Täglich laufen

Übers Laufen und was sonst so draußen passiert.

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Streaktage 14–20

Es gibt wenig zu bericht­en: Es läuft, aber langsam und eher hart, mit zeitweise viel Über­win­dungs­be­darf. Der Rhein hat Hochwass­er, das etwas sinkt und steigt. Es reg­net immer wieder, was das Laufen ja nicht unbe­d­ingt angenehmer macht. Das einzige inter­es­sante: Am Son­ntag kam ich beim Laufen zwis­chen Zell und Brom­bach­tal an der „Sup­pen­schüs­sel“ vor­bei: Da ste­ht mit­ten im Wald bei ein­er Ruhe­bank tat­säch­lich ein­fach ein run­der Sand­stein, der wie eine flache Schüs­sel behauen ist — warum auch immer …

Regenlied

Des Regens stark­er Gesang wird zum Rauschen,
Das voller und voller erklingt.
Es schweigt selb­st der Wald, um dem Liede zu lauschen,
Das der strö­mende Him­mel ihm singt.

Es schäu­men mit wuch­t­en­dem Anprall die Wass­er
Vom Him­mel zur Erde herab.
Es rasen die Ströme des Regens in nass­er,
Wild stürzen­der Wut, die der Blitz ihnen gab.

Es duckt sich und beugt ihren Rück­en die Erde
Unter dem peitschen­den Sausen.
Wie vom Huf­schlag ein­er hin­rasenden Herde
Ist die Luft erfüllt von dem Brausen.

Dann wird das Rauschen zum raunen­den Schallen,
Zum Murmeln von müder Süße.
Auf die Däch­er vere­inzelte Tropfen fall­en
Wie ferne, glück­strunk­ene Küsse.
Sel­ma Meer­baum-Eisinger (1.8.1941)

Streaktage 1–13

Der neue Streak begann am 31. Mai – eigentlich war der Start am 1. Juni geplant, ich habe aber gle­ich stilecht mit einem Mit­ter­nachts­dou­ble begonnen ;-). Die ersten Tage bish­er weit­ge­hend ereignis­los. Die Kilo­me­ter sind sehr beschei­den. Aber jet­zt geht es erst ein­mal darum, täglich zu laufen. Und dann die Kilo­me­ter langsam zu erhöhen – sowohl die täglichen als auch die max­i­malen, das heißt, die „lan­gen“ Läufe (die momen­tan das Attrib­ut „lang“ höch­sten im Ver­gle­ich tra­gen dür­fen …). Am Mittwoch habe ich dann gle­ich noch einen Stolper­sturz am Rhein­ufer vor Pub­likum hin­gelegt und mir mal wieder eine Schür­fwunde am Knie zuge­zo­gen, aber die ist harm­los. Man sollte halt beim Laufen nicht zu sehr ins Träu­men ger­at­en. Diese Woche habe ich gestern und heute mit zwei Regen­läufen im Oden­wald abgeschlossen (und zwar so richtige Regen­läufe, nicht so ein biss­chen Geniesel: Bei­de Male hat­te ich keinen trock­e­nen Faden mehr am Leib). Die Woche heute kon­nte ich immer­hin mit der schö­nen Summe von 33,3 Kilo­me­tern abschließen. Das ist natür­lich nicht viel, aber mehr, als ich im Mai ins­ge­samt gelaufen bin 😉

Wissenschaftliche Blasenvermeidung

Es ist ja eigentlich kein großes Geheim­nis: Wenn man zu Blasen­bil­dung neigt, klebt man die entsprechend gefährde­ten Regio­nen ab. Ich benutze dafür Leuko­tape: Das hat mit knapp 4 Zen­time­tern eine aus­re­ichend große Bre­ite, lässt sich auch ohne Schere kürzen und vor allem hält es bomben­fest — manch­mal sog­ar zu fest …

Ein Ärzteteam hat nun eine alter­na­tive Meth­ode unter­sucht. Sie ver­wen­de­ten Papierpflaster bei ver­schiede­nen Aus­tra­gun­gen des mehrtägi­gen Ultra­ma­rathons “Rac­ingTh­e­P­lan­et” 2014. Das nun auch sta­tis­tisch — in diesem Ver­such mit 128 Teil­nehmern — abgesicherte Ergeb­nis: Pflaster beu­gen Blasen vor. (In bester natur­wis­senschaftlich­er Tra­di­tion waren auch ganze zehn Ärzte als Autoren für die Studie, die sieben Seit­en inklu­sive Fotos, Dia­gramme und Tabellen umfasst, notwendig …)

Das ist ja logisch: Blasen entste­hen durch Rei­bung (auf) der Haut, die sich auf die Haut überträgt und die Kohä­sion der Hautschicht­en auflöst. Wenn das Pflaster die Haut aus­re­ichend fix­iert und die beanspruchte Stelle dadurch ruhig stellt, reibt nichts mehr. Also entste­hen keine Blasen. Das ist eigentlich schon das ganze Geheim­nis. Welch­es Pflaster man benutzt, ist dann wohl eher Geschmackssache. Im Gegen­satz zu Leuko­tape ist Papierpflaster (z.B. 3M Micro­p­ore) deut­lich bil­liger, aber in der gängi­gen Größe auch wesentlich schmaler. Bei dem Ver­such fie­len immer­hin 18 von 128 Teil­nehmerin­nen aus, meis­tens, weil sich das Pflaster vorzeit­ig löste.

Immer­hin, die Schlussfol­gerung fällt klar aus:

We found that paper tape had a robust pro­tec­tive effect on blis­ter for­ma­tion on run­ners’ feet in mul­ti­stage ultra­ma­rathons. Paper tape is an inex­pen­sive, read­i­ly avail­able, and easy-to-apply inter­ven­tion that pre­vent­ed blis­ters in approx­i­mate­ly 3‑quarters of the peo­ple who applied it. This study was the first to show that a sim­ple adhe­sive tape can pre­vent foot blis­ters.

