len. Grün­wald: Copress 2016. 176 Sei­ten. ISBN 9783767911116.

Waldlauf

… ich ver­su­che mich an den Wald­lauf zu erin­nern, den ich in der Früh gemacht habe. Die Ruhe, das mono­to­ne Auf­set­zen der Füße. Ab und zu die Arme schlen­kern, ganz locker. Tief durch­at­men, das lang­sa­me Erhit­zen des Kör­pers. Die voll­kom­me­ne Lee­re im Kopf. Die Augen erfas­sen den Boden, die Baum­stäm­me. Im Lau­fen tan­zen die Bäu­me vor den Augen, ich lau­fe, bis die Land­schaft vor mei­nen Augen auf- und abhüpft, wie ein ver­rück­tes Fern­seh­bild … Urs Jaeg­gi, Brand­eis, 10f.

Streaktage 28 – 41

Wei­ter­hin ist wenig zu berich­ten: Ich trot­te so in mei­nem Trott vor mich hin ;-). Es tut sich gera­de erstaun­lich wenig. Aber ich habe in die­sen Tagen auch weni­ge (d.h. eigent­lich gar kei­ne) Impul­se gesetzt. Von daher ist das natür­lich kaum ver­wun­der­lich. Mal sehen, wie es nach dem 50-Tage-Jubi­lä­um (dann fängt das Strea­ken ja eigent­lich erst rich­tig an …) wei­ter­geht …

Immer­hin waren an die­sem Wochen­en­de zwei schö­ne (nur nicht sehr lan­ge) Läu­fe auf den Höhen des Oden­walds mög­lich – den Orgel­ver­tre­tun­gen seis gedankt … Am Sams­tag war ich nach eine Trau­ung zwi­schen Reh­bach, Spreng und Brom­bach­tal unter­wegs: Eine sehr schö­ne Ecke ist das, die ich bis­her nur von den Stra­ßen vom Durch­fah­ren kann­te. Und heu­te habe ich in Böll­stein am Pan­oram­weg eine klei­ne Run­de in der mit­täg­li­chen Son­ne gedreht. Der Weg hat sei­nen Namen übri­gens wirk­lich zu Recht, man sieht von dort wun­der­bar über das Ger­sprenz­tal bis zur Berg­stra­ße hin …

Streaktage 21 – 27

Wie­der­um wenig zu ver­mel­den von die­ser Woche. Die Umfän­ge blei­ben beschei­den, die Bei­ne haben sich noch nicht so recht an ihre neue Bestim­mung gewöhnt. Und das Wet­ter schlägt wei­ter Kaprio­len – am Mon­tag abends bei knapp 20 °C eine hal­be Stun­de im strö­men­den Regen gelau­fen, am Frei­tag mit­tags dann bei 35 °C kräf­tig geschwitzt. Und heu­te beim Lauf durch die Äcker im Oden­wald auf ein­mal knö­chel­tief im Schlamm gestan­den: Der dau­ern­de Regen setzt auch den Acker­bo­den in Bewe­gung. Und er macht das so geschickt, dass man nicht erkennt, wie tief der auf­ge­lös­te Boden auf dem befes­tig­ten Weg inzwi­schen steht – heu­te war es etwas mehr als ich gebraucht hät­te (zumal ich vor­her gera­de mei­ne eh‘ eigent­lich immer ver­dreck­ten Schu­he durchs bestän­di­ge Lau­fen im nas­sen Gras schön sau­ber gemacht hat­te, um den Preis nas­ser Füße …).

Streaktage 14 – 20

Es gibt wenig zu berich­ten: Es läuft, aber lang­sam und eher hart, mit zeit­wei­se viel Über­win­dungs­be­darf. Der Rhein hat Hoch­was­ser, das etwas sinkt und steigt. Es reg­net immer wie­der, was das Lau­fen ja nicht unbe­dingt ange­neh­mer macht. Das ein­zi­ge inter­es­san­te: Am Sonn­tag kam ich beim Lau­fen zwi­schen Zell und Brom­bach­tal an der „Sup­pen­schüs­sel“ vor­bei: Da steht mit­ten im Wald bei einer Ruhe­bank tat­säch­lich ein­fach ein run­der Sand­stein, der wie eine fla­che Schüs­sel behau­en ist – war­um auch immer …

Regenlied

Des Regens star­ker Gesang wird zum Rau­schen,
Das vol­ler und vol­ler erklingt.
Es schweigt selbst der Wald, um dem Lie­de zu lau­schen,
Das der strö­men­de Him­mel ihm singt.