Der Ver­gle­ich mit anderen (in vorigen Exper­i­menten getesteten) Lösun­gen fällt auch deut­lich aus — Vase­line und andere Mit­tel ver­ringern zwar die Rei­bung, aber nicht so effek­tiv wie Tapes. Prob­leme mit dem Papierpflaster gab es eher bei nassen Läufen, weil es dann offen­bar nicht aus­re­ichend hält. Anek­do­tis­che Evi­denz aus mein­er Erfahrung zeigt, dass das für sachgemäß ange­bracht­es Leuko­tape nicht gilt. Dafür hat man dann dabei das Prob­lem des Ent­fer­nens — ger­ade bei wieder­holten Läufen und wieder­holter Anwen­dung lei­det die Haut. Da kann Papierpflaster, das betont auch die Studie, seine Stärken ausspie­len:

Although the most com­mon rea­son for pro­to­col non­com­pli­ance was the lack of tape adhe­sion, there is a ben­e­fit of the weak adhe­sive qual­i­ties of paper tape in that it min­i­mizes the pos­si­bil­i­ty of unroof­ing a blis­ter upon its removal.

Inter­es­san­ter­weise (und für mich etwas über­raschend) wurde auch beobachtet, dass Blasen am häu­fig­sten rel­a­tiv zu Beginn der Laufzeit (in den ersten Stun­den) auftreten — wer dann noch keine hat, bekommt offen­bar auch sel­ten noch welche.

Doch davon unab­hängig gilt die fro­he Botschaft:

This sim­ple pre­tap­ing tech­nique of blis­ter-sen­si­tive areas may sub­stan­tial­ly improve uti­liza­tion and enjoy­ment of the out­doors by min­i­miz­ing both the num­ber and occur­rence of fric­tion foot blis­ters

Lit­er­atur: Grant S. Lip­man, Louis J. Sharp, Mark Chris­tensen, Caleb Phillips, Alexan­dra DiT­ul­lio, Andrew Dal­ton, Pearl­ly Ng, Jen­nifer Shangkuan, Kather­ine Shea and Bri­an J. Krabak: Paper Tape Pre­vents Foot Blis­ters: A Ran­dom­ized Pre­ven­tion Tri­al Assess­ing Paper Tape in Endurance Dis­tances II (Pre-TAPED II). In: Clin­i­cal Jour­nal of Sport Med­i­cine (2016). URL: http://journals.lww.com/cjsportsmed/Abstract/publishahead/Paper_Tape_Prevents_Foot_Blisters___A_Randomized.99568.aspx (2016–04-14).

Cool in Kühtai

Vier Tage Ski­fahren im März mussten es — ergänzend zum eben­falls viertägi­gen Besuch beim Mono-Ski.org-Treffen in Galtür im Jan­u­ar — noch sein. Das ganze war dann, auf­grund ver­schieden­er Ter­min­ver­schiebun­gen und ‑über­raschun­gen, doch etwas kurzfristig geplant: In der ersten März­woche don­ner­stags noch schnell eine Unterkun­ft organ­isiert, Miet­wa­gen gebucht und das Mate­r­i­al gecheckt. Das Ziel Küh­tai stand schon eine Weile auf mein­er Wun­schliste. Nach einem Skitag dort im Schneesturm als Kind musste ich da noch ein­mal hin, schließlich hat­te ich das als schwieriges Gelände in Erin­nerung.

Vorlauf

Eigentlich wollte ich ja noch ein­mal das super­bil­lige Ange­bot von Flixbus nutzen. Das gab es dann aber im März prak­tisch nicht mehr: Die Auswahl der Skige­bi­ete war schon stark eingeschränkt und die Fahrten noch mehr, in der Regel fuhren die Busse nur noch Fre­itags bis Son­ntags — und das half mir gar nichts, da ich spätestens am Fre­itag abend wieder in Mainz sein musste (Sam­stag stand ein Auftritt an …).

Die Unterkun­ftssuche allerd­ings schwierig: Küh­tai ist ja ein beson­der­er Ort — näm­lich eigentlich gar kein­er. Auf der Höhe — immer um die 2000 Meter hoch — grup­pieren sich ein knappes Dutzend Hotels um die Straße und die Lift­sta­tio­nen. Und das war es dann auch schon so ziem­lich. Wirk­lich gün­stig kommt man da nir­gends unter … Ich habe mich dann für die Zirm­bachalm entsch­ieden. Die liegt etwas außer­halb (an der Straße ins Sell­rain­tal), hat dafür aber eine Bushal­testelle direkt vor der Tür.

Der „Urlaub“ begann in Mainz ganz pro­saisch: Zunächst musste ich mal das Auto abholen und dann erst ein­mal im Mainz­er Berufsverkehrsstau am Europa-Kreisel herum­ste­hen ;-). Mein biss­chen Gepäck war schnell im Auto — die große Ski­tasche passte ger­ade so in den kleinen (und etwas unprak­tis­chen) Pan­da. Und dann ging es auf die Auto­bahn, noch eine Auto­bahn und zur Abwech­slung etwas mehr Auto­bahn. Wegen ein­er Vollsper­rung der A8 bin ich dann doch über Heil­bronn gefahren. Und kurz vor Stuttgart hat mich ein län­ger­er Stauwe­gen eines Last­wa­ge­nun­falls noch ein­mal gehörig aufge­hal­ten. Aber irgend­wann war ich dann im ganz früh­ling­shaft-grü­nen Oetz und kon­nte auf die Straße hoch nach Kuhtäi abbiegen. Das zieht sich dann doch noch mal gewaltig, bis man wirk­lich oben ist. So kam es, dass ich erst nach 16 Uhr an der Zirm­bachalm — einem ein­fachen, aber sehr gemütlichen Gasthof — ankam. Aber ich hat­te ja Zeit, an dem Tag war ja nichts mehr zu erledi­gen …

Der erste Skitag

Um kurz vor neun brachte mich der Skibus — so eine Hal­testelle direkt vor dem Haus ist nicht zu ver­acht­en — nach einem ordentlichen Früh­stück wieder die zwei Kilo­me­ter hoch nach Küh­tai. Da hab’ ich dann schnell einen Skipass gekauft und mich ins Vergnü­gen gestürzt. Das Wet­ter war etwas durchwach­sen: Leichter Schneefall, dichte Bewölkung, stellen- und zeitweise prob­lema­tis­che Sicht. Aber im großen und ganzen war es dur­chaus ok. Und die Pis­ten waren gut prä­pari­ert, der Schnee war schön — es machte ein­fach Spaß, wieder auf dem Ski (meinem ver­traut­en Snow­shark TT Ham­mer) zu ste­hen. So zog ich also meine Run­den, gewöh­nte mich schnell wieder an alles und war glück­lich …
Gegen 14 Uhr war die Sicht kurz so katas­trophal, dass ich tat­säch­lich eine Hüt­ten­pause in Erwä­gung zog. Auf dem Weg in der Gondel­bahn riss dann der Him­mel aber auf, die Sonne schien und es war ein­fach wieder genial. Da war natür­lich an Pause über­haupt nicht zu denken. Und so ging es ohne Pause dann durch bis zwanzig nach drei. Da dachte ich: muss doch mal schauen, wann der Skibus fährt — und hat­te das große Glück, dass er wenige Minuten später abfuhr. Der näch­ste ging näm­lich erst eine Stunde später. Und meine Beine waren schon ganz schön müde. Aber so hat das alles per­fekt gepasst.

Die Ski­line für den Dien­stag:
skiline 8-3-2016

Zurück in der Zirm­bachalm schlüpfte ich erst ein­mal noch in die Laufk­lam­ot­ten und absolvierte einen min­i­malen Streak­er­hal­tungslauf — zwei Kilo­me­ter genü­gen nach einem Tag auf dem Ski auch dur­chaus, zumal es da weit und bre­it nichts ebenes gibt …

Sonne pur am zweiten Tag

Der Mittwoch begrüßte mich schon im Bett mor­gens mit strahlen­dem Son­nen­schein. Und so blieb es auch den ganzen Tag. Das war auch mor­gens, als es noch ordentlich kalt war, sofort zu merken: Deut­lich mehr Leute im Bus, deut­lich mehr PKWs auf den Park­plätzen und deut­lich mehr Men­schen auf den Pis­ten. Bis auf ein Mal, als ich kurz nach 10 Uhr am Hochal­ter-Lift ger­ade in den Anfang der Skikurse geri­et, war das aber nie so viel Betrieb, das man irgend­wo anste­hen musste — schade fast, so reduzierte sich die Erhol­ungszeit auf das Lift­fahren.

Bei diesen schein­bar per­fek­ten Kon­di­tio­nen zog es mich mit dem Snow­gunz-Mono natür­lich auch neben die Piste. Das erwies sich aber als gefährlich. Gle­ich mor­gens in einem schö­nen Hangstück erwis­chte ich dabei einen bösen Stein: Der neue Schnee war sehr leicht und lock­er (und doch nicht sehr viel), bedeck­te alle gefährlichen Stellen, ohne sie wirk­lich zu schützen. Im Laufe des Tages blies der Wind — der gehört unbe­d­ingt zu Küh­tai … — da auch wieder weg. Und die Sonne leck­te auch fleißig: An den Süd­hän­gen kam schnell abseits der Piste auf exponiert­eren Stellen schon heute, spätestens mor­gens der Unter­grund wieder raus. Angesichts der also eher knap­pen Schnee­lage beschränk­te ich meine Off-Piste-Aus­flüge dann in über­sichtliche, pis­ten­na­he Abschnitte. Die waren dann mit weni­gen Aus­nah­men zwar schon etwas zer­fahren und nicht mehr jungfräulich — aber trotz­dem noch sehr wun­der­bar.

Mit­ten im Skige­bi­et stand übri­gens noch der Rest eines Fernse­hevents eines britis­chen Senders auf der Piste im Weg — das Per­son­al war fleißig am Abbauen der absurd riesi­gen Auf­baut­en. Ich finde es ja nicht so prick­el­nd — schließlich bezahle ich ja den vollen Preis … — das für solche Sachen ein Teil des Gebi­etes ges­per­rt wird. Das ganze war sowieso total ver­rückt: Die haben tat­säch­lich mehrere 30-Ton­ner mit Fernseh‑, Licht- und Ton­tech­nik von Eng­land nach Küh­tai gefahren, die dann im Laufe mein­er Anwe­sen­heit dort nach und nach wieder zurück­ge­fahren sind …

Fürs Pro­tokoll die Ski­line vom Mittwoch:
skiline 9-3-2016

Auch der Mittwoch wurde mit einem kurzen Lauf abgeschlossen, bevor ich mich und meine Beine der Erhol­ung anheim­gab.

Sonne zum zweiten

eben­so am Don­ner­stag

Der Don­ner­stag war eine per­fek­te Kopie des Mittwochs: Wieder her­rlich­stes Son­nen­wet­ter, mor­gens war ich auch noch ein­mal etwas Off­piste unter­wegs. Aber mir unter­liefen aus irgend einem Grund häu­figer Fehler als in den let­zten Tagen. Mit dem Snow­gunz ist das ja nicht so drastisch, der verträgt so viel und ist der­maßen gut­mütig, dass man noch unheim­lich viel wieder aus­bügeln kann, bevor man stürzt. Aber gewun­dert hat es mich schon ein biss­chen.