Es schäu­men mit wuch­ten­dem Anprall die Was­ser
Vom Him­mel zur Erde her­ab.
Es rasen die Strö­me des Regens in nas­ser,
Wild stür­zen­der Wut, die der Blitz ihnen gab.

Es duckt sich und beugt ihren Rücken die Erde
Unter dem peit­schen­den Sau­sen.
Wie vom Huf­schlag einer hin­ra­sen­den Her­de
Ist die Luft erfüllt von dem Brau­sen.

Dann wird das Rau­schen zum rau­nen­den Schal­len,
Zum Mur­meln von müder Süße.
Auf die Dächer ver­ein­zel­te Trop­fen fal­len
Wie fer­ne, glücks­trun­ke­ne Küs­se.
Sel­ma Meer­baum-Eisin­ger (1.8.1941)

Streaktage 1 – 13

Der neue Streak begann am 31. Mai – eigent­lich war der Start am 1. Juni geplant, ich habe aber gleich stil­echt mit einem Mit­ter­nachts­dou­ble begon­nen ;-). Die ers­ten Tage bis­her weit­ge­hend ereig­nis­los. Die Kilo­me­ter sind sehr beschei­den. Aber jetzt geht es erst ein­mal dar­um, täg­lich zu lau­fen. Und dann die Kilo­me­ter lang­sam zu erhö­hen – sowohl die täg­li­chen als auch die maxi­ma­len, das heißt, die „lan­gen“ Läu­fe (die momen­tan das Attri­but „lang“ höchs­ten im Ver­gleich tra­gen dür­fen …). Am Mitt­woch habe ich dann gleich noch einen Stol­per­sturz am Rhein­ufer vor Publi­kum hin­ge­legt und mir mal wie­der eine Schürf­wun­de am Knie zuge­zo­gen, aber die ist harm­los. Man soll­te halt beim Lau­fen nicht zu sehr ins Träu­men gera­ten. Die­se Woche habe ich ges­tern und heu­te mit zwei Regen­läu­fen im Oden­wald abge­schlos­sen (und zwar so rich­ti­ge Regen­läu­fe, nicht so ein biss­chen Genie­sel: Bei­de Male hat­te ich kei­nen tro­cke­nen Faden mehr am Leib). Die Woche heu­te konn­te ich immer­hin mit der schö­nen Sum­me von 33,3 Kilo­me­tern abschlie­ßen. Das ist natür­lich nicht viel, aber mehr, als ich im Mai ins­ge­samt gelau­fen bin 😉

Wissenschaftliche Blasenvermeidung

Es ist ja eigent­lich kein gro­ßes Geheim­nis: Wenn man zu Bla­sen­bil­dung neigt, klebt man die ent­spre­chend gefähr­de­ten Regio­nen ab. Ich benut­ze dafür Leu­ko­tape: Das hat mit knapp 4 Zen­ti­me­tern eine aus­rei­chend gro­ße Brei­te, lässt sich auch ohne Sche­re kür­zen und vor allem hält es bom­ben­fest – manch­mal sogar zu fest …

Ein Ärz­te­team hat nun eine alter­na­ti­ve Metho­de unter­sucht. Sie ver­wen­de­ten Papier­pflas­ter bei ver­schie­de­nen Aus­tra­gun­gen des mehr­tä­gi­gen Ultra­ma­ra­thons „Racing­T­he­Pla­net“ 2014. Das nun auch sta­tis­tisch – in die­sem Ver­such mit 128 Teil­neh­mern – abge­si­cher­te Ergeb­nis: Pflas­ter beu­gen Bla­sen vor. (In bes­ter natur­wis­sen­schaft­li­cher Tra­di­ti­on waren auch gan­ze zehn Ärz­te als Autoren für die Stu­die, die sie­ben Sei­ten inklu­si­ve Fotos, Dia­gram­me und Tabel­len umfasst, not­wen­dig …)

Das ist ja logisch: Bla­sen ent­ste­hen durch Rei­bung (auf) der Haut, die sich auf die Haut über­trägt und die Kohä­si­on der Haut­schich­ten auf­löst. Wenn das Pflas­ter die Haut aus­rei­chend fixiert und die bean­spruch­te Stel­le dadurch ruhig stellt, reibt nichts mehr. Also ent­ste­hen kei­ne Bla­sen. Das ist eigent­lich schon das gan­ze Geheim­nis. Wel­ches Pflas­ter man benutzt, ist dann wohl eher Geschmacks­sa­che. Im Gegen­satz zu Leu­ko­tape ist Papier­pflas­ter (z.B. 3M Micro­po­re) deut­lich bil­li­ger, aber in der gän­gi­gen Grö­ße auch wesent­lich schma­ler. Bei dem Ver­such fie­len immer­hin 18 von 128 Teil­neh­me­rin­nen aus, meis­tens, weil sich das Pflas­ter vor­zei­tig lös­te.