Jet­zt, am drit­ten Tag, merk­te ich auch, dass ich eigentlich alles im Skige­bi­et schon sehr gut kan­nte: Bei jed­er Piste war mir das Pro­fil noch im Gedächt­nis, ich wusste, wo es steil­er wird, wo es bergauf geht (was in Küh­tai ver­gle­ich­sweise häu­fig passiert) und wo es Spaß macht, es richtig krachen zu lassen. Für län­gere Aufen­thalte wäre so ein Skige­bi­et dieser Größe mir dann doch zu über­sichtlich. Da ich ja rel­a­tiv flott unter­wegs bin und eher rast­los ski­fahre, bevorzuge ich dann doch Gebi­ete mit etwas mehr Auswahl …

Auch für den Don­ner­stag noch die Ski­line:
skiline 10-3-2016

Freitag: Heimwärts der Blick

Am Fre­itag musste mor­gens erst ein­mal noch schnell das Auto gepackt wer­den — viel war es ja nicht. Dann bin ich schon mit allem Krem­pel nach Ochsen­garten — also schon ein­mal das erste Stück in Rich­tung Heimat — gefahren und dort in das Hochoetz-Skige­bi­et eingstiegen — mit der wohl ältesten Gondel­bahn, die ich je benutzt habe: 1977 in Sölden gebaut, dann 1999 nach Ochsen­garten ver­set­zt, soll sie wohl jet­zt endgültig aus­ge­mustert wer­den. Die alten Vier­er-Kabi­nen muten wie Pup­pen­spielzeug an, den Ski habe ich ger­adeso mit hinein­bekom­men (außen natür­lich an so einem Old­timer keine Hal­terun­gen für Snow­boards, die ich son­st benutze, um meinen Mono abzustellen). Das Wet­ter war wieder sehr schön, nur mit­tags zog kurz Bewölkung — aber lange nicht so schlimm wie im Wet­ter­bericht angekündigt, ver­zog sich näm­lich sehr schnell wieder, so dass ich doch bis unge­fähr halb vier auf dem Ski stand. Dabei ist Hochoetz eigentlich ziem­lich lang­weilig: Die meis­ten Pis­ten eher kurz, eher bre­it und eher flach … Das war schön, um mal flott unter­wegs zu sein. Eigentlich ist das aber doch eher ein Gebi­et für Anfänger oder noch nicht so sehr geübte. Und das hat man auch gemerkt: An den weni­gen Stellen, wo etwa rote Pis­ten etwas steil­er und enger wur­den, kam es fast zu Staus — und die Piste war dort sehr schnell sehr gut abgekratz. Mir macht das ja eher weniger — ich suche mir ein­fach den losen Schnee, meis­tens liegt davon in der Mitte ein schön­er Streifen kleiner­er Haufen, und set­ze da meine Kurz­schwünge rein. Da brauche ich nur Platz — vor­sichtige, langsame Quer­fahrer kom­men mir da schnell in die Quere, weshalb ich da öfters länger wartete als zur Erhol­ung mein­er schwammi­gen Ober­schenkel eigentlich notwendig war. Aber das waren ja nur wenige Stellen. Und einige Pis­ten — etwa die schwarz markierte (die kaum schwarz zu nen­nen war) blieben erstaunlich leer und bis nach­mit­tags ordentlich prä­pari­ert. Mor­gens hat’s mich hinge­gen gle­ich mal geschmis­sen, weil die erste Abfahrt auf ein­er aus­ge­sprochen schlecht prä­pari­erten Piste (was in Hochoetz, wie ich an diesem Tag fest­stellen kon­nte, keine Aus­nahme ist) stat­tfand. Und der Schnee war ja noch stein­hart, so dass ich nach der drit­ten hohen Kante und großen klumpi­gen Brock­en, die noch herum­la­gen, nicht mehr reagieren kon­nte und mein Ski unter mir ver­schwand (für solche Pis­ten ist der Snow­gunz auch nicht opti­mal, da wäre der TT Ham­mer bess­er, weil er schw­er­er und härter ist). Das Skige­bi­et liegt eigentlich ganz nett und schön ver­winkelt, dadurch verteilt sich der Betrieb recht gut. Nur passt es nicht so recht zu mir und meinen Vor­lieben: zu wenig Her­aus­forderung (selb­st schwarze Pis­ten sind eher gemütlich), zu wenig Span­nung, um mich wirk­lich zu begeis­tern.

Zum Abschluss die Hochoetz-Ski­line:
skiline 11-3-2016

Nachspiel

Das schön Wet­ter hat­te dann auch nach dem Ski­fahren noch Vorteile. Zum einen war das Auto durch die Sonne schön vorgewärmt. Und das Umziehen und Ein­pack­en ist natür­lich in der Sonne wesentlich angenehmer als im Schnee­treiben.

Gegen 15.45 saß ich dann im Auto und bin, inklu­sive eines kurzen Verpfle­gungsstops beim Hofer in Lan­deck, dann gut durchgekom­men. Über den Fer­n­pass hielt zwar ein sehr langsamer Last­wa­gen etwas auf, aber der inge­samt noch mäßige Verkehr blieb im Fluss. Und in Deutsch­land war ja wieder nur Auto­bahn ange­sagt — da war teil­weise, etwa um Ulm herum, mehr Betrieb als ich erwartete, aber im großen und ganzen bin ich gut durchgekom­men (auch wenn ich wieder mal fest­stellte: Aut­o­fahren macht mir keinen Spaß …).
Abends dann in Mainz schnell das Auto aus­geräumt, aus­gepackt und aufgeräumt. Dann habe ich das gle­ich noch zum Ver­mi­eter zurück­ge­bracht (denn am Sam­stag ging es vor­mit­tags ja schon wieder weit­er, dieses Mal in die andere Rich­tung, nördlich von Biele­feld). Das hat ganz gut gepasst, denn den Rück­weg habe ich laufend zurück­gelegt — sehr zur Belus­ti­gung einiger Club­ber. Damit war aber auch meinem Streak wieder genüge getan — und der Skitrip mit einem Mit­ter­nachts­dop­pel würdig abgeschlossen.

Abgekürzt und gedopt: “Die Philosophie des Laufens”

austin & reichenbach, philosophie des laufensDer Titel ist recht voll­mundig und hat mich sofort gepackt und neugierig gemacht: Die Philoso­phie des Laufens — das klingt span­nend und vielver­heißend. Nicht etwa „eine“ Philoso­phie oder „Laufen und Philoso­phie“, nein, Austin und Reichen­bach ver­heißen auf diesen knapp 200 Seit­en Die Philoso­phie des Laufens. Und lei­der kön­nen sie dieses Ver­sprechen so über­haupt nicht ein­lösen.

Die Nen­nung der bei­den Her­aus­ge­ber­na­men ist allerd­ings schon ein Hin­weis auf ein Prob­lem, dass ich mit dem Buch habe. Denn let­ztlich sind das eher zwei Büch­er. Der eigentliche Kern basiert auf ein­er englis­chsprachi­gen Veröf­fentlichung, die Austin bere­its 2007 mit dem ungle­ich passenderen Titel Run­ning & Phi­los­o­phy: A Marathon for the Mind her­aus­gab. Doch von den 19 dort gedruck­ten Auf­sätzen hat der deutsche Her­aus­ge­ber nur acht über­set­zt und über­nom­men und die „Lücke“ mit deutschen Beiträ­gen gefüllt. Die sind aber nun alle ger­ade über­haupt keine philosophis­che Beschäf­ti­gung mit dem Laufen, so dass sich das sehr sorgfältig und schön hergestellte Buch gle­ich mal als Mogel­pack­ung erweist — oder, um es mit einem Läufer­bild zu sagen, der Marathon ist hier kaum 20 Kilo­me­ter lang.

Und wenn man das Bild noch weit­er­spin­nt: Statt eines schö­nen und schwieri­gen Berg- oder Land­schafts-Marathons erwartet den Leser eine wenig inspiri­erende Strecke durch flache Indus­triege­bi­ete. Denn selb­st wenn ich die deutschen Beiträge erst ein­mal außen vor­lasse — der Ertrag der Texte ist wed­er auf philosophis­ch­er noch auf läuferisch­er Seite sehr hoch.

Das zweite von drei Vor­worten entwick­elt zunächst das Pro­gramm:

[…]Läufer sind auf der Suche nach mehr als nur der Ziellinie oder dem Ende der Train­ingsrunde. Für viele ist Laufen auch ein Weg, um Wahrheit­en zu find­en, über sich selb­st und die Dinge in ihrem Leben, die ihnen etwas bedeuten. Für viele von uns ist Laufen ein Weg, sich selb­st ken­nen­zuler­nen, ein Teil unseres Weges zum Glück­lich­sein. Das Laufen schafft uns Freiräume, in denen wir uns über unser Leben und seine großen Fra­gen Gedanken machen kön­nen. Und an eben­jen­em Punkt über­schnei­den sich die Ziele des Läufers und die des Philosophen. Sowohl das Lauf als auch das Philoso­phieren kön­nen uns in ihren besten Momenten helfen, etwas über uns selb­st zu erfahren und darüber, was wichtig ist; vielle­icht sog­ar etwas über Wirk­lichkeit an sich.

Die hier geweck­ten Erwartun­gen kann das Buch dann aber kaum ein­lösen. Sich­er, einige inter­es­sante Ideen und Anre­gun­gen steck­en da drin. Aber die wer­den fast immer nicht aus­re­ichend entwick­elt, um wirk­lich eine „Philoso­phie des Laufens“ begrün­den zu kön­nen.

Michael Austin überträgt das Konzept der Fre­und­schaft aus Aris­tote­les Niko­machis­ch­er Ethik auf Lauf­fre­und­schaften — ein eigentlich nahe­liegen­der Trans­fer, der auch passt, aber wenig neue Erken­nt­nis oder Ein­sicht ins Laufen liefert. Ray­mond Bel­liot­ti bringt in ein­er etwas gezwun­genen Syn­these Laufen und die Macht über Niet­zsches Machtvorstel­lun­gen zusam­men (kon­nte mich über­haupt nicht überzeu­gen).

Ganz unpassend und wenig erken­nt­n­is­fördernd fand ich den Ver­such von Gre­go­ry Bassham, sieben “Voraus­set­zun­gen” des Erfol­gs (im Leben, der Kar­riere und über­haupt) auf das Laufen anzuwen­den. Das ist genau so, wie es sich anhört: Selb­sthil­fege­blub­ber.

Ray­mond Vanar­ragons „Lob des Jog­gers“ führt ein auf den ersten Blick vielver­sprechen­des Kri­teri­um zur Unter­schei­dung von Joggen und Laufen ein: Nicht das Tem­po, son­dern das Ziel führt zur Dif­feren­zierung. Joggen heißt dann, sich bewe­gen, um fit zu bleiben oder zu wer­den. Laufen dage­gen hat andere Ziele: prize und chal­lenge, also unge­fähr: Sieg und/oder Her­aus­forderung (Van­naragon unter­schei­det beim Laufen noch ein­mal zwei Typen). Eine zumin­d­est the­o­retisch dur­chaus überzeu­gende Typolo­gie, finde ich — die müsste man mal empirisch testen …

Am span­nend­sten und inter­es­santes ist der Text von Christo­pher Mar­tin zum „Laufen als ästhetis­che Erfahrung“, der sich dafür bei Deweys Ästhetik-Konzept bedi­ent. Heather Rei­ds „Die Frei­heit des Langstreck­en­läufers“ ist eine exis­ten­tial­is­tis­che Lek­türe von Alan Sil­li­toes The Lone­li­ness of the Long Dis­tance Run­ner, die aber kaum über eine behut­sam kon­tex­tu­al­isierende Para­phrase hin­auskommt. Einen dur­chaus inter­es­san­ten Ansatz bietet Jere­my Wis­news­ki, der die verän­derte Welt­wahrnehmung beim und durchs Laufen unter die Lupe nimmt und sich dafür der Phänom­e­nolo­gie von Meleau-Pon­ty bedi­ent, lei­der aber etwas ober­fläch­lich bleibt (das ist ja eine grund­sät­zliche Krankheit aller Beiträge in diesem Band).