Immer­hin, die Schluss­fol­ge­rung fällt klar aus:

We found that paper tape had a robust pro­tec­tive effect on blis­ter for­ma­ti­on on run­ners’ feet in mul­tis­ta­ge ultra­ma­ra­thons. Paper tape is an inex­pen­si­ve, readi­ly avail­ab­le, and easy-to-app­ly inter­ven­ti­on that pre­ven­ted blis­ters in appro­xi­mate­ly 3-quar­ters of the peop­le who app­lied it. This stu­dy was the first to show that a simp­le adhe­si­ve tape can pre­vent foot blis­ters.

Der Ver­gleich mit ande­ren (in vori­gen Expe­ri­men­ten getes­te­ten) Lösun­gen fällt auch deut­lich aus – Vase­li­ne und ande­re Mit­tel ver­rin­gern zwar die Rei­bung, aber nicht so effek­tiv wie Tapes. Pro­ble­me mit dem Papier­pflas­ter gab es eher bei nas­sen Läu­fen, weil es dann offen­bar nicht aus­rei­chend hält. Anek­do­ti­sche Evi­denz aus mei­ner Erfah­rung zeigt, dass das für sach­ge­mäß ange­brach­tes Leu­ko­tape nicht gilt. Dafür hat man dann dabei das Pro­blem des Ent­fer­nens – gera­de bei wie­der­hol­ten Läu­fen und wie­der­hol­ter Anwen­dung lei­det die Haut. Da kann Papier­pflas­ter, das betont auch die Stu­die, sei­ne Stär­ken aus­spie­len:

Alt­hough the most com­mon rea­son for pro­to­col non­com­pli­an­ce was the lack of tape adhe­si­on, the­re is a bene­fit of the weak adhe­si­ve qua­li­ties of paper tape in that it mini­mi­zes the pos­si­bi­li­ty of unroofing a blis­ter upon its remo­val.

Inter­es­san­ter­wei­se (und für mich etwas über­ra­schend) wur­de auch beob­ach­tet, dass Bla­sen am häu­figs­ten rela­tiv zu Beginn der Lauf­zeit (in den ers­ten Stun­den) auf­tre­ten – wer dann noch kei­ne hat, bekommt offen­bar auch sel­ten noch wel­che.

Doch davon unab­hän­gig gilt die fro­he Bot­schaft:

This simp­le preta­ping tech­ni­que of blis­ter-sen­si­ti­ve are­as may sub­stan­ti­al­ly impro­ve uti­li­za­ti­on and enjoy­ment of the out­doors by mini­mi­zing both the num­ber and occur­rence of fric­tion foot blis­ters

Lite­ra­tur: Grant S. Lip­man, Lou­is J. Sharp, Mark Chris­ten­sen, Cal­eb Phil­lips, Alex­an­dra DiT­ul­lio, Andrew Dal­ton, Pearl­ly Ng, Jen­ni­fer Shang­kuan, Kathe­ri­ne Shea and Bri­an J. Kra­bak: Paper Tape Pre­vents Foot Blis­ters: A Ran­do­mi­zed Pre­ven­ti­on Tri­al Asses­sing Paper Tape in Endu­ran­ce Distan­ces II (Pre-TAPED II). In: Cli­ni­cal Jour­nal of Sport Medi­ci­ne (2016). URL: http://​jour​nals​.lww​.com/​c​j​s​p​o​r​t​s​m​e​d​/​A​b​s​t​r​a​c​t​/​p​u​b​l​i​s​h​a​h​e​a​d​/​P​a​p​e​r​_​T​a​p​e​_​P​r​e​v​e​n​t​s​_​F​o​o​t​_​B​l​i​s​t​e​r​s​_​_​_​A​_​R​a​n​d​o​m​i​z​e​d​.​9​9​5​6​8​.​a​spx (2016 – 04-14).