Aber: Auf den ersten Blick nett, aber ein­fach nur Anwen­dung von ein paar ver­streuten Ideen der Philoso­phiegeschichte auf die Tätigkeit des Laufens oder den Sta­tus des Läufers. Also eigentlich in der falschen Rich­tung gedacht: Laufen und Läuferin­nen dienen hier vor allem als Exem­pli­fika­tio­nen philosophis­ch­er The­o­reme oder Überzeu­gun­gen. Erwartet hätte ich hinge­gen eine philosophis­che Unter­suchung des Laufens (Mark Row­lands gelingt das in Der Läufer und der Wolf zwar auch nicht erschöpfend, aber wesentlich bess­er als diesem Band), nicht eine läuferische Betra­ch­tung der Philoso­phie.

Ganz beson­ders ärg­er­lich fand ich aber das deutsche Füll­ma­te­r­i­al. Viel mehr ist das näm­lich nicht. In einem Blog hät­ten die bess­er Platz gefun­den (da kom­men sie bzw. ihr Kern, ihre Idee ja auch her): Isabel Bog­dan schreibt über ihren ersten 10-km-Lauf, Flo­ri­an Baschke über das Laufen mit Iphone-Apps, Jan Drees über das Leich­tath­letik­train­ing und so weit­er — das Prob­lem ist aber: Philoso­phie oder gar eine Philoso­phie des Laufens (oder wenig­stens eine Verknüp­fung oder Verbindung von Philoso­phie und Laufen) kommt da über­haupt nicht vor, so dass die Texte — die als einzelne dur­chaus nett sind — mich an diesem Ort, in diesem Zusam­men­hang ein­fach stören: Das ist Unsinn, eine Mogel­pack­ung. Zumal Peter Reichen­bach lei­der über­haupt nicht erk­lärt, warum er diesen Weg wählt, warum das orig­i­nale Konzept ein­er philosophis­chen Beschäf­ti­gung aus unter­schiedlichen philosophis­chen Blick­winkeln und Denkschulen mit ver­schiede­nen Aspek­ten des Laufen nicht beibehal­ten wurde. So bleibt ein Buch, das wed­er Jog­ger noch Läufer, wed­er Spaziergänger noch Walk­er ist, son­dern ein unerquick­lich­es Kud­del­mud­del.

Michael W. Austin, Peter Reichen­bach (Hrsg.): Die Philoso­phie des Laufens. Ham­burg: mairisch 2015. 197 Seit­en. ISBN 978–3‑938539–37‑8

Ein Haufen Monos in Galtür: Monoskitreffen 2016

Nach mein­er (über)langen Ver­let­zungspause war ich dieses Jahr wieder beim Mono­skitr­e­f­fen (genauer: beim 14. Inter­na­tionalen Tre­f­fen der mono-ski.org) dabei gewe­sen. Und da es ein ger­ades Jahr ist, fand das in Galtür statt — so kon­nte ich genau dort wieder weit­er­ma­chen, wo mein Sturz mich außer Gefecht geset­zt hat­te: eine schöne Sym­me­trie. Nur auf das Nacht­ski­fahren (bei dem es passierte), habe ich verzichtet und bin erst am Don­ner­stag auf die Piste.

Nach Galtür bin ich dieses Mal wed­er mit dem Auto noch mit dem Zug, son­dern mit dem Flixbus gereist — die bieten seit diesem Win­ter Buslin­ien in diverse deutsche und öster­re­ichis­che Skige­bi­ete an, unter anderem eben auch nach Galtür, genauer gesagt, sog­ar bis hoch nach Wirl (wo ich dieses Mal direkt an der Piste ein Zim­mer gefun­den hat­te). Wenn man viel Zeit hat und auf etwas Kom­fort verzicht­en kann, ist die Bus­reise eine inter­es­sante Alter­na­tive. Vor allem deshalb, weil die Busse immer über Nacht fahren. Für mich hieß das: Am Mittwoch abend war um kurz vor 22 Uhr Abfahrt beim Mainz­er Haupt­bahn­hof. Von dort fol­gt erst ein­mal ein langes, umständlich­es und ner­ven­des Gegurke: Über Wies­baden, Frank­furt, Darm­stadt und Ben­sheim sam­melte der Bus ins­ge­samt 15 Leute auf und fuhr dann endlich nach München, wo der Bus plan­mäßig um 5 Uhr ein­tr­e­f­fen sollte, die Fahrtzeit aber etwas unter­bot. Dort tre­f­fen sich im Zen­tralen Omnibus­bahn­hof die Flixbus-Lin­ien und tren­nen sich wieder in die ver­schiede­nen Skige­bi­ete. Meine Lin­ie ins Paz­naun­tal war von dort aus ein großer Dop­peldeck­er, der den sieben Fahrt­gästen viel Platz bot. Da die Chauf­feure die Route über die Innta­lau­to­bahn wählten, kon­nte ich nach der lan­gen Pause in München sog­ar noch etwas schlafen, auch wenn die Busse halt nicht beson­ders bequem sind und lange nicht so ruhig und gle­ich­mäßig fahren wie ein Zug.

Um 9.30 Uhr war der Bus dann in Wirl, prak­tisch direkt an der Tal­sta­tion. Mein Zim­mer im Berghof Bal­luner kon­nte ich um diese Uhrzeit sog­ar schon beziehen — das heißt, mein Gepäck abstellen, die Skik­lam­ot­ten anziehen und raus auf die Piste. Dort habe ich dann erwartungs­gemäß schnell viele andere Monos gefun­den — das ist das Schöne beim Mono­skitr­e­f­fen in Galtür, man sieht sich im kleinen und über­sichtlichen Skige­bi­et eben immer wieder …

Der erste Tag war für mich aber noch vor allem ein vor­sichtiges Her­an­tas­ten: Schließlich stand ich zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder auf meinem TT Ham­mer. Und am Anfang war das auch nicht nur sehr unge­wohnt, son­dern auch ziem­lich wack­lig und unsich­er. Im Laufe des Tages gab sich das aber immer mehr, am Nach­mit­tag war ich schon fast wieder auf altem Tem­po und Rou­tiniertheit. Das Wet­ter hat­te ich am Don­ner­stag allerd­ings etwas über­schätzt: Die Sonne kämpfte doch mit so eini­gen Wolken, aber es blieb fre­undlich. Und mild: Mehrere Grade über Null — so war es eigentlich jeden Tag (mit Aus­nahme der Mor­gen­stun­den).

Am Abend schloss sich dem ersten Pis­tentag dann noch wie gewohnt ein, wie es so schön heißt, gesel­liges Beisam­men­sein (oder inter­na­tion­al: Meet & Greet) im Hotel, in dem die meis­ten der anderen Mono­ski­fahrer & ‑fahrerin­nen untergekom­men waren, an. Für mich hieß das: Nach dem Skitag und einem kleinen Lauf auf der Sil­vret­tas­traße (die ich noch nie mit so wenig Schnee gese­hen habe …) durfte ich noch etwas spazierenge­hen, weil ich ja nicht in Galtür selb­st, son­dern oben in Wirl nächtigte. Dafür habe ich mir dann am näch­sten Mor­gen die (kurze) Skibus­fahrt ges­part und kon­nte prak­tisch direkt von der Haustür auf die Piste rutschen.

So ging es denn auch am Fre­itag nach einem reich­halti­gen Früh­stück (das sollte schließlich bis abends vorhal­ten) wieder kurz vor 9 Uhr auf den Ski, aber nun auf meinen neuen, freilich noch fast unge­fahre­nen Snow­gunz Alpine Rock­et. Und da blieb ich auch bis gegen vier Uhr — dafür ist das Mono­skitr­e­f­fen ja da, dass man mal mit anderen Monos ein­fach fahren kann, denen zuschaut und etwas abguckt und vielle­icht auch noch den einen oder anderen Ski aus­pro­biert. Denn auch in diesem Jahr hat­ten Remy und Jörg wieder einige Test­ski­er mit­ge­bracht. Da ich mit meinen zwei Skiern eigentlich mehr als zufrieden bin, habe ich davon nur wenig Gebrauch gemacht. Das Rad­i­cal­board musste dann aber doch mal unter meine Füße. Dabei han­delt es sich um ein umgewid­metes (upge­cyceltes) Race­board. Das fuhr sich dur­chaus inter­es­sant: Super­sta­bil, ger­ade bei hohen Geschwindigkeit­en und vor allem dann, wenn es auf der Kante stand und nicht über den Belag driftete. Das passt zwar nicht ganz zu meinen bevorzugten Fahrweisen, war aber aus­ge­sprochen faszinierend. Nur der über­aus hohe Preis rel­a­tiviert das faszinierende Kön­nen des Skis dann doch wieder etwas …

Auch sam­stags legte ich wieder einen Früh­start hin. Vor­mit­tags bin ich vor allem mit Bruno über die Piste geheizt — beziehungsweise er ist geheizt (für ihn war das wahrschein­lich eher lock­er ;-)…) und ich habe ver­sucht, halb­wegs mitzuhal­ten … Mit­tags stand dann noch die “Gedächt­nis­ab­fahrt” mit allen anwe­senden 32 Mono­ski­fahrerin­nen und Ver­lesung des Mono-Prayers auf dem Pro­gramm — großar­tig, so eine riesige Gruppe (wenn auch kaum koor­diniert zu fahren in so einem Pulk …). Über­haupt war es sehr schön, wie viele Teilnehmer_innen dieses Mal den Weg nach Galtür gefun­den haben, darunter auch viele neue Gesichter (deren Namen ich mir gar nicht alle behal­ten kon­nte). Am Sam­stag habe ich dann doch noch einen Ski getestet: Den Duret Bumps — wahrschein­lich ein­er der (für mich) besten Duret-Monos. Durch die schmale, fast ger­ade Form ist er unge­heuer wendig und ver­dammt präzis­es zu fahren. Dafür ver­langt er aber auch (ger­ade im Ver­gle­ich zu den in dieser Hin­sicht harm­losen Snow­gunz) ein genaueres, kon­trol­liert­eres Steuern. Beson­ders in den halb aus­geprägten Buck­elchen neben der Piste, dem aus­ge­fahre­nen Off-Piste-Bere­ich, kon­nte er mich sehr begeis­tern: Da kann er seine Stärken näm­lich aus­geze­ich­net ausspie­len.

Und zum Schluss bin ich am Sam­stag doch noch auf den Kimono-Carv­er gestiegen. Ein selt­sames Gerät ist das: 99 Zen­time­ter lange Mis­chung aus Snow­board und Mono­ski, der kaum zu beherrschen ist. Man muss sehr genau in ein­er richti­gen Posi­tion ste­hen, son­st fällt man nach hin­ten oder vorne ein­fach über, der Ski rutscht dann unter den Füßen ger­adeso durch. Zum Glück kon­nte ich den mit der Hil­fe Rolands aus­pro­bieren, denn so oft lag ich schon sehr lange nicht mehr auf der Piste — wie ein Anfänger zunächst alle paar Schwünge. Und mit dem Ski kann ich nicht auf­ste­hen (zum Schluss ist es mir immer­hin ein­mal geglückt), der rutscht ein­fach wieder weg … Total verkrampft bin ich so von der Faulbrun­nalm (wo auch in diesem Jahr Remy & Jörg wieder das Test­cen­ter mit den Monos zum Aus­pro­bieren aufge­baut hat­ten) zur Tal­sta­tion der Alp­ko­gel­bahn gekrochen (für meine Ver­hält­nisse war das unendlich langsam 😉 …) — und dann war ich fer­tig damit. Sehr, sehr schwierig zu fahren (so blöd kam ich mir noch auf keinem Ski vor), dieses Ding, ohne dass ich den wirk­lichen Vorteil des Kimonos sehen oder auch nur erah­nen kon­nte. Und am Abend stand dann noch die Ver­lei­hung des Drop­man-Awards an, der für einen “Baumkuss” dieses Mal nach Bel­gien ging.

Am Son­ntag: Schnee. Schon am Sam­stagabend hat­te es auf dem Rück­weg geschneit (und war so stür­misch gewe­sen, dass ich kaum etwas sah, weil der Wind mir den Schnee ins Gesicht und die Brille trieb). Jet­zt der mor­gendliche Blick aus dem Fen­ster: Ziem­lich dicht­es Schnee­treiben. So gar keine Lust … Schnell noch fer­tig gepackt (abends ging ja wieder der Bus zurück), etwas gezögert und dann doch um 9 an der Bahn gewe­sen. Und über­haupt nicht bereut. 20 bis 30 Zen­time­ter Neuschnee auf der Piste — das ist mor­gens, wenn der Schnee noch ganz unz­er­fahren auf der Piste liegt, ein­fach her­rlich und wun­der­bar.

Nur lei­der war die Sicht im Schneefall auch entsprechend beschei­den, so dass man den frischen Schnee nicht so unbeschw­ert genießen kon­nte, wie ich das gerne gehabt hätte. Aber einige schöne und sehr schöne Abfahrten kon­nte der Tag trotz­dem noch bieten. Gegen Mit­tag wurde die Sicht aber immer schlechter, die Bre­itkopf­bahn stellte den Betrieb ein, zeitweise auch die zen­trale Bal­lun­spitzbahn. Und die Pis­ten waren natür­lich jet­zt zer­fahren: Große Schnee­haufen, darunter und dazwis­chen harte bis glat­te Piste — das sind her­aus­fordernde Bedin­gun­gen, selb­st für Mono­skis, die damit ten­den­ziell deut­lich bess­er zurechtkom­men als “nor­male” Ski­er. Zumal es wieder sehr mild, um nicht zu sagen, warm war und der Schnee entsprechend schw­er wurde: Echter Knochen­brech­er­schnee eben. Die Duo­lat­ten­fahrer sind auch umge­fall­en wie die Fliegen — wahrschein­lich hat es auch nicht ger­ade geholfen, dass es für viele der erste Tag war, denn am Sam­stag hat­ten sich in Galtür viele Zim­mer gefüllt, es war deut­lich mehr Betrieb als in den Tagen zuvor. Wir haben dann auch eine län­gere Mit­tagspause ein­gelegt und gegen 15 Uhr endgültig Schluss gemacht.

Dann habe ich noch lange rumge­sessen und gewartet, denn mein Bus hat­te eben erst um 19.40 Abfahrt. Da bin ich dann im strö­menden Regen übers spiegel­glat­te Eis mit meinem Gepäck hingeschlit­tert — sehr lustig. Denn inzwis­chen war es noch wärmer gewor­den, es reg­nete nicht nur in Wirl auf immer 1600 Metern, son­dern auch noch hoch bis ins Skige­bi­et hinein — schade um den schö­nen neuen Schnee … Wieder fuhr ein Dop­peldeck­er nach München — dieses Mal waren wir ganze zwei Pas­sagiere in dem riesi­gen, 20 Ton­nen schw­eren Fahrzeug, mein Gepäck hat­te das ganze Gepäck­fach für sich allein: Das sind die ökonomisch und ökol­o­gisch per­versen Seit­en des Fern­bus-Lin­ien­verkehrs (mal davon abge­se­hen, was das für die Fahrer bedeutet und wie die ent­lohnt wer­den). Die Fahrerin ver­ließ dann dieses Mal bei Inns­bruck die Auto­bahn und fuhr über den Zir­ler Berg nach Deutsch­land. Viel zu früh kamen wir in München ZOB an, der Bus nach Mainz ging ja erst um 0.55 Uhr, so dass ich wieder gut anderthalb Stun­den Wartezeit hat­te. Der war dann auch fast voll — viele Fahrgäste, die nach Frank­furt woll­ten (und sog­ar ein Ski­fahrer dabei …). Da der Bus von Frank­furt dann direkt nach Mainz fahren kon­nte, waren wir bere­its um 6.50 am Bahn­hof. Von dort ging es dann noch schnell mit dem Lin­ien­bus heim und unter die Dusche — und fer­tig war der Ski­urlaub, der Mon- und All­t­ag kon­nte wieder begin­nen.

Erholung beim Transkontinentallauf

Rain­er Koch erholt sich beim Tran­skon­ti­nen­tal­lauf: Ein ganz nettes Inter­view aus dem Pro­jekt “Sportepiso­den” von Lukas Miller, das sich mit Extrem­sportlern und ihrem Treiben und ihrer Moti­va­tion beschäftigt:


Beim Klick­en auf das und beim Abspie­len des von YouTube einge­bet­teten Videos wer­den (u. U. per­so­n­en­be­zo­gene) Dat­en wie die IP-Adresse an YouTube über­tra­gen.

Auch die anderen “Sportepiso­den” — unter anderem Apnoetauchen, High­lin­ing — sind ganz inter­es­sant …

Laufen und Stolpern im Dunkeln

So kommt man heim, wenn man abends im Dunkeln auf dem Rück­weg des Laufes in Gedanken vor sich hin­träu­mend läuft und über einen losen Pflaster­stein stolpert:

(was man nicht so gut sieht: Das hat nicht nur sehr gut geblutet, son­dern war auch recht tief aufgeschürft und hat entsprechend langsam geheilt (vor allem, weil es zwis­chen­durch noch etwas geeit­ert hat …)
